Beim HSV brennt mal wieder der Baum! Nach dem verdienten Punkt beim 1:1 in Leipzig, wollte Neu-Coach Bernd Hollerbach die Woche nutzen, um das Team auf das wichtige Heimspiel gegen Nordrivale Hannover 96 am Sonntag (18 Uhr/ im MOPO-Liveticker) vorzubereiten. Doch ein Putschversuch gegen Boss Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt sorgt für neuen Wirbel im Volkspark. Das sagt Trainer Bernd Hollerbach vor seiner Heimpremiere über…

die ersten zwölf Tage im Amt: Ich bin sehr positiv, auch was das Spiel in Leipzig anbelangt. Es war kein einfacher Auftakt. Nach dem 1:1 hat die Mannschaft ihr wahres Gesicht gezeigt. Ich hoffe, dass wir daran anknüpfen können. Neuzugänge in der Winterpause sind ein schwieriges Thema. Wir waren im ständigen Austausch, aber wir haben uns dann entschieden, mit dem jetzigen Kader den Klassenerhalt schaffen zu wollen.

Störfeuer aus dem Aufsichtsrat: Das ist jetzt im Moment ein Thema, für das ich meine Energie nicht verbrauchen möchte. Die Energie gilt allein dem sportlichen Bereich. Der Fokus liegt auf Hannover. Wir wollen ein gutes Spiel machen und die Punkte bei uns behalten.

Zuschauerschwund: Es ist klar, dass wir uns alle eine große Unterstützung wünschen. Ich bin mir sicher, dass am Sonntag das Stadion voll sein wird und bin mir sicher, dass das Stadion brennt.

die neue Unruhe im Verein: In der Bundesliga wird es ab und zu mal unruhig – gerade, wenn es sportlich nicht läuft. Ich habe mich immer darauf fokussiert, mich auf meinen Job zu konzentrieren. Ich spreche mit der Mannschaft über dieses Thema. Wir wollen so schnell wie möglich da unten rauskommen. Alles andere interessiert uns nicht. Wir wollen drei Punkte in Hamburg behalten.

Vertragssituation in Würzburg: Die Verantwortlichen waren immer im Austausch. Ich war mir sicher, dass es keine Probleme gibt. Das Thema ist abgehakt und liegt in der Vergangenheit.

den kommenden Gegner Hannover: Sie sind sehr gut organisiert, haben als Aufsteiger 27 Punkte geholt. 15 Tore aus Standards, da müssen wir auf der Hut sein. Wir müssen mutig nach vorne spielen, aber dürfen uns nicht auskontern lassen. Es ist eine schwere Aufgabe, die wir aber lösen können

Fiete Arp: Fiete war krank, dann ging es ihm besser. Nach Leipzig gab es einen Rückschlag, deshalb habe ich mich entschlossen, ihn komplett rauszunehmen. Er soll nichts verschleppen, zwei Tage Pause haben ihm gut getan.

die neue Teamchefin Wallenborn: Eine Frau im Staff ist neu, da haben alle geschaut. Aber ich denke, sie haben sich gefreut und es positiv aufgenommen. Ich bin mir sicher, dass die Maria uns verstärkt. Ich weiß, dass sie im zwischenmenschlichen Bereich sehr gute Arbeit gemacht hat.

das Personal: Gideon Jung hat einen Hexenschuss, Albin Ekdal hat im Training einen guten Eindruck gemacht. Er ist auf jeden Fall eine Alternative. Walace trainiert sehr gut, er redet nur noch über den HSV, wird täglich besser. Alles positiv bei ihm.

die Spielweise im Volkspark: Der Rhythmus ist wichtig, wir müssen variabel spielen können. Eine gesunde Mischung aus Offensive und Defensive wird entscheiden sein. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht ins offene Messer laufen. Geduld wird auch ein Faktor sein. Zuhause spielt man aber natürlich immer offensiver.

Kontakt zu Breitenreiter: Wir sind immer sehr gut miteinander ausgekommen. Andre macht einen tollen Job, nach dem Spiel haben wir dann Zeit, uns auszutauschen, vorher aber nicht. Die Freundschaft muss in den 90 Minuten ein wenig ruhen.

Lewis Holtby: Ich habe in Leipzig gesagt, ich mir etwas über Standards erhofft habe. Deshalb war Salihovic ein Trumpf für mich. Holtby hat sehr gut trainiert, ist ein vorbildlicher Profi, gibt immer Gas, nur leider kann ich immer nur 16 Feldspieler mitnehmen. Aber er ist sicherlich eine Option.

Das wäre ein Deal, der für große Aufregung sorgen könnte. Nach einem Bericht von „Spiegel Online“ steht der HSV in Verhandlungen mit dem chinesischen Unternehmen SIPG (Shanghai International Port Group) über einen Verkauf von Anteilen an der Fußball-AG. So soll Finanz-Vorstand Frank Wettstein kürzlich schon vor Ort vorgesprochen haben. Der HSV und SIPG kooperieren bereits seit 2016. Es geht dabei bisher um eine Zusammenarbeit mit Chinas Vizemeister Shanghai SIPG. Der HSV berät den Klub beim Aufbau von Strukturen im Nachwuchs- und Managementbereich. Nun aber soll die Kooperation angeblich ausgebaut werden. Der HSV und die SIPG sollen über ein umfangreiches Investment verhandeln. Es geht angeblich um den Verkauf von zehn Prozent der Anteile. Theoretisch könnte der HSV dadurch etwa 30 Millionen Euro einnehmen. Bei einer Zustimmung seiner Vereinsmitglieder kann der HSV bis zu 33,3 Prozent seiner Anteile veräußern. Bisher betonen allerdings alle Verantwortlichen, die 24,9-Prozent-Grenze nicht überschreiten zu wollen. Es soll daher Strömungen innerhalb des Vereins geben, die Klaus-Michael Kühne zu einem Teil-Rückzug bewegen wollen. Dessen Anteile könnten dann die Chinesen kaufen.

Im Interview mit „Sport 1“ hat HSV-Boss Heribert Kühne auch erneut zur Rolle von Investor Klaus-Michael Kühne Stellung genommen. Kühne war in dieser Woche von DFL-Präsident Reinhard Rauball kritisiert worden. „Im Unterschied zu Herrn Rauball habe ich gesagt, dass Herr Kühne noch nie ins operative Geschäft eingegriffen hat. Und dass mir die Diktion der Aussagen von Herrn Kühne (Luschen, Jahrhundert-Flop, Anm.d.Red.) nicht gefallen hat. Ich bin davon überzeugt, dass Herr Kühne inzwischen weiß, dass das keine glücklichen Aussagen waren. Irgendwann muss die Geschichte auch beendet sein“, sagte Bruchhagen. „Wir sind Herrn Kühne dankbar, dass er immer da war, wenn der Verein in einer schwierigen Situation war.“ Auf die Frage, ob Kühne Fluch oder Segen für den HSV sei, antwortete Bruchhagen: „Herr Kühne kann niemals Fluch sein. Er war für den HSV in schwieriger Situation immer ganz, ganz wichtig und hat dem Verein nach bestem Wissen geholfen. Es gibt nicht den Ansatz eines Fluches. Nur wegen eines unglücklichen Interviews? Das ist eine Fehleinschätzung.“

HSV-Investor Klaus Michael Kühne hat die nächste Runde des verbalen Rundumschlags eingeläutet und Sportchef Jens Todt sowie Stürmer Pierre-Michel Lasogga angegriffen. Nun hat sich Todt zu den Attacken des Milliardärs geäußert: „Wir stehen uneingeschränkt hinter jedem einzelnen Spieler unseres Kaders. Wir befinden uns mit Herrn Kühne wie bisher in einem offenen und konstruktiven Austausch. Wir freuen uns jetzt auf den Bundesligastart und konzentrieren uns voll darauf.”

Nachdem Investor Klaus-Michael Kühne Kritik wegen der geplatzten Vertragsverlängerung von Nicolai Müller äußerte, hat sich nun HSV-Vorstandsboss Heribert Bruchhagen zu Wort gemeldet. „Herr Kühne ist oft von der Sorge getragen, dass wir nicht schnell genug handeln würden“, so Bruchhagen. „Aber man muss auch die Folgen von Entscheidungen beachten. Das tun wir.“

Beim HSV mischt Reiner Calmund im Hintergrund mit – als Freund des mächtigen Mäzens Klaus-Michael Kühne. Am Sonnabend wird sich Leverkusens früherer Macher live vor Ort ein Bild vom neuen HSV machen. Nach wochenlanger Krankheit sitzt „Calli“ nicht mehr im Rollstuhl, kann in der BayArena dabei sein. „Allerdings schaue ich mir das Spiel aus dem Büro meines Freundes Rudi Völler an“, so Calmund, der nicht zu viel Aufsehen erregen will.

Ein kräftiges Minus hat die HSV AG allem Anschein nach im abgelaufenen Geschäftsjahr erwirtschaftet – es soll sogar im zweistelligen Millionenbereich liegen! Karl Gernandt, Chef des AG-Aufsichtsrates, macht sich dennoch keine Sorgen um den HSV, sagte der MOPO: „Grund zur Sorge besteht nicht, es war vorhersehbar. Der Verein konnte über Jahre hinweg keine finanzielle Solidität vorweisen. Da kann man jetzt nicht mit einem Fingerschnipsen alles ändern.“ Ein, zwei Jahre lang werde der HSV laut Gernandt wohl noch ein Minus einfahren, ehe sich alles zum Guten dreht. Fest stehe indes, dass trotz der Forderung von Gönner Klaus-Michael Kühne auch im Sommer keine Topstars zum HSV kommen könnten: „Auch Herr Kühne weiß, dass wir uns derzeit keine teuren Stars leisten können.“