Bruno Labbadia wird neuer Trainer des abstiegsbedrohten Bundesliga-14. VfL Wolfsburg. Der 52-Jährige tritt die Nachfolge des am Montag überraschend zurückgetretenen Schweizers Martin Schmidt an. Für Labbadia dürfte die Erfahrung im Abstiegskampf gesprochen haben. Der frühere Stürmer rettete vor drei Jahren den HSV mit einer famosen Aufholjagd vor dem fast sicheren Abstieg. Neben Labbadia wurden auch Jens Keller, Markus Weinzierl (beide vereinslos), Lucien Favre (OGC Nizza) und Kenan Kocak (SV Sandhausen) gehandelt.

Mit einem Punkt Vorsprung auf den Relegationsplatz und Mainz 05 sowie sieben Punkten vor dem Vorletzten HSV steht der VfL Wolfsburg derzeit auf Platz 14 – und nun ohne Trainer da. Wie der „Kicker“ berichtet, hat Martin Schmidt (50) bei den Niedersachsen heute hingeschmissen. Möglich, dass Ex-HSV-Coach Bruno Labbadia nun zum Retter der „Wölfe“ werden soll. Er war schon vor der Schmidt-Verpflichtung im Oktober 2017 in Gesprächen mit dem VfL.

Es ist ein Phänomen, das in Hamburg in den vergangenen Jahren immer wieder zu beobachten war: Spieler kommen meist für viel Geld und mit großen Ambitionen, können die Ansprüche aber dann nicht erfüllen. Warum ist das so? Ex-HSV-Profi Tolgay Arslan (27), der mit Besiktas Istanbul in der Champions League im Achtelfinale beim FC Bayern antritt, hat eine Erklärung: Ars­lan: „Die stän­di­gen Wech­sel von Trai­nern oder Sport­di­rek­to­ren, das ist auch für die Spie­ler nicht gut. Jeder hat immer an­de­re Ideen, will etwas Neues. Das ist auch ein Grund, warum viele Spie­ler beim HSV ihre Leis­tung nicht ab­ru­fen. Es gibt so viele Bei­spie­le von Spie­lern, die Ham­burg ver­las­sen haben und dann eine gute Kar­rie­re hin­ge­legt haben“, sagte Arslan der „Bild“. Und weiter: „Beim HSV ist lei­der immer alles ein biss­chen durch­ein­an­der. Man hat jedes Jahr Ac­tion. Nicht nur auf dem Platz, auch au­ßer­halb. Der Ver­ein braucht eine Struk­tur. Er muss auch mal Leu­ten ver­trau­en, wenn es schlecht läuft. Ich kenne bei­spiels­wei­se Bruno Lab­ba­dia aus mei­ner Zeit. Ich per­sön­lich halte sehr viel von ihm. An dem hätte ich län­ger fest­ge­hal­ten.“

Markus Gisdol war der 21. Trainer beim HSV in den vergangenen 21 Jahren. 15 reguläre Fußball-Lehrer und sechs Interimstrainer haben sich seit 1997 am Dino versucht. Einige von ihnen mehrfach. Hier die komplette Liste:

Frank Pagelsdorf 01.07.1997 – 17.09.2001
Holger Hieronymus 18.09.2001 – 03.10.2001
Kurt Jara 04.10.2001 – 22.10.2003
Klaus Toppmöller 23.10.2003 – 17.10.2004
Thomas Doll 19.10.2004 – 31.01.2007
Huub Stevens 02.02.2007 – 30.06.2008
Martin Jol 01.07.2008 – 26.05.2009
Bruno Labbadia 01.07.2009 – 26.04.2010
Ricardo Moniz 26.04.2010 – 30.06.2010
Armin Veh 01.07.2010 – 13.03.2011
Michael Oenning 13.03.2011 – 19.09.2011
Rodolfo Cardoso 20.09.2011 – 10.10.2011
Frank Arnesen 10.10.2011 – 16.10.2011
Thorsten Fink 17.10.2011 – 16.09.2013
Rodolfo Cardoso 17.09.2013 – 24.09.2013
Bert van Marwijk 25.09.2013 – 15.02.2014
Mirko Slomka 16.02.2014 – 15.09.2014
Josef Zinnbauer 16.09.2014 – 22.03.2015
Peter Knäbel 23.03.2015 – 15.04.2015
Bruno Labbadia 15.04.2015 – 25.09.2016
Markus Gisdol 26.09.2016 – 20.01.2018

Wer wird Markus Gisdols Nachfolger, sollte dieser heute entlassen werden? Trainer wie Thomas Doll, Gisdols Vorgänger Bruno Labbadia, Markus Weinzierl oder Jens Keller gelten als Kandidaten, noch aber ist all das nicht mehr als Getuschel ohne konkrete Hinweise. Die derzeitigen Co-Trainer Frank Kaspari und Frank Fröhling würden wohl mit Gisdol gehen müssen. Die U21 wird seit dem Sommer erfolgreich von Christian Titz trainiert. Der 46-Jährige war zuvor bei der U17 des HSV tätig, er gilt als Talenteförderer und hat auch schon als Individualtrainer (u.a. von Lewis Holtby) gearbeitet. Der HSV II ist momentan Tabellenführer der Regionalliga Nord. Kommt Titz, der übrigens mehrere Fußball-Fachbücher geschrieben hat, vielleicht als interne Lösung ins Spiel?Foto: Witters

Das ist mal ein echter Feinschmecker für Freunde der Statistik: Markus Gisdol und Ex-Coach Bruno Labbadia haben vor dem heutigen HSV-Kick in Gladbach (20.30 Uhr) exakt die gleiche Bilanz aufzuweisen. Labbadia holte in seiner letzten Amtszeit in 45 Bundesligaspielen 14 Siege, zehn Unentschieden und verlor 21 Mal. Genau so tat es ihm bisher Markus Gisdol gleich. Das bedeutet allerdings auch, dass bei einer Niederlage gegen Gladbach der aktuelle Übungsleiter eine schlechtere Bilanz als sein wegen Erfolglosigkeit gefeuerter Vorgänger aufweisen wird.

Zum Sieg hat es nicht gereicht, aber immerhin blieb der HSV gegen Wolfsburg (0:0) zum dritten Mal in Folge unbesiegt und sogar ohne Gegentor. Die gelang Markus Gisdol erstmals seit seinem Einstieg als HSV-Trainer im September 2016. So ein Bollwerk errichtete zuletzt sein Vorgänger Bruno Labbadia im September 2015, als auch er mit den Rothosen dreimal ohne Gegentreffer blieb.

Beim 1. FC Köln soll es noch vor der heutigen Verpflichtung von Armin Veh als neuen Geschäftsführer Sport Überlegungen gegeben haben, Bruno Labbadia als neuen Trainer und „Feuerwehrmann“ zu verpflichten. Gegenüber Sky sagte der ehemalige HSV-Trainer nun: „Nein, ich werde nicht Trainer in Köln. Schwer zu sagen, wann sie mich wieder in der Bundesliga sehen.“ Momentan wird der FC von U19-Coach Stefan Ruthenbeck trainiert.