Im direkten Duell am Sonnabend kannte Niko Kovac keine Gnade, gewann mit Eintracht Frankfurt gegen den HSV (3:0). Doch der frühere Hamburger Profi und künftige Trainer des FC Bayern richtete vor dem letzten Spieltag einen Appell an den Liga-Dino, wie HSV-Coach Christian Titz bei NDR 90,3 verriet: „Niko Kovac hat mir nach dem Spiel gesagt, dass er sehr davon angetan ist, wie unsere Mannschaft in den letzten Wochen aufgetreten ist und er uns die Daumen drückt. Und er hat uns mitgegeben: Glaubt an euch, glaubt daran, denn ihr könnt den Klassenerhalt noch packen.“

Niko Kovac mag harte Kerle. Gegen seine Mannschaft zu spielen, ist kein Vergnügen. Nicht umsonst belegt Frankfurt mit 497 Fouls, 68 Gelben und zwei Roten Karten den letzten Platz der Fairplay-Tabelle. Da auch die HSV-Profis keine Kinder von Traurigkeit sind (467 Fouls, 54 Gelbe, drei Rote, Platz 10), dürfte es ein heißer Fight werden. Kovac kündigte bereits an: „In der letzten Partie haben wir zu körperlos agiert. Wir müssen wieder die nötige Schärfe in unser Spiel bringen. Das haben wir in dieser Woche aufgearbeitet.“

Einst hat Niko Kovac das HSV-Trikot getragen, jetzt könnte er den Dino „killen“. Der Frankfurter Trainer, der die Eintracht in Richtung München verlassen wird, sagte heute zum Gegner: „Der HSV hat sich gut entwickelt. Sie haben ein laufstarkes Team, das attraktiven und teils neuartigen Fußball spielt. Außerdem stehen sie unter Druck und müssen gewinnen. Aber gewinnen wollen wir auch. Dementsprechend werden wir auch agieren. In der letzten Partie haben wir zu körperlos agiert. Wir müssen wieder die nötige Schärfe in unser Spiel bringen. Das haben wir in dieser Woche aufgearbeitet. Und dabei hat sich die Mannschaft gut präsentiert.“

Frankfurt verabschiedet sich morgen von seinem „Fußball-Gott“. Eintracht-Legende Alex Meier (kam 2005 vom HSV) bekommt keinen neuen Vertrag. In dieser Saison hat der Buchholzer noch kein Spiel gemacht – doch das könnte sich am vorletzten Spieltag ändern. Der 35-Jährige erhält gegen seinen früheren Klub wohl sein Abschiedsspiel. Trainer Niko Kovac: „Alex Meier wird morgen im Kader stehen und könnte möglicherweise zum Einsatz kommen. Ich möchte ihm die Chance geben, sich vor den eigenen Fans noch einmal in dieser Saison zu zeigen.“ Der Bundesliga-Torschützenkönig von 2015 möchte seine Karriere noch nicht beenden, sucht nach einem neuen Klub.

Foto: Witters

Niko Kovac bleibt bis Saisonende Trainer von Eintracht Frankfurt. „Für uns stellt sich das Thema einer Ablösung überhaupt nicht“, so Sportchef Bruno Hübner. Kovac wechselt zum FC Bayern, seit der Bekanntgabe des Abschieds hat Frankfurt alle drei Bundesliga-Spiele verloren. Selbst bei einer Pleite gegen den HSV „wird Niko bis zum Saisonende bleiben“, sagte Hübner: „Ich sehe keinen Zusammenhang zwischen den Ergebnissen und seinem Weggang. Das Team hält zu ihm und gönnt ihm, dass er nach München geht.“

Mit welcher Einstellung gehen die Profis von Eintracht Frankfurt am Sonnabend in das Duel mit dem HSV? In den vergangenen Wochen und vor allem zuletzt beim mit einer Reserve-Truppe angetretenen FC Bayern (1:4) wirkte das Team blutleer. Sportvorstand Fredi Bobic attackierte die Spieler heftig. „Bei der Leistung fehlen mir schon die Worte. Wenn wir so weiterspielen, holen wir keinen Punkt mehr. Die Mentalität hat nicht gestimmt“, stellte er fest. Auch Trainer Niko Kovac, den es zur neuen Saison zum Rekordmeister nach München zieht, zeigte sich enttäuscht: „Es hat nicht jeder alles gegeben. Ich werfe meinen Spielern vor, dass sie einfach denken, es geht mit links.“

Drei Spiele stehen in dieser Bundesliga-Saison noch aus, neun Punkte sind zu vergeben. Am Sonnabend tritt der HSV beim VfL Wolfsburg an, eine Woche später geht es nach Frankfurt. Dort trifft der Liga-Dino mit Niko Kovac auf einen alten Bekannten. Und Verbündeten? „Es gibt ja viele, die dem HSV wünschen, dass sie mal absteigen. Ich gehöre nicht dazu! Weil ich Teil des Vereins war, zwei sehr schöne Jahre in Hamburg hatte und meine Tochter dort geboren wurde. Aber es ist ja auch noch nicht vorbei“, sagte der Eintracht-Coach, der im Sommer zum FC Bayern wechselt.

Es hat schon schärfere Fotos von ihnen gegeben, aber ein Bild, das Markus Gisdol (mit Schirmmütze) und Fredi Bobic in einem Restaurant in Frankfurt zeigen soll, macht in den Sozialen Netzwerken die Runde und wird hitzig diskutiert. Holt der Eintracht-Sportvorstand den früheren HSV-Trainer nach Hessen? Und wann? Schließlich ist das Verhältnis zwischen Bobic und Coach Niko Kovac nach der Bekanntgabe von dessen Wechsel zum FC Bayern schwer angeschlagen. Oder ist es gar nicht Gisdol?

Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic (r.) im Gespräch mit Ex-HSV-Coach Markus Gisdol (mit Mütze)?

Jetzt ist es offiziell: Niko Kovac wird neuer Trainer von Bayern München. Das bestätigte Sportdirektor Hasan Salihamidzic am Freitag. Der 46-Jährige wechselt von Eintracht Frankfurt nach München und erhält einen Dreijahresvertrag. Genau wie „Brazzo“ Salihamidzic hat auch Kovac eine HSV-Vergangenheit. Zwischen 1999 und 2001 absolvierte der Mittelfeldspieler 55 Bundesliga- und sechs Champions-League-Spiele für Hamburg. Kovac‘ Tor zum 4:3 beim legendären 4:4 gegen Juventus Turin ist als Highlight in die Vereinshistorie eingegangen. Vom HSV wechselte er zu den Bayern, zu denen er nun im Sommer zurückkehren wird.

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