Wolfsburgs Daniel Didavi hatte vor dem Spiel den Mund ganz schön voll genommen. „Den HSV in die 2. Liga schießen – mehr geht nicht“, tönte der 28-Jährige, der im vergangenen Jahr noch über einen Wechsel nach Hamburg verhandelt hatte. Am Sonnabend saß der Mittelfeldspieler dann nur auf der Bank. Probleme mit der Achillessehne hatten einen Einsatz verhindert. Nach dem Abpfiff konterte Gotoku Sakai Didavis Ankündigung: „So was darfst du als Profi niemals sagen. Das bekommst du immer zurück. Im Fußball geht’s auch um Respekt. Am Ende stand er ja nicht mal auf dem Platz.“

Als sich der VfB Stuttgart vor knapp zwei Monaten von Hannes Wolf trennte und Tayfun Korkut als neuen Trainer präsentierte, trennten die Schwaben und den HSV drei Plätze und vier Punkte. Inzwischen sind es zehn Plätze und neun Punkte. Der VfB Stuttgart darf von Europa träumen, der HSV braucht ein Wunder, um noch den Klassenerhalt zu schaffen. Gerade aus diesem Grund aber warnt VfB-Kapitän Christian Gentner im Interview mit dem „Kicker“ vor dem Spiel am Sonnabend. „Die Mannschaft strotzt sicher nicht vor Selbstvertrauen“, sagt der 32-Jährige über den HSV, „aber sie steht mit dem Rücken zur Wand und kann nur noch gewinnen. Dass alle den Klub abgeschrieben haben, und dass der neue Trainer in der Länderspielpause der Mannschaft neue Ideen nahebringen kann, macht sie sehr gefährlich.“

Das Team des abstiegsbedrohten HSV-Konkurrenten FSV Mainz 05 steht weiter hinter Trainer Sandro Schwarz. „Wir finden alle gut, dass es mit Sandro weitergeht“, sagte der Mainzer Vize-Kapitän Stefan Bell der „Bild“: „Die Wertschätzung für ihn ist sehr hoch und alle Spieler wissen, dass es jetzt auch mal an der Zeit ist, zu liefern.“ Bei einem Fantreffen am vergangenen Mittwoch habe man sehen können, „wie der Trainer brennt“. Nach zuletzt vier Spielen ohne Sieg mit nur einem erzielten Tor war die Kritik an Schwarz (39) wieder lauter geworden. „Wir hatten viele Spiele, in denen der Plan nicht so umgesetzt wurde, wie es vorgegeben war. Da kann ein Trainer draußen nicht viel machen“, sagte Bell. Der Abwehrchef ist sich aber weiterhin sicher, dass der Tabellen-16. wie in der vergangenen Saison die Klasse hält: „Wenn wir unter hohem Druck standen, haben wir geliefert.“ Klares Ziel für Bell ist der direkte Klassenerhalt, die Relegation sei aber eine zusätzliche Chance. „Wir haben eine gefestigte Truppe, die gut miteinander auskommt und auch viel Qualität hat. Das müssen wir jetzt nur mal konstant zeigen“, sagte der 26-Jährige.

Das war eine neue Rolle für Gideon Jung. Beim 3:0-Sieg im Testspiel gegen Odense BK trug der 23-Jährige die Kapitänsbinde. „Bei dieser Maßnahme ging es ganz klar auch darum, Gideon zu stärken, ihm Vertrauen zu geben“, begründete Trainer Christian Titz seine Entscheidung. Wortführer auf dem Platz war allerdings eher Lewis Holtby. „Wir haben gesagt, dass wir eine Achse haben wollen. Diese Achse fängt beim Torwart an, geht über die Innenverteidiger und über das Mittelfeld“, sagte Titz. „Und Lewis ist von seinem Naturell her ja ohnehin eher ein Spieler, der sich leichter tut, das Wort zu ergreifen.“

Kapitän Gotoku Sakai bestätigt, dass Trainer Bernd Hollerbach beim HSV die Zügel angezogen hat. „Wir sprechen mehr über Fußball, rücken enger zusammen. Wir müssen uns gemeinsam pushen, trainieren viel, auch wenn es manchmal wehtut. Es ist aber der richtige Weg. Wir brauchen eine harte Hand“, sagte der 27-Jährige der „Bild“-Zeitung. Er stehe neuerdings um kurz vor sieben Uhr morgens auf. „Nur bei Trainer Huub Stevens in meiner Stuttgarter Zeit war es noch früher. Da mussten wir 7.30 Uhr in der Kabine sein und um 8 Uhr wurde gefrühstückt.“