Wie es aussieht, liefert sich der HSV auf der Zielgeraden der Saison einen heißen Kampf mit dem VfL Wolfsburg um den Relegationsplatz. Nach dem Erfolg im direkten Duell ist die Stimmung in Hamburg fast schon euphorisch, während die Niedersachsen nach der Niederlage von den eigenen Fans angefeindet wurden. Trainer Bruno Labbadia: „Die Leute sind enttäuscht, keine Frage. Wir haben kein Ergebnis geliefert, deshalb müssen wir uns auch der Kritik stellen. Wir liegen ein Stück weit am Boden und jetzt wird weiter auf uns eingehauen.“

Als er 2015 den HSV in einer nahezu aussichtslosen Situation übernahm und über die Relegation gegen Karlsruhe zum Klassenerhalt führte, setzte er neben der Arbeit auf dem Platz vor allem auf Psycho-Tricks und die Stärkung des Teamgeistes. Nun soll Bruno Labbadia den VfL Wolfsburg vor dem Abstieg bewahren, nach der Pleite gegen den HSV (1:3) zeigte er sich aber ratlos – weil er an seiner Truppe verzweifelt: „Wir stehen mit leeren Händen da. Dann hast du keine Argumente. Ich weiß, was wir getan haben – und mehr kannst du eine Mannschaft emotional gar nicht packen. Trotzdem ist das keine Garantie, dass dann Ergebnisse geliefert werden.“

Im September 2014 wechselte Lewis Holtby vom FC Fulham nach Hamburg, spielte unter Mirko Slomka, Joe Zinnbauer, Bruno Labbadia, Markus Gisdol und Bernd Hollerbach, die er nach dem 3:1 beim VfL Wolfsburg allesamt hart kritisierte, während er gleichzeitig Christian Titz lobte: „Wir spielen das erste Mal seit vier Jahren Fußball. Das sind harte Töne, aber ich stehe dazu, weil es die Wahrheit ist. Wir sind mutig, wir trauen uns etwas zu, wir werden torgefährlich. Das ist Fußball. Wenn der Ball dein Freund ist, geht vieles leichter“, sagte Holtby im ZDF.

Nach Christian Titz stellte sich auch Wolfsburgs Trainer und Ex-HSV-Retter Bruno Labbadia bei Sky den letzten Fragen vor dem Anpfiff. „Es ist nicht meine Aufgabe, den HSV zu retten. Es ist meine Aufgabe, Wolfsburg zu retten. Wir haben versucht, uns gut vorzubereiten“, sagte Labbadia, der erklärte, warum er die Kreativspieler Yunus Malli und Daniel Didavi aus der Startelf nahm: „Beide sind angeschlagen. Und es wird ein heiß umkämpftes Spiel, da geht es um Zweikämpfe, da geht es um zweite Bälle. Das müssen wir für uns entscheiden.“

Viele hatten den HSV vor einigen Wochen schon als Absteiger fest eingeplant, nicht so Bruno Labbadia. Der Trainer des VfL Wolfsburg hatte seinen Ex-Klub immer auf dem Zettel. „Es ist ganz normal, dass nach der Phase des großen Drucks, wenn einen dann jeder abgeschrieben hat, eine gute Serie folgen kann. Das hat man ja auch an Köln gesehen, die haben einfach nur zu viel Rückstand gehabt. Dann kommt ein Stückweit eine gewisse Lockerheit und Freiheit hinein. Das war der Grund, warum ich immer betont habe, man dürfe niemanden abschreiben. Der Vorteil für uns ist: Es liegt an uns, ob wir den HSV herankommen lassen oder ob wir den für uns nötigen Schritt machen.“

Der frühere HSV- und aktuelle Wolfsburg-Coach Bruno Labbadia ist laut eigener Aussage ein „totaler Film-Fan“, weil er dabei „ausnahmsweise mal abschalten kann“, wie er erklärte. Am Mittwoch wollte er auch seinen Profis diesen Luxus gönnen, bat zum Kino-Nachmittag im „Delphin-Palast“. Auf dem Programm stand das Sportdrama „City of McFarland“ mit Oscar-Preisträger Kevin Costner in der Hauptrolle. Labbadia hatte den Streifen ausgesucht: „Da geht es nicht nur um Sport, sondern um Menschen, um soziale Dinge – Sachen, die mich berühren.“ Wie der Film bei den VfL-Kickern ankam? „Ich habe keine Rückmeldung erhalten, weil ich die Jungs danach in Ruhe gelassen habe.“