Es läuft nicht rund für Pierre-Michel Lasogga. Nachdem die HSV-Leihgabe zu Beginn seines Engagements bei Leeds United zum Fan-Liebling avancierte, hagelte es in letzter Zeit immer häufiger Kritik. Weil Lasogga mit den „Whites“ am Sonntag im FA Cup rausflog (1:2 gegen NewPort), nahm Ex-Leeds-Kicker Noel Whelan kein Blatt vor den Mund und kritisierte dessen 90-minütige Darbietung im BBC-Radio: „Eine sehr armselige Vorstellung. Lasogga wurde in der zweiten Halbzeit etwas besser, aber es war trotzdem viel zu wenig für jemanden, der so viel Geld kostet. Ich sehe ehrlicherweise nicht, warum er so gehyped wird.“

 

 

 

André Hahn freute sich, dass es beim 2:1-Sieg im Testspiel gegen Málaga auf dem Platz auch ordentlich zur Sache ging. „Da haben wir den Kampf angenommen und gut dagegengehalten. Ich denke, wir sind für die Rückrunde gut aufgestellt“, meinte der Angreifer, der sich auch einen Seitenhieb in Richtung Streik-Profi Walace nicht verkneifen konnte. „Es ist in jedem Fall unglücklich, wenn uns ein Mitspieler in so einer schwierigen Situation im Stich lässt. Aber er wird seine Gründe gehabt haben.“

Nach nur einem mageren Punkt für den HSV aus den jüngsten Heimspielen gegen Wolfsburg (0:0) und Frankfurt (1:2) sitzt der Frust bei HSV-Idol Uwe Seeler tief. „Ja klar, das bewegt mich schon, denn ich weiß nicht, wie sie da rauskommen wollen“, sagte der 81-Jährige. „Das hat sich schon länger abgezeichnet, aber ich will nicht weiter Öl ins Feuer gießen.“ Seeler kritisierte zudem die Schönfärberei von Verantwortlichen und Spielern: „Wenn ich verliere, kann ich nicht gut gespielt haben.“ Nun hofft „Uns Uwe“ auf Verstärkungen für die zweite Saisonhälfte: „So schaffen sie das nicht, da muss mehr kommen. Es wäre das Beste und Sicherste, im Winter einzukaufen, wenn wir nicht das Schlimmste erleben wollen.“

Im Interview mit „Sport 1“ hat HSV-Boss Heribert Kühne auch erneut zur Rolle von Investor Klaus-Michael Kühne Stellung genommen. Kühne war in dieser Woche von DFL-Präsident Reinhard Rauball kritisiert worden. „Im Unterschied zu Herrn Rauball habe ich gesagt, dass Herr Kühne noch nie ins operative Geschäft eingegriffen hat. Und dass mir die Diktion der Aussagen von Herrn Kühne (Luschen, Jahrhundert-Flop, Anm.d.Red.) nicht gefallen hat. Ich bin davon überzeugt, dass Herr Kühne inzwischen weiß, dass das keine glücklichen Aussagen waren. Irgendwann muss die Geschichte auch beendet sein“, sagte Bruchhagen. „Wir sind Herrn Kühne dankbar, dass er immer da war, wenn der Verein in einer schwierigen Situation war.“ Auf die Frage, ob Kühne Fluch oder Segen für den HSV sei, antwortete Bruchhagen: „Herr Kühne kann niemals Fluch sein. Er war für den HSV in schwieriger Situation immer ganz, ganz wichtig und hat dem Verein nach bestem Wissen geholfen. Es gibt nicht den Ansatz eines Fluches. Nur wegen eines unglücklichen Interviews? Das ist eine Fehleinschätzung.“

Der DFB hält an der Ansetzung von Schiedsrichter Manuel Gräfe für das Abstiegsduell zwischen dem HSV und dem VfL Wolfsburg fest. Eine mögliche Auswechslung des Schiedsrichtergespanns stehe „in keiner Weise zur Debatte“, sagte ein DFB-Sprecher der „Süddeutschen Zeitung“. Es sei zwar immer denkbar, Änderungen vorzunehmen – etwa bei Verletzungen oder Krankheit von Schiedsrichtern. Es bestehe aber keinerlei Notwendigkeit. Der frühere Top-Referee Markus Merk hatten die Entscheidung in der MOPO scharf kritisiert.

Das nennt man dann wohl schlechten Stil. Ingo Wellenreuther, Präsident des Karlsruher SC, hat HSV-Sportchef Jens Todt in einem Interview mit den „Badischen Neuesten Nachrichten“ scharf angegriffen. Todt habe in seiner KSC-Zeit falsche Spieler verpflichtet und andere unter Wert ziehen lassen, sagte er. Auch den von Todt vorgeschlagenen Ex-Coach Tomas Oral zu verpflichten und mit einem Dreijahresvertrag auszustatten, sei falsch gewesen. „Es wäre vielleicht für beide Seiten besser gewesen, wenn wir uns bereits nach der verlorenen Relegation gegen den HSV getrennt hätten“, schloss Wellenreuther mit Blick auf seine Zusammenarbeit mit Todt, den er letztlich im November 2016 freistellte.

Nach 100 Tagen in Hamburg zieht Sportchef Jens Todt auch eine persönliche Bilanz. „Es war intensiv, aber es macht großen Spaß. Ich freue mich, Teil dieses großen Vereins zu sein. Wir haben unser Ziel, den Klassenerhalt, zwar noch nicht geschafft und müssen noch Punkte holen, aber wir sind auf einem guten Weg. Ich nehme rund um den Klub viel Rückenwind wahr. Das tut allen gut“, sagt er. Dennoch: „Den HSV als absolut heile Welt zu beschreiben, wäre nach dieser Saison übertrieben.“ Bei der Analyse nach Saisonende müsse daher alles auf den Tisch. „Wir befinden uns in einer wahnsinnig schwierigen Saison und haben allen Grund, uns kritisch zu hinterfragen, auch wenn wir die Klasse halten sollten“, sagt Todt, der als ehemaliger Journalist auch verrät, was seine Lieblingsüberschrift in dieser Saison wäre: „Der HSV schafft den Klassenerhalt viel früher als gedacht.“

Nach der herben Kritik an Trainer Markus Gisdol wegen seiner Absetzung als Kapitän Ende Oktober vergangenen Jahres („Es war in einer Zeit, in der die Debatten begannen, ob der Trainer weg muss. Es machte den Eindruck, dass der Trainer das Problem an einen anderen Ort zu verschieben versuchte“) drohen Johan Djourou bei seiner Rückkehr von der Länderspielreise mit der Schweiz Konsequenzen. Gisdol betonte bei „Bild“, dass er auf Einzelschicksale keine Rücksicht nehmen werde. „Wir müssen uns total auf die letzten neun Spiele fokussieren. Jegliche Ablenkung, Eitelkeiten – das ist alles nicht angebracht. Alle persönlichen Empfindungen sind unwichtig“, sagte er und stellte klar: „Es geht nur darum, dass unsere Mannschaft funktioniert. Ich werde extrem darauf schauen, dass jeder Einzelne alles dafür tut. Von der Linie werde ich keinen Millimeter abrücken.“ Was Djourou betrifft, dürfte der Trainer den Worten nun Taten folgen lassen…

Rafael van der Vaart sieht die Beurlaubung von Trainer Bruno Labbadia als großen Fehler an. „Er hätte vier, fünf Jahre Trainer bleiben sollen. Bruno ist ein super Typ, hat ein HSV-Herz – und er ist einfach ein guter Trainer“, sagte van der Vaart im Interview mit dem „Kicker“. Auf dem HSV laste seit Jahren „negative Energie“, sagte der Niederländer, der aktuell beim FC Midtjylland in Dänemark spielt. „Da brauchst du Typen, die damit umgehen können“, betonte er. „Diese Spieler sehe ich derzeit nicht.“
Der Mittelfeldspieler verteidigte den umstrittenen HSV-Investor Klaus-Michael Kühne. Dieser sei „der größte HSV-Fan“, den er kenne. „Herr Kühne ist sehr ehrlich, das liebe ich an ihm. Und ich verstehe die Kritik an ihm nicht. Alle müssen dankbar sein, dass er da ist.“ Den Abstieg schließt der 33-Jährige nicht aus. „Man muss realistisch sein“, sagte er über den Tabellenletzten. „Für mich ist der HSV der schönste Verein in Deutschland, und man hat irgendwie das Gefühl, es geht schon seit langem schief.“