Der HSV hat von der DFL die Lizenz für die Erste und Zweite Liga ohne Bedingungen und Auflagen erhalten. Es ist eine extrem positive Nachricht für den HSV. Die Verantwortlichen im Volkspark besitzen nun eine große Planungssicherheit für die Zukunft. Fest steht, Investor Klaus-Michael Kühne hat bei der Lizenzvergabe nicht geholfen. Deutlich verbessert hat sich durch die Lizenzvergabe ohne Auflagen auch die Verhandlungsposition der Hamburger bei möglichen Abgängen. Nun lautet der klare Tenor: der HSV muss bei einem Abstieg nicht zwingend Spieler verkaufen, sondern kann den Preis ganz ohne Druck in den meisten Fällen selbst bestimmen.

Klaus-Michael Kühne erwägt, seine finanzielle Unterstützung für den HSV einzustellen. Sollte der Verein absteigen, könne er keine Zusage für weitere Mittel geben, so der Investor. HSV-Vorstand Frank Wettstein sagt dazu: „Herr Kühne ist ein wichtiger und verlässlicher Partner, für den viele Clubs den HSV beneiden. Dass Herr Kühne dem HSV keinen Freibrief erteilt, ist auf Grund der sportlichen Leistungen nicht nur wenig überraschend, sondern komplett nachvollziehbar. Alleine bedingt durch das bestehende Engagement von Herrn Kühne findet ein regelmäßiger Austausch statt.“

Klaus-Michael Kühne droht einmal mehr, seine finanzielle Unterstützung für den HSV einzustellen. Sollte der HSV absteigen, könne er keine Zusage für weitere Mittel geben, sagte er heute auf einer Veranstaltung in seinem Hotel „Fontenay“. Kühne hält 20,57 Prozent der Anteile an der HSV Fußball AG und zeigt sich nun zurückhaltend: „Gezahlt wird erst, wenn die Rechnung stimmt. Und im Augenblick stimmt sie noch nicht. Ich sehe viele andere in der Pflicht.“ Er wünsche sich, dass etwa der Senat der Stadt dem HSV mehr Gunst und Förderung zukommen lässt. „Ich glaube, dass würde mich wieder motivieren, auch weiter mitzumachen“, ergänzte er. Hamburgs neuer Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) warf daraufhin ein, dass die Stadt nicht untätig gewesen sei: „Die Leute beim HSV wissen auch, dass wir als Stadt nicht unengagiert sind. Aber die Tore schießen können wir halt nicht.“

In den vergangenen Jahren nahm der HSV immer wieder die finanzielle Hilfe von Klaus-Michael Kühne in Anspruch, um sich aus der finanziellen Klemme zu befreien oder Transfers zu tätigen. Das soll sich laut Präsident und Aufsichtsrats-Boss Bernd Hoffmann künftig ändern. „Herr Kühne ist unser wichtigster wirtschaftlicher Partner, aber wir müssen ihn ein Stück weit aus dem Kopf bekommen, wenn es darum geht, ein Fangnetz zu haben“, sagte Hoffmann im NDR-Interview und stellte klar: „Der HSV ist groß genug, stark genug, hat die wirtschaftlichen Möglichkeiten und wird sie sich in den nächsten Jahren auch wieder erarbeiten, dass wir unabhängig von externen Dritten eine schlagkräftige Mannschaft auf die Beine stellen können. Dazu brauchen wir Herrn Kühne nicht.“ Eine Trennung von seinem Investor strebt der Chef-Kontrolleur jedoch nicht an: „Wenn wir eine wirtschaftliche Partnerschaft mit Herrn Kühne auf Augenhöhe zustande bringen, dann gibt es keinen ideologischen Grund zu sagen, das machen wir nicht.“

Vor einigen Tagen überraschte Felix Magath mit der Aussage, dass er „drauf und dran“ gewesen wäre, Anteile an der HSV Fußball AG zu erwerben und „erst mal“ davon Abstand genommen habe, weil er mit einem Kontaktversuch bei Investor Klaus-Michael Kühne abgeblitzt sei. In der MOPO hat sich nun Aufsichtsrats-Boss Bernd Hoffmann zum Plan des HSV-Idols geäußert: „Felix Magath ist ja durchaus bekannt für unkonventionelle Methoden. Das ist offensichtlich nicht nur auf dem Trainingsplatz der Fall, sondern auch beim Versuch, Anteile am HSV zu erwerben.  Er hat ja meine Telefonnummer, dann soll er bei mir mal anrufen.“

Die Führung des HSV setzt weiter auf die Zusammenarbeit mit Klaus-Michael Kühne, konkret mochte sich Bernd Hoffmann im Rahmen seines Auftritts bei NDR 90,3 aber nicht äußern. „Er ist ein Riesenfan und begleitet den HSV weiterhin positiv. Inwieweit das wirtschaftlich belastbar ist, wird man sehen“, sagte der Aufsichtsrats-Boss. Dass Felix Magath erwägt, sich als Investor einzubringen, kommentierte Hoffmann süffisant: „Wenn er sie erwerben will, wäre es schön, wenn er sich beim HSV meldet. Die Nummer hat er.“ Aktuell sind etwa 1,2 Prozent der AG-Anteile verfügbar.

Felix Magath hat im „Sportschau Club“ in der ARD verraten, dass er sich trotz der prekären Lage für seinen früheren Klub wirtschaftlich engagieren wollte. „Selbstverständlich schmerzt es mich, was in Hamburg passiert. Ich würde gern helfen, war Ende Januar auch drauf und dran, Anteile am HSV zu erwerben. Ich habe das Gespräch gesucht mit Herrn Kühne, allerdings wollte Herr Kühne nicht mit mir reden. Da der HSV der größte Anteilseigner ist und Herr Kühne der zweitgrößte, habe ich so keine Möglichkeit gesehen, mit meinem kleinen Anteil Einfluss zu nehmen und erst mal davon Abstand genommen“, sagte Magath, der mit dem Ex-Verein leidet: „Es ist ein Jammer, was in Hamburg passiert. Und es ist unvorstellbar, wie man einen so guten, starken Verein in einer so wundervollen Stadt so zerstören kann. Ich habe versucht, mitzuhelfen, wurde zweimal von den Aufsichtsrats-Vorsitzenden angesprochen, die es aber jeweils nicht hinbekommen haben, eine Mehrheit hinter sich zu bringen, um mich zu holen.“ Warum? Magath dazu: „Ich war immer umstritten, weil ich klar gesagt habe, dass ich die sportlichen Entscheidungen treffen und verantworten will, ohne ständig mit den Gremien darüber zu diskutieren.“