Die meisten Anhänger des HSV haben den ersten Schock überwunden, nach dem Abstieg aus der Bundesliga richtet sich der Blick wieder in die Zukunft. Das gilt auch für Timo Horn, den Chef des Supporters Clubs. Bei Facebook gewährte der Fan-Boss einen Einblick in seine Gefühlswelt, schrieb: „Die Tränen sind getrocknet, irgendwie wirkt es fast ein bisschen befreiend, dass der ewig andauernder Albtraum Abstiegskampf endlich zu Ende ist. Ab heute wird nach vorne geguckt.“

Hilft Absteiger Köln dem HSV mit einem Sieg in Wolfsburg? Diese Frage stellen sich alle Fans in Hamburg. „Wir stehen weder auf der Seite von Wolfsburg noch auf der des HSV. Das beeinflusst uns nicht“, sagte FC-Keeper Timo Horn dazu. „Wir wollen für unsere Fans ein gutes Spiel machen. Gegen München haben wir uns nicht hängen lassen. Das wird auch diesmal nicht passieren. So schwer es auch ist, in einem solchen Spiel die Köpfe noch einmal hochzunehmen. Ich kenne den Charakter dieses Teams. Wir werden alles raushauen!“ Das klingt doch gut aus Hamburger Sicht.

Zwischen 2003 und 2009 standen Bernd Hoffmann als Vorstandsvorsitzender und Dietmar Beiersdorfer als Sportdirektor an der Spitze des HSV. Nach den Niederlagen jeweils im Halbfinale des UEFA-Cups und des DFB-Pokals gegen Werder Bremen und trotz der erneuten Qualifikation für die Europa League kam es zwischen den beiden Verantwortlichen zum Bruch. Wie Hoffmann, mittlerweile als Präsident und Aufsichtsratschef zurück an der Macht, heute darüber denkt, verriet Supporters-Chef Timo Horn bei NDR 90,3: „Bernd Hoffmann hat mir gesagt, dass die beiden aus heutiger Sicht eine Eheberatung gebraucht hätten anstatt sich zu trennen.“

Neben Marcell Jansen war auch Supporters-Chef Tim-Oliver Horn bei NDR 90,3 zu Gast. Und er sprach vielen Anhängern des Liga-Dinos aus der Seele: „Eigentlich sollte man als HSV-Fan in Sachen Abstiegskampf Routine haben, aber ich bin noch zappelig. Gefühlt waren wir schon abgestiegen, jetzt rechnet man sich wieder etwas aus. Die Grundstimmung? Nervös!“ Horn erzählte, dass wohl bis zu 6000 Hamburger am Sonnabend in Wolfsburg dabei sein werden, um das Team zu unterstützen: „Alle wissen, worum es geht. Wir werden alles geben, um den nächsten Sieg zu holen.“

Erst das Drohplakat („Bevor die Uhr ausgeht, jagen wir euch durch die Stadt“) einiger Fans auf der Nordtribüne, dann der Versuch eines Platzsturms, der von Polizisten mit Hunden verhindert wurde. Im Rahmen der Pleite gegen Leverkusen stellten sich Anhänger des HSV in sehr aggressiver Weise gegen die Profis. Supporters-Chef Timo Horn bringt dafür Verständnis auf: „Ich kann verstehen, dass Teile unserer Fans auf Provokation umgestellt haben. Ob es was hilft, weiß ich leider nicht“, sagte er dem „Abendblatt“.

Voller Zuversicht geht der 1. FC Köln in die Partie in Hamburg. „Das Momentum spricht ein wenig für uns. Wir haben das letzte Spiel der Hinrunde und jetzt auch das Derby gegen einen sehr starken Gegner gewonnen. Hamburg hat den Auftakt verloren. Wir haben mit einem Sieg die Chance, auf drei Punkte ranzurücken. Nach sechs Punkten in der Hinrunde ist es eigentlich Wahnsinn, dass wir die überhaupt noch haben“, sagte Torwart Timo Horn. Und weiter: „Wir haben das Zeug dazu, eine Serie zu starten und damit Anschluss in der Tabelle zu finden. Sollten wir das Hamburg-Spiel positiv gestalten, ist wieder alles möglich. Für den Gejagten ist es immer schwieriger als für den Jäger.“