Im Interview mit „Sport 1“ hat HSV-Boss Heribert Kühne auch erneut zur Rolle von Investor Klaus-Michael Kühne Stellung genommen. Kühne war in dieser Woche von DFL-Präsident Reinhard Rauball kritisiert worden. „Im Unterschied zu Herrn Rauball habe ich gesagt, dass Herr Kühne noch nie ins operative Geschäft eingegriffen hat. Und dass mir die Diktion der Aussagen von Herrn Kühne (Luschen, Jahrhundert-Flop, Anm.d.Red.) nicht gefallen hat. Ich bin davon überzeugt, dass Herr Kühne inzwischen weiß, dass das keine glücklichen Aussagen waren. Irgendwann muss die Geschichte auch beendet sein“, sagte Bruchhagen. „Wir sind Herrn Kühne dankbar, dass er immer da war, wenn der Verein in einer schwierigen Situation war.“ Auf die Frage, ob Kühne Fluch oder Segen für den HSV sei, antwortete Bruchhagen: „Herr Kühne kann niemals Fluch sein. Er war für den HSV in schwieriger Situation immer ganz, ganz wichtig und hat dem Verein nach bestem Wissen geholfen. Es gibt nicht den Ansatz eines Fluches. Nur wegen eines unglücklichen Interviews? Das ist eine Fehleinschätzung.“

Der DFB hält an der Ansetzung von Schiedsrichter Manuel Gräfe für das Abstiegsduell zwischen dem HSV und dem VfL Wolfsburg fest. Eine mögliche Auswechslung des Schiedsrichtergespanns stehe „in keiner Weise zur Debatte“, sagte ein DFB-Sprecher der „Süddeutschen Zeitung“. Es sei zwar immer denkbar, Änderungen vorzunehmen – etwa bei Verletzungen oder Krankheit von Schiedsrichtern. Es bestehe aber keinerlei Notwendigkeit. Der frühere Top-Referee Markus Merk hatten die Entscheidung in der MOPO scharf kritisiert.

Das nennt man dann wohl schlechten Stil. Ingo Wellenreuther, Präsident des Karlsruher SC, hat HSV-Sportchef Jens Todt in einem Interview mit den „Badischen Neuesten Nachrichten“ scharf angegriffen. Todt habe in seiner KSC-Zeit falsche Spieler verpflichtet und andere unter Wert ziehen lassen, sagte er. Auch den von Todt vorgeschlagenen Ex-Coach Tomas Oral zu verpflichten und mit einem Dreijahresvertrag auszustatten, sei falsch gewesen. „Es wäre vielleicht für beide Seiten besser gewesen, wenn wir uns bereits nach der verlorenen Relegation gegen den HSV getrennt hätten“, schloss Wellenreuther mit Blick auf seine Zusammenarbeit mit Todt, den er letztlich im November 2016 freistellte.

Nach 100 Tagen in Hamburg zieht Sportchef Jens Todt auch eine persönliche Bilanz. „Es war intensiv, aber es macht großen Spaß. Ich freue mich, Teil dieses großen Vereins zu sein. Wir haben unser Ziel, den Klassenerhalt, zwar noch nicht geschafft und müssen noch Punkte holen, aber wir sind auf einem guten Weg. Ich nehme rund um den Klub viel Rückenwind wahr. Das tut allen gut“, sagt er. Dennoch: „Den HSV als absolut heile Welt zu beschreiben, wäre nach dieser Saison übertrieben.“ Bei der Analyse nach Saisonende müsse daher alles auf den Tisch. „Wir befinden uns in einer wahnsinnig schwierigen Saison und haben allen Grund, uns kritisch zu hinterfragen, auch wenn wir die Klasse halten sollten“, sagt Todt, der als ehemaliger Journalist auch verrät, was seine Lieblingsüberschrift in dieser Saison wäre: „Der HSV schafft den Klassenerhalt viel früher als gedacht.“

Nach der herben Kritik an Trainer Markus Gisdol wegen seiner Absetzung als Kapitän Ende Oktober vergangenen Jahres („Es war in einer Zeit, in der die Debatten begannen, ob der Trainer weg muss. Es machte den Eindruck, dass der Trainer das Problem an einen anderen Ort zu verschieben versuchte“) drohen Johan Djourou bei seiner Rückkehr von der Länderspielreise mit der Schweiz Konsequenzen. Gisdol betonte bei „Bild“, dass er auf Einzelschicksale keine Rücksicht nehmen werde. „Wir müssen uns total auf die letzten neun Spiele fokussieren. Jegliche Ablenkung, Eitelkeiten – das ist alles nicht angebracht. Alle persönlichen Empfindungen sind unwichtig“, sagte er und stellte klar: „Es geht nur darum, dass unsere Mannschaft funktioniert. Ich werde extrem darauf schauen, dass jeder Einzelne alles dafür tut. Von der Linie werde ich keinen Millimeter abrücken.“ Was Djourou betrifft, dürfte der Trainer den Worten nun Taten folgen lassen…

Rafael van der Vaart sieht die Beurlaubung von Trainer Bruno Labbadia als großen Fehler an. „Er hätte vier, fünf Jahre Trainer bleiben sollen. Bruno ist ein super Typ, hat ein HSV-Herz – und er ist einfach ein guter Trainer“, sagte van der Vaart im Interview mit dem „Kicker“. Auf dem HSV laste seit Jahren „negative Energie“, sagte der Niederländer, der aktuell beim FC Midtjylland in Dänemark spielt. „Da brauchst du Typen, die damit umgehen können“, betonte er. „Diese Spieler sehe ich derzeit nicht.“
Der Mittelfeldspieler verteidigte den umstrittenen HSV-Investor Klaus-Michael Kühne. Dieser sei „der größte HSV-Fan“, den er kenne. „Herr Kühne ist sehr ehrlich, das liebe ich an ihm. Und ich verstehe die Kritik an ihm nicht. Alle müssen dankbar sein, dass er da ist.“ Den Abstieg schließt der 33-Jährige nicht aus. „Man muss realistisch sein“, sagte er über den Tabellenletzten. „Für mich ist der HSV der schönste Verein in Deutschland, und man hat irgendwie das Gefühl, es geht schon seit langem schief.“

Da hat Thorsten Fink aber mal so richtig auf den Putz gehauen. Der ehemalige HSV-Trainer –  heute bei  Austria-Wien –  hat Österreichs Nationalmannschaft und deren Coach Marcel Koller für die bisherigen EM-Auftritte hart kritisiert. „Ich vermisse bei der österreichischen Mannschaft den herzerfrischenden Fußball, der in der EM-Qualifikation gespielt worden ist“, sagte Fink in der Zeitung Österreich. Auch Nationaltrainer Koller bekam nach dem 0:2 gegen Ungarn und dem glücklichen 0:0 gegen Portugal sein Fett weg – vor allem für die Aufstellung von Bayern-Star David Alaba im offensiven Mittelfeld:  „Er ist kein Zehner. Darum habe ich auch nicht verstanden, warum man mit seinem besten Mann Experimente macht. Im Team spielte er immer auf der defensiven Sechserposition. Die soll er auch wieder gegen die Isländer einnehmen.“

In einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur konnte sich Andreas Rettig einen Seitenhieb gegen den Lokalrivalen nicht verkneifen. Auf die Frage, ob es der HSV in einer Medienstadt wie Hamburg schwerer habe, antwortete der Geschäftsführer des FC St. Pauli: „Das lasse ich nicht gelten. Es heißt immer, in Hamburg, München, Berlin oder Köln kann man keinen Erfolg haben, der Druck sei zu groß. Man kann das Problem immer auf das Management reduzieren. Egal, an welchem Standort.“ Und auch die Ausgliederung der Fußballprofis in eine Kapitalgesellschaft, wie vom HSV durchgeführt, bewertete Rettig kritisch: „Man sollte nicht denken, dann fließen Milch und Honig. Am Ende ist immer die Qualität des Managements entscheidend, nicht die Struktur. Natürlich ist eine Struktur mal besser oder schlechter. Aber eine Pflaume als Entscheidungsträger bleibt eine Pflaume. Egal, ob er im e.V. oder in einer Kapitalgesellschaft das Sagen hat.“

St. Paulis Geschäftsführer Andreas Rettig (Foto: Witters)