Am 3. August beginnt für den HSV erstmals in seiner Geschichte das Kapitel 2. Bundesliga. Coach Christian Titz warnt aber schon jetzt vor den Widrigkeiten im Unterhaus. „Das wichtigste Merkmal wird sein, dass wir die 2. Liga mit all ihren Facetten annehmen. Wir dürfen nicht denken, dass wir gefühlt ein Erstligist sind. Uns muss ganz klar bewusst sein, dass wir in der 2. Bundesliga spielen. Wir werden gegen Mannschaften spielen, die ein Stück weit ums Überleben kämpfen. Diese Teams werden starke Kampfelemente ins Spiel werfen und sich nie aufgeben. Zudem ist jede Mannschaft besonders heiß, gegen den HSV zu gewinnen”, sagte der Coach dem Vereinsmagazin HSVlive.

 

Am Sonnabend (15.30 Uhr) geht es für den HSV mal wieder um alles. Dabei lohnt sich ein Blick auf die Statistik. In der Bundesliga konnte der HSV bereits 41 Mal gegen Frankfurt gewinnen, nur gegen Stuttgart (44) wurde häufiger gesiegt. Mit 161-Liga-Treffern stellen die Hessen zudem einen Lieblingsgegner der Rothosen dar. Nur gegen Dortmund konnte der HSV  häufiger (179 Tore) treffen.  Am Sonnabend soll diese Bilanz mit positiven Ergebnissen weiter ausgebaut werden.

 

 

Für den HSV ist die Partie in Frankfurt ein Alles-oder-Nichts-Spiel. Nur ein Sieg hilft der Mannschaft von Christian Titz weiter. Schlecht für den HSV: Mit Kevin-Prince Boateng und Omar Mascarell stehen der SGE gleich zwei Schlüsselspieler wieder zur Verfügung. „Das wird mit Sicherheit ein großer Kampf“, sagt Boateng und fügt an: „Es ist ja auch eine Art Finale für den Hamburger SV. Sie spielen derzeit guten Fußball und bringen die nötige Leidenschaft mit. Das haben wir zur Kenntnis genommen. Nichtsdestotrotz liegt es an uns: Wir müssen alles reinhauen und dürfen keine Geschenke mehr verteilen.“

Mit seinen Glanzparaden gegen Freiburg hielt er den HSV im Spiel. Julian Pollersbeck macht eine klasse Partie und dankte anschließend vor allem den Fans:  „Die Fans geben uns enorm Kraft. Es ist immer wieder Wahnsinn hier, wenn die Kulisse Feuer fängt und uns unterstützt, ich verstehe da teilweise mein eigenes Wort nicht mehr. Sie sind ein ganz, ganz wichtiger Teil.“ Dann richtete der Schlussmann den Blick direkt aufs kommende Wochenende. Mit einem Sieg gegen Wolfsburg wäre der Relegationsplatz nur zwei Punkte entfernt: „Aktuell spielen wir ja noch in der Bundesliga. Aktuell liegt es zwar nicht mehr in unserer Hand, aber wir müssen unsere Hausaufgaben machen und wenn wir die gemacht haben, können wir auf die anderen schauen. Fünf Euro ins Phrasenschwein: Wir müssen von Spiel zu Spiel denken.“

Bayern-Coach Jupp Heynckes reagiert mit Wehmut auf den drohenden HSV-Abstieg aus der Bundesliga. Der 72-Jährige sagte angesprochen auf die Situation beim Liga-Dino: „Ich kann aus der Ferne nicht beurteilen, was in Hamburg schief gelaufen ist. Dafür müsste ich Interna wissen. Der HSV wird aber auf jeden Fall fehlen. Es gab ja großartige Zeiten, wenn ich nur an Uwe Seeler, Ernst Happel oder Günter Netzer denke. Er stand für klasse Fußball. Wenn so ein Klub absteigt, ist das immer schade. Aber das kann ich auch über den 1. FC Köln sagen. Auch das ist ein großer Klub.“

Sechseinhalb Jahre (2005 bis 2011) schnürte sich Piotr Trochowski die Fußballschuhe für den HSV. Mit seinem Ex-Klub leidet der Ex-Profi natürlich mit. „Jeder haut von oben drauf. Da kannst du nicht befreit aufspielen“, sagte Trochowski im Interview mit dem NDR und räumte den HSV nur noch eine rechnerische Restchance auf den Klassenverbleib  ein: „Rechnerisch ist es noch möglich, aber es sieht definitiv nicht gut aus. Die Mannschaften, die noch kommen, sind auch nicht schwach. Und man muss noch auswärts ran, bei Teams, die höher stehen und um die Europapokalplätze spielen.“

 

Gegen den HSV verbuchten die Münchner zu Hause und insgesamt die meisten Punkte (125/214) und Tore (156/241). Im eigenen Stadion erzielten die Bayern im Schnitt genau drei Treffer gegen die Rothosen, und die letzten acht Heimspiele gewannen sie mit 45:3 Toren. Aus Hamburger Sicht lesen sich die Ergebnisse der letzten sieben Partien in München so: 0:8, 0:5, 0:8, 1:3, 2:9, 0:5, 0:6. Der HSV erbeutete in den letzten 17 Duellen nur drei Punkte und siegte an der Isar zuletzt am 28. April 2007. Der 2:1-Siegtreffer von Paolo Guerrero bescherte dem HSV damals drei Runden vor Schluss sechs Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge und kostete den Bayern die Teilnahme an der Champions League. Aus den letzten elf Saison-Gastspielen hat der HSV als schwächste Auswärtself der Liga aber nur zwei Punkte vorzuweisen. Der Dino ist seit zwölf Runden sieglos und damit nur zwei Spiele vom Vereins-Minusrekord von 14 Partien aus der Saison 1966/67 entfernt. Damals endete die Misere mit einem 3:1 in München. Seit dem 3:0 gegen Hoffenheim vom 26. November punkteten die Norddeutschen nur mit drei 0:0 und zwei 1:1. Der Tabellenführer gab beim 0:0 gegen Hertha am 24. Februar erstmals unter Heynckes in einem Heimspiel Punkte ab, blieb aber in den letzten drei Pflichtspielen ohne Gegentor. Bester Münchner Torvorbereiter ist Thomas Müller mit zehn Assists. Kurios: Der HSV erspielte nach dem FC Bayern (168) mit 148 die meisten Eckbälle aller Klubs.

– Hinrunde: 1:0

Die Duelle in Zahlen: Heimbilanz: 39 S, 8 U, 5 N – 156:45 Tore

– Gesamtbilanz: 64 S, 22 U, 19 N – 241:101 Tore

Letzter Heimsieg: 8:0 am 25.2.17

– Letzte Heimniederlage: 1:2 am 28.4.07

Letzter Elfmeter: Bayern (17/15): Lewandowski am 25.2.17

– HSV (11/8): Trochowski am 15.8.08

Letzter Platzverweis: Bayern (2): Boateng am 3.5.14

– HSV (5): Atouba am 28.4.07

Aktuelle Bayern-Schützen gegen Hamburg: Lewandowski (12), Robben (9), Müller (7), Ribery (5), Coman (2), Vidal (2), Alaba, Kimmich, Rudy, Süle, Tolisso, Wagner

HSV-Schützen gegen München: Hunt (2), Hahn, Salihovic