Lewis Holtby hat sich nach dem 1:0-Sieg gegen Freiburg zu seinem goldenen Tor geäußert. Bei „Sky“ sagte er: „Ich glaube, das war technisch versiert und eine gute Ballbehandlung. Ich wollte den unbedingt reinmachen und ich bin dankbar, dass er auch reingegangen ist und ich der Mannschaft damit auch helfen konnte.“ Zu seiner eigenen Situation erklärte er: „Für mich ist es einfach eine Freude, Fußball zu spielen. All das, was in der Vergangenheit war, hab ich hinter mir gelassen. Ich will einfach der Mannschaft helfen, sodass wir den Klassenerhalt schaffen.“ Mit Blick auf das Spiel beim VfL Wolfsburg sagte Holtby: „Nächste Woche kommt der nächste Kracher. Das Spiel müssen wir mit dem gleichen Engagement und dem absoluten Überlebensfight annehmen, aber dazu brauchen wir noch drei sehr gute Spiele von uns, der Mal eine Willensleistung.“

Auch wenn bei seiner Bundesliga-Rückkehr nach drei Jahren nicht alles klappte, die Statistiken von Mohamed Gouaida konnten sich in Stuttgart durchaus sehen lassen. Bis zu seiner Auswechslung in der 59. Minute lief der Tunesier 8,65 Kilometer – es war zu diesem Zeitpunkt der zweitbeste Wert nach Lewis Holtby. Der 24-Jährige führte zudem in der ersten Stunde des Spiels die meisten Zweikämpfe. Zwölf seiner 19 direkten Duelle konnte Gouaida gewinnen. Das entspricht einer Quote von 63,2 Prozent – ein für einen Offensivspieler sehr beachtlicher Wert.

Er war völlig weg vom Fenster, spielte unter Markus Gisdol und Bernd Hollerbach keine Rolle. HSV-Trainer Christian Titz aber hat Lewis Holtby nun zweimal in Folge in die Startelf beordert. Titz arbeitete früher bereits als Individualtrainer des Ex-Nationalspielers. „Wir kennen uns sehr gut, und wenn du einen Spieler sehr gut kennst, weißt du leichter, welche Knöpfe du drücken musst, wie du ihn anpacken musst. Er hatte eine schwierige Zeit, hat ja aber schon nachgewiesen, dass er ein guter Bundesliga-Spieler ist, der auch in der Champions League gespielt hat“, erklärte Titz im „Sportclub“ des NDR-Fernsehens. „Für mich war klar, das ist eine einfache Aufgabe. Lewis ist ein einfach guter Fußballer. Das Spiel, das wir spielen möchten, mehr in den torgefährlichen Räumen, mit Ballmitnahmetechniken, das passt einfach zu ihm. Dass ich durch unseren Kontakt ein bisschen anders mit ihm reden konnte, hat ihm gut getan.“

Er arbeitete als Individualtrainer von Lewis Holtby. Beide haben denselben Spielerberater. Christian Titz und der 27-jährige Mittelfeldspieler, der unter dessen Vorgängern Markus Gisdol und Bernd Hollerbach so gut wie abgeschrieben war, haben eine gemeinsame Vergangenheit und einen sehr engen Draht zueinander. Nach dem 3:0-Sieg im Testspiel gegen Odense BK äußerte sich Titz hierzu. „Es ist mit Sicherheit kein Nachteil, wenn man einen Spieler über mehrere Jahre kennt und ihn schon trainiert hat“, sagte der HSV-Trainer. „Bei anderen Spielern muss man eher ein bisschen Fantasie entwickeln. Bei Lewis weiß ich schon, wo der Weg hingehen kann. Aber es gilt ganz klar, dass Lewis einer von vielen Spielern ist, der sich über Leistung hier zeigen muss, und ich finde, das macht er bis dato sehr ordentlich. Er hat auch gegen Odense wieder ein sehr engagiertes Spiel gezeigt, ein Tor gemacht, viele Räume zugelaufen, gute Pässe gespielt. Und wie das dann manchmal auch so ist: Sie haben einen Trainerwechsel, da werden die Karten neu gemischt, und dann gibt es Spieler wie ihn, die die Chance haben, dann auch durch die Tür zu gehen.“

Das war eine neue Rolle für Gideon Jung. Beim 3:0-Sieg im Testspiel gegen Odense BK trug der 23-Jährige die Kapitänsbinde. „Bei dieser Maßnahme ging es ganz klar auch darum, Gideon zu stärken, ihm Vertrauen zu geben“, begründete Trainer Christian Titz seine Entscheidung. Wortführer auf dem Platz war allerdings eher Lewis Holtby. „Wir haben gesagt, dass wir eine Achse haben wollen. Diese Achse fängt beim Torwart an, geht über die Innenverteidiger und über das Mittelfeld“, sagte Titz. „Und Lewis ist von seinem Naturell her ja ohnehin eher ein Spieler, der sich leichter tut, das Wort zu ergreifen.“

U21-Trainer Christian Titz ist der heißeste Anwärter auf die Nachfolge von Bernd Hollerbach, wenn der Franke in Kürze entlassen werden sollte. Wer aber ist der 46-Jährige, der die U21 in der Regionalliga Nord an die Tabellenspitze geführt hat, eigentlich. Der staatlich geprüfte Betriebswirt wurde in Mannheim gebroren, spielte in der Jugend für den SV Sandhausen, später dann für die SG Egelsbach, den SC Idar-Oberstein und Waldhof Mannheim. Für Idar-Oberstein absolvierte er sechs Partien in der Regionalliga. Als Trainer betreute er die U19 von Alemannia Aachen, den 1. FC Passau, die U15-Nationalmannschaft der USA, die U19 und die erste Mannschaft von Viktoria Köln. Vor 16 Jahren gründete er in den USA zusammen mit dem früheren Bundesliga-Profi Thomas Dooley die „Dooley Soccer University“, in der er in der Saison 2010/11 als Trainer arbeitete. Nach drei Jahren für den FC 08 Homburg wechselte Titz im Juli 2015 in den Juniorenbereich des HSV, trainierte zunächst die U17. Vor dieser Saison übernahm er die U21 der „Rothosen“. Titz gilt als akribischer, detailversessener Trainer, dessen Einheiten auch mal zweieinhalb Stunden dauern können. Und: Er ist bestens mit HSV-Profi Lewis Holtby befreundet. Beide haben in Marcus Noack den gleichen Berater. Titz arbeitete früher als persönlicher Trainer mit Holtby, der sich im gestrigen Training am Schienbein verletzt hatte, zusammen. Titz war übrigens schon nach der Entlassung von Trainer Markus Gisdol ein gehandelter Name beim HSV, soll Vorstands-Boss Heribert Bruchhagen nach Informationen der „BILD“ aber zu selbstbewusst aufgetreten sein.