Torwart Julian Pollersbeck und der zur Sturmspitze umfunktionierte Aaron Hunt fehlten heute Vormittag auf dem Trainingsplatz des HSV. Pollersbeck ist von einer Magen-Darm-Grippe niedergestreckt worden. „Ich denke, dass er morgen oder übermorgen wieder so weit sein wird“, klärt Trainer Christian Titz auf und gibt damit Entwarnung für das Spiel in Wolfsburg am Sonnabend. Aaron Hunt befindet sich wegen muskulärer Probleme in Behandlung, absolvierte daher nur eine Einheit auf dem Ergometer. Auch er soll „morgen oder übermorgen“ wieder ins Training einsteigen. „Wir müssen schauen. Wir werden kein Risiko eingehen“, sagte Titz.

Auch in Stuttgart wird Julian Pollersbeck im HSV-Tor stehen. Sein offensiveres Spiel entspricht eher der Vorstellung von Trainer Christian Titz, der den Keeper fast als eine Art Libero begreift. Frank Rost, der von 2007 bis 2011 insgesamt 149-mal im HSV-Tor stand, gefällt das. „Diese Taktik hat ja eine Halbzeit lang gegen Berlin klasse geklappt. Wenn man den Tormann so weit vorne positioniert, birgt das natürlich ein gewisses Risiko. Schön, dass Titz diese Variabilität einführt. Sehr positiv, dass man jetzt versucht Fußball zu spielen. Ich finde den Ansatz gut“, sagte der 44-Jährige der „Bild“.

Christian Titz war grundsätzlich zufrieden mit dem Auftritt beim 3:0 im Testspiel gegen Odense BK. Dem Trainer aber war nicht verborgen geblieben, dass das große Risiko, das insbesondere sein hohes Torwartspiel mit sich bringt, Gefahren birgt. „Im Spiel mit dem Ball machen wir schon vieles sehr gut“, analysierte der neue HSV-Trainer. „Gegen den Ball haben wir es diesmal auch deutlich besser gemacht. Aber man muss immer auf der Hut sein, wenn wir etwas höher spielen, dass wir eine Absicherung gegen Konter drin haben. Das ist uns in der ersten Halbzeit teilweise nicht so gut gelungen, in der zweiten Halbzeit hat das besser geklappt.“ Titz hatte auf der Torwartposition einen Wechsel vorgenommen. Christian Mathenia interpretierte das Torhüterspiel defensiver als Julian Pollersbeck. „Weil der Gegner uns vor die Maßgabe gestellt hat, dass sie die beiden Stürmer öfter eingesetzt haben“, erklärte Titz. Das extrem offensive Spiel Pollersbecks hatte bei Ballverlusten für Gefahr gesorgt. „Da müssen wir schauen, dass uns das nächste Woche nicht passiert“, nahm Titz dies mit einem Lächeln hin und erklärte: „Fußball läuft immer so: Man hat eine Idee, der Gegner hat eine Idee, und dann kommt es zu einem Hin- und Herschieben der Antworten. Die Spieler sind bei uns klar so angehalten, dass sie den Ball sicher und lang schlagen, wenn der Gegner auf uns Druck macht, um sich absetzen zu können. Deswegen ist ein Test wie der gegen Odense so wichtig. Dann lernen die Spieler auch, das sind Erfahrungswerte.“

Christian Titz geht insbesondere beim Torwart-Spiel neue Wege. Unter seiner Ägide ist der Torhüter extrem viel am Ball. Gegen Hertha hatte Julian Pollersbeck 77-mal den Ball. „Ich habe das zuerst mit einer Kinder-Mannschaft probiert“, sagte Titz der „Bild“. „Sie war nicht so stark. Ich dachte, wenn wir uns gegen einen überlegenen Gegner nur hinten reinstellen, schießen sie uns ab. Wenn wir den Ball haben, kann der Gegner kein Tor schießen. Später habe ich das auf meine Mannschaften und auch auf die HSV-U17 übertragen.“

Julian Pollersbeck verdiente sich trotz der 1:2-Niederlage gegen Hertha BSC gute Noten im HSV-Tor. Der U21-Europameister wehrte sieben Torschüsse ab und war bei beiden Gegentoren ohne jede Schuld. Erstaunlich ist aber vor allem die Anzahl an Ballkontakten, die der 23-Jährige hatte. In den 90 Minuten war Pollersbeck 77-mal am Ball und damit häufiger als jeder Hertha-Spieler. In der ersten Halbzeit kam übrigens überhaupt kein Feldspieler auf mehr Ballkontakte als Pollersbeck (45). Trainer Christian Titz hatte gefordert, dass der Torwart sich als eine Art Libero am Spiel beteiligt, Pollersbeck setzte das gekonnt um.

U21-Europameister Julian Pollersbeck  und Stammtorhüter Christian Mathenia könnten den HSV im Sommer verlassen. Während Pollersbeck offenbar von Frankfurt und Köln umworben wird, sollen englische Klubs ihr Interesse bei Mathenia hinterlegt haben. Gut für den HSV: Ein Ersatz soll derweil mit Raphael Wolf von Fortuna Düsseldorf bereitstehen. Das berichtet das Hamburger Abendblatt. Im Freundeskreis soll der Keeper bereits sein Interesse verraten haben. Kein Wunder, denn seine Familie lebt in Hamburg. Wolf: : „Ich fühle mich sehr wohl in Düsseldorf, aber natürlich ist und bleibt auch der HSV, mein erster Klub, immer besonders für mich.“ Beim HSV startete der gebürtige Münchner seine Profikarriere, machte aber sein Bundesligadebüt für Werder Bremen. Danach ging es nach Düsseldorf, wo der Schlussmann erheblichen Anteil am momentanen sportlichen Erfolg hat. Im Sommer könnte nun sein Weg zurück an die Elbe führen.

 

U21-Europameister Julian Pollersbeck sollte einer der Hoffnungsträger auf bessere Zeiten beim HSV sein, ist aber nur Ersatz hinter Torwart Christian Mathenia. Eine Tatsache, die Frank Rost in der TV-Sendung „100 % Bundesliga“ bei NITRO mit dem Kopf schütteln lässt. „Man holt Pollersbeck für 3,5 Millionen, lässt ihn aber nicht spielen, redet ihn auch noch schlecht. Da wird gesagt, der sei nicht der Fleißigste. Solche Aussagen würde es bei Bayern München nie geben“, schimpfte der 44-Jährige. „Es werden immer wieder Spieler vom Verein schlechtgeredet. Der HSV schadet sich damit selbst.“

Einige Fans vermuteten direkt, er habe eine Wette verloren. Julian Pollersbeck aber tat es wohl freiwillig. Der Ersatztorhüter kam heute frisch erblondet oder auch ergraut (je nach Sichtweise) zum Training. Schon gestern zeigte der erneut auf die Bank beorderte Keeper in einem Restaurant seinen neuen Haarschnitt, den Bayern-Stürmer Robert Lewandowski offenbar zum neuen Trend in der Bundesliga hat werden lassen.

Sportchef Jens Todt hat im Interview mit dem „Kicker“ erklärt, auf der Besetzung der Torwartposition keinen Fehler gemacht zu haben. Man habe den Verlust von René Adler nicht unterschätzt, sagte Todt: „Christian Mathenia hat in der Endrunde der Vorsaison hervorragende Spiele gemacht. Die Hinrunde war sicherlich nicht seine beste, aber wir glauben an ihn und haben ja auch noch einen jungen Herausforderer, der sich zuletzt gut entwickelt hat.“ Vom neu ausgerufenen Konkurrenzkampf mit Julian Pollersbeck erhofft sich Todt eine Leistungssteigerung. „Es kann sein, dass beide sich gegenseitig zu Höchstleistungen pushen.“

Torwart-Duell in Spanien: Christian Mathenia (l.) und Julian Pollersbeck (Foto: Witters)