Sportchef Jens Todt will bei der Frage um die Zukunft von Kapitän Gotoku Sakai zügig Fakten schaffen. Für die kommende Woche habe er mit dem Japaner und dessen Berater Guido Walter ein Treffen angesetzt. „Ich bin zuversichtlich, dass wir uns danach einigen werden“, sagte Todt dem „Hamburger Abendblatt“. Mit Dennis Diekmeier, dessen Vertrag am Saisonende ebenfalls ausläuft, sei dagegen kein neuer Gesprächstermin vereinbart. „Wir sind dennoch auch bei seiner Vertragsverlängerung schon sehr weit“, sagte Todt.

Am Tag nach der Ankunft im Trainingslager standen heute für Streik-Profi Walace die nächsten Krisengespräche beim HSV an. Vorstands-Boss Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt geigten dem Brasilianer dabei in Anwesenheit von dessen Berater Rogério Braun die Meinung. Bruchhagen sprach dem 22-Jährigen dabei mündlich eine Abmahnung aus. „Es war ein formaler Vorgang. Wir haben ihn angehört, dann konfrontiert mit unserer Sichtweise und schließlich die Abmahnung im Beisein von Zeugen ausgesprochen“, erklärt Bruchhagen, der erklärte, dass Gespräch in einer ruhigen Atmosphäre stattgefunden habe. Die schriftliche Abmahnung werde noch folgen. „Es ist völlig klar, dass der Spieler bleiben soll.“ Am Sonnabend soll der abwanderungswillige Olympiasieger erstmals wieder mit der Mannschaft trainieren.

 

Am Donnerstag soll Walace nun im Trainingslager in Jerez de la Frontera erscheinen – so die Hoffnung von Sportchef Jens Todt. „Fakt ist, dass wir an ihn glauben“, sagte er im Interview mit dem „Kicker“. „Ich habe mehrfach mit ihm gesprochen, ihm auch vor Augen geführt, wie sich sein Landsmann entwickelt hat: Douglas Santos hat auch ein Jahr gebraucht und spielt jetzt eine richtig gute Rolle bei uns. Daran soll er sich orientieren. Ich merke, dass es in ihm grummelt, aber generell gilt: Einzelschicksale sind in unserer Situation nicht relevant. Jeder muss sich jetzt den übergeordneten Interessen des Vereins unterordnen.“

Sportchef Jens Todt hat im Interview mit dem „Kicker“ erklärt, auf der Besetzung der Torwartposition keinen Fehler gemacht zu haben. Man habe den Verlust von René Adler nicht unterschätzt, sagte Todt: „Christian Mathenia hat in der Endrunde der Vorsaison hervorragende Spiele gemacht. Die Hinrunde war sicherlich nicht seine beste, aber wir glauben an ihn und haben ja auch noch einen jungen Herausforderer, der sich zuletzt gut entwickelt hat.“ Vom neu ausgerufenen Konkurrenzkampf mit Julian Pollersbeck erhofft sich Todt eine Leistungssteigerung. „Es kann sein, dass beide sich gegenseitig zu Höchstleistungen pushen.“

Torwart-Duell in Spanien: Christian Mathenia (l.) und Julian Pollersbeck (Foto: Witters)

Sportchef Jens Todt hält sich weiter bedeckt bei der Frage, ob der HSV noch einen neuen Spieler für das offensive Mittelfeld verpflichten wird. „Wenn sich eine richtig gute Option auftut, wären wir bereit zu handeln, wir müssen aber nicht“, sagte Todt vor dem Abflug ins Winter-Trainingslager nach Jerez.

Sportchef Jens Todt hat den neuen Mann an seiner Seite kurz vor dem Abflug nach Jerez in hohen Tönen gelobt. Der neue Chefscout Johannes Spors „gehört für mich zu den Top-Leuten der Branche“, sagte Todt über den Sportwissenschaftler, der ursprünglich aus dem Bereich der Spielanalyse kommt. In Hoffenheim war er in die Scouting-Abteilung gewechselt und hatte diese geleitet, bis RB Leipzig den heute 35-Jährigen abgeworben hatte. „Er hat dort zwei Jahre eine der sicherlich besten Abteilungen der Liga geleitet. Wir sind total froh, dass er zu uns kommt“, sagte Todt. Spors soll beim HSV nicht nur Chefscout, sondern auch Kaderplaner sein. „Wir wollten seinen Posten und seine Position bewusst aufwerten. Er wird sehr nah an meiner Seite arbeiten.“

Das neue Jahr fängt für den HSV direkt mit einem Eklat an. Walace ist nicht zum Abflug der Mannschaft ins Trainingslager nach Jerez de la Frontera erschienen. Sportchef Jens Todt erklärte, dass der Brasilianer ihm gegenüber sein Fehlen angekündigt habe. „Er beschäftigt sich mit einem Wechsel“, sagte Todt. „Aber wir haben kein Interesse an einem Wechsel. Das werden wir mit ihm in Spanien besprechen, wenn er da ist.“ Der HSV-Sportchef ist nach eigener Aussage in Kontakt mit dem 22-Jährigen und dessen Berater Rogério Braun. „Wir erwarten ihn ziemlich bald zurück. Am 3. rechnen wir damit.“ Walaces Streik werde man „angemessen“ sanktionieren: „Wir wollen den Konflikt nicht größer machen als er ist, aber wir können dieses Verhalten nicht akzeptieren.“ Für Walace soll es in Brasilien mehrere Klubs geben, die Interesse an einer Verpflichtung haben, darunter Gremio Porto Alegre, Atlético Mineiro und Flamengo Rio de Janeiro. In den sozialen Netzwerken hatte der Olympiasieger zuletzt Bilder gepostet, die zeigen, wie er am brasilianischen Strand feiert.

Johannes Spors wird ab dem 1. Februar 2018 neuer Chefscout des HSV. Das sagt der 35-Jährige, der bisher für RB Leipzig gearbeitet hatte: „Es ist eine reizvolle Aufgabe, das HSV-Scouting nachhaltig auszubauen und eine langfristige Kaderplanung zu implementieren. Davon haben mich nicht zuletzt intensive Gespräche mit Jens Todt überzeugt. Der HSV ist ein großer Klub. Ich freue mich darauf, ab Februar ein Teil davon zu sein und mit meinen neuen Kollegen anzupacken.“

15 Punkte nach 17 Spielen – die Bilanz der HSV-Hinrunde ist mehr als düster. Dennoch gab es für Sportchef Jens Todt auch einige positive Momente. „Der Sieg gegen Hoffenheim (3:0 Anm. d. Red.) hat uns sehr gut getan“, sagt der 47-Jährige: „Höhepunkte habe ich auch in der Entwicklung von Spielern wie Fiete Arp und Tatsuya Ito gesehen. Beide haben sich sehr schnell an das Bundesliganiveau angepasst.“

Als absoute Tiefschläge hat der Sportchef die unnötigen Niederlagen gegen Mainz (2:3), Hannover (0:2) und Frankfurt (1:2) wahrgenommen. Todt: „Diese Niederlagen haben uns sehr wehgetan, weil sie vor allem unnötig waren. Wenn wir nur in einem dieser Spiele gewonnen hätten, sähe alles sehr viel besser aus. Aber wenn und aber hilft eben nicht.“