Ewald Lienen, Technischer Direktor des FC St. Pauli, hat sich im TV-Talk „Sky 90“ kopfschüttelnd zur großen Krise des HSV geäußert. „Es ist frappierend zu sehen, dass sie diesen Zug nicht aufgehalten haben, sondern immer wieder in diesem Bereich geblieben sind“, sagte er. „Und es ist frappierend, dass Spieler schlechter werden, wenn sie zum HSV kommen – unabhängig von Trainern.“ Der HSV habe in den vergangenen Jahren eine schonungslose Fehleranalyse versäumt. Seine Schlussfolgerung: „Wenn sie jetzt mal absteigen würden, dann haben sie sich jahrelang darum beworben und dann geschieht das mit vollem Recht. Aber ich finde es schade – auch für uns als FC St. Pauli. Wir brauchen das nicht unbedingt. Für eine Stadt wie Hamburg ist das albern und lächerlich, dass man einen weiteren Erstligisten verliert – im Fußball. Der HSV ist eines der Aushängeschilder. Aber rein sportlich passiert das mit Fug und Recht.“

Der Aufsichtsratsvorsitzende Bernd Hoffmann befürchtet nicht, dass unzufriedene Spieler wie Kyriakos Papadopoulos den HSV ins Chaos stürzen könnten. „Da haben wir einen Trainer, der das eigentlich gut im Griff hat“, sagte er im „Sportclub“ des NDR-Fernsehens. „Er hat in dieser Woche eine ganze Reihe an jüngeren Spielern dazugenommen, hat am Ende der Woche entschieden, welche 18 Leute im Kader sind und hat mit denen am Sonnabend ein Spiel absolviert. Dass es dann Unzufriedene gibt und die ihre Meinung auch artikulieren, das haben wir nicht exklusiv beim HSV, das gibt es selbst bei Bayern München.“ Hoffmann wollte die Situation durch diesen Vergleich allerdings nicht verharmlosen: „Das sind Symptome der Krise, und wir haben eine veritable, eine sehr große Krise, da gibt es überhaupt keine Diskussion. Wenn der eine oder andere Dinge sagt, die einfach nicht gehen, dann werden wir das entsprechend sanktionieren.“

Am Morgen nach der Niederlage zum Rückrunden-Auftakt beim FC Augsburg (0:1) und sechs Tage vor dem Keller-Thriller im Volksparkt gegen Schlusslicht Köln stellt sich Heribert Bruchhagen bei Sky den Fragen von Jörg Wontorra. Der 69-jährige Vorstands-Boss spricht dabei über…

…das Spiel in Augsburg: „Insgesamt haben wir keine gute Leistung geboten, es war enttäuschend und nun stehen wir mit leeren Händen da. Das ist bitter. Das Wasser steht uns fast bis zum Hals.“

…fehlende Zugänge: „Wir haben einen Personal-Etat, der im Sommer komplett ausgeschöpft wurde, haben uns mit Hahn, Pollersbeck, van Drongelen verstärkt. Was wir dann erlebt haben, war nicht abzusehen. Jetzt stecken wir in einer prekären Situation.“

…die Aussichten: „Wir müssen alle besser werden, jeder auf seiner Position, vom Vorstandsvorsitzenden bis zum Zeugwart. Wir müssen wie im Vorjahr geschlossen und hochkonzentriert daran arbeiten, die Wende zu schaffen.“

…einen möglichen Abstieg: „Das würde die Situation des Vereins weitaus schwieriger machen. Wir versuchen, auf Kontinuität zu setzen, wollen in den Personalentscheidungen besser werden, junge Spieler weiter integrieren.“

…Trainer Markus Gisdol: „Wir sind in einer Situation, in der wir Punkte holen müssen. Am Besten fangen wir am Sonnabend gegen Köln damit an. Das traue ich der Mannschaft zu. Mit den bis jetzt gezeigten Leistungen können wir nicht zufrieden sein. Wir entscheiden immer danach, was das Beste für den HSV ist, das steht über allem.“

Wessen Negativserie endet heute? Hertha BSC konnte von den zurückliegenden zwölf Pflichtspielen nur eines gewinnen, am fünften Spieltag gegen Leverkusen (2:1). Ansonsten gab es in der Bundesliga, der Europa League und im DFB-Pokal fünf Unentschieden und sechs Niederlagen. Der HSV ist dagegen seit sieben Pflichtspielen ohne Sieg (ein Unentschieden, sechs Niederlagen), gewann zuletzt am zweiten Spieltag in Köln (3:1).

Was sagt Dietmar Beiersdorfer? Der Boss stellte sich gerade der Öffentlichkeit. Beiersdorfer machte deutlich, dass er sich der Verantwortung stelle. Ein Rücktritt sei aber kein Thema. „Ich gehe weiter voran. Wir dürfen nicht flüchten und nach Ausreden suchen. Es geht nur zusammen.“ Zum Trainer sagte er: „Die Bilanz unter Gisdol ist schlecht. Aber wir sind vom ihm überzeugt.“ Und zum ehemaligen Sportchef-Kandidaten Hoogma: „Ich habe Nico das Nein unterbreitet. Er hat es anders ausgelegt.“