Der HSV hat von der DFL die Lizenz für die Erste und Zweite Liga ohne Bedingungen und Auflagen erhalten. Es ist eine extrem positive Nachricht für den HSV. Die Verantwortlichen im Volkspark besitzen nun eine große Planungssicherheit für die Zukunft. Fest steht, Investor Klaus-Michael Kühne hat bei der Lizenzvergabe nicht geholfen. Deutlich verbessert hat sich durch die Lizenzvergabe ohne Auflagen auch die Verhandlungsposition der Hamburger bei möglichen Abgängen. Nun lautet der klare Tenor: der HSV muss bei einem Abstieg nicht zwingend Spieler verkaufen, sondern kann den Preis ganz ohne Druck in den meisten Fällen selbst bestimmen.

Diese Meldung auf der Internetseite des HSV kommt angesichts der wirtschaftlichen Probleme überraschend – und sorgt im Volkspark für große Erleichterung: Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat dem HSV am heutigen Donnerstag die Spielberechtigung für die Saison 2018/19 erteilt. Der HSV erhält die Lizenz für die Bundesliga und für die 2. Bundesliga ohne Bedingungen und ohne Auflagen. „Wir haben beide Ligen-Szenarien inhaltlich professionell vorbereitet und freuen uns über den Erhalt der Lizenzen“, sagt HSV-Vorstand Frank Wettstein. Der Aufsichtsrat der HSV Fußball AG nahm die Botschaft aus Frankfurt ebenfalls zufrieden auf. „Das ist eine erfreuliche Nachricht“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende Bernd Hoffmann. „Unser Finanzbereich hat unter der Leitung von Frank Wettstein sehr gute Arbeit geleistet und damit die Grundlage für die kommende Spielzeit geschaffen.“

Die Führung des HSV um Vorstand Frank Wettstein hat heute fristgerecht die Lizenz für die Zweitliga-Saison 2018/19 beantragt. Die Antwort der Deutschen Fußball-Liga (DFL) wird Ende April erwartet. In ihrer Planung kalkulieren die Verantwortlichen des Klubs übrigens mit dem direkten Wiederaufstieg.

Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass der HSV eine Bürgschaft von Klaus-Michael Kühne braucht, um die Lizenz für die 2. Liga zu erhalten. Schon 2014 war dies der Fall. Der Milliardär erklärte sich in einem Schreiben an die Deutsche Fußball Liga (DFL) bereit, im Abstiegsfall eine Bürgschaft über zehn Millionen Euro zu garantieren. Der DFL aber habe das nach einem Bericht des „Abendblatt“ nicht ausgereicht. Die Fußball-Regelhüter hätten demnach eine Bankbürgschaft des Investors eingefordert, was Kühne „ziemlich erzürnt“ haben soll, wie es heißt. Der Konflikt habe sich bis zum heutigen Tag nicht entspannt. Damals war es zu einer sportlichen Lösung gekommen. Der HSV hatte sich vor Ablauf der Frist durch die Relegationsspiele gegen Greuther Fürth gerettet, benötigte also keine Zweitlia-Lizenz. Kühnes Hausbank musste nicht einspringen. Ob sich der 80-Jährige in diesem Jahr dazu bereiterklärt, eine Bankbürgschaft zu hinterlegen, ist völlig offen.

Die Voraussetzungen für den HSV eine Lizenz für die 2. Liga erteilt zu bekommen, könnten noch schwerer sein als bisher angenommen. Hieß es bisher, der HSV müsse im Falle eines Abstiegs rund 25 Millionen Euro durch Spielerverkäufe erlösen, geht man laut „Abendblatt“ innerhalb des Vereins nun offenbar davon aus, dass dieser Betrag sogar bei über 30 Millionen Euro liegen müsse. Bis zum 3. April hat Vorstand Frank Wettstein noch Zeit, um die Lizenzunterlagen für die Zweite Liga einzureichen. Der Deutschen Fußball Liga (DFL) wird dabei eine Absichtserklärung zu möglichen Transfererlösen keinesfalls ausreichen. Bei einem regulär verlaufenden Lizenzierungsverfahren müsste der HSV bis zum 23. Mai, um seine Liquidität nachzuweisen. Gibt es bis zu diesem Zeitpunkt keine festen Transfervereinbarungen in der geforderten Höhe, braucht der HSV eine Bürgschaft, voraussichtlich von Klaus-Michael Kühne.

Vorstand Frank Wettstein hatte zuletzt immer wieder betont, dass der HSV die Lizenz sowohl für die Erste als auch für die Zweite Liga von der Deutschen Fußball Liga (DFL) auf jeden Fall erhalten werde. Doch dafür benötigt der finanziell schwer angeschlagene Klub offenbar einmal mehr die Unterstützung von Investor Klaus-Michael Kühne. Im NDR-„Sportclub“ sagte Aufsichtsratsboss und Vereinspräsident Bernd Hoffmann: „Möglicherweise erhalten wir die Lizenz mit Hilfe von Herrn Kühne. Ich habe immer gesagt, dass er ein ganz wichtiger Partner des HSV ist. Ich tausche mich ständig mit ihm aus.“

Heute endet die Frist der Deutschen Fußball Liga (DFL) für das Lizenzierungsverfahren zur kommenden Saison. Alle Unterlagen, um eine Spielgenehmigung zu erhalten, muss der HSV also im Laufe des Tages nach Frankfurt senden. Klar ist, dass die Hamburger harte Bedingungen erfüllen müssen, um die Lizenz erteilt zu bekommen. Für die Bundesliga muss man voraussichtlich rund acht Millionen Euro für die Liquiditätssicherung nachweisen, für die 2. Liga wohl sogar rund 20 Millionen Euro, da der HSV bei einem Abstieg auf einen zweistelligen Millionenbetrag bei den TV-Geldern verzichten müss. Das Problem: Der HSV wird bei der Lizenvergabe nicht geltend machen können, dass man in der kommenden Transferperiode möglicherweise zweistellige Millionenbeträge durch Spielerverkäufe erlösen kann. Die DFL darf dies nur berücksichtigen, wenn Wechsel bereits vertraglich fixiert sind. Vorstand Frank Wettstein hatte zuletzt dennoch wiederholt betont, dass der HSV in jedem Fall die Lizenz für die 1. und 2. Bundesliga erhalten werde. Eine finale Entscheidung über die Lizenzerteilung muss bis Ende Mai fallen. In der Geschichte der Bundesliga und 2. Bundesliga gab es bisher 19 Lizenzverweigerungen sowie einen Lizenzentzug (Rot-Weiß Essen, 1994). Die häufigsten Gründe für die Verweigerung oder Nicht-Erteilung der Lizenz waren Verletzungen von Lizenzbedingungen oder das Versäumen einer Ausschlussfrist. Die letzten Vereine, die der DFL-Bann traf, waren der TSV 1860 München (2017) und der MSV Duisburg (2013).

Vorstands-Boss Heribert Bruchhagen hat sich am Tag nach dem ernüchternden 0:0 gegen Mainz den Fragen der Medien gestellt. „Die Enttäuschung liegt wie ein bleierner Nebel über allen“, sagte er, versuchte aber dennoch sich kämpferisch zu zeigen. „Wir tun alles dafür, diese Restchance zu nutzen. Wir wollen uns mit dieser Restchance solidarisieren.“ In den Planungen müsse man „aber natürlich auch Gespräche darüber führen, was wir für den Fall der 2. Liga tun“. Über seine eigene Zukunft, die seit der Wahl von Bernd Hoffmann zum HSV-Präsidenten am seidenen Faden hängt, sagte Bruchhagen: „Was ich in dieser Woche habe lesen müssen, ist Spekulation, beruht aber nicht auf Fakten. Das muss nicht der Wahrheit entsprechen.“ Die Spekulationen seien „aber auch gerechtfertigt“. Mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Krall habe er sich „auch gestern und heute“ ausgetauscht: „Es wäre ein Wunder, wenn einem nicht auch kritische Fragen gestellt werden.“ Über Hoffmann sagte Bruchhagen: „Er hat davon gesprochen, dass alles auf dem Prüfstand steht. Das ist mir bekannt.“ Bis zum 15. März muss der HSV seine Lizenzunterlagen bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) einreichen. Es seien zwar „Transfererlöse notwendig, um die Zweitliga-Lizenz zu sichern“, erklärte Bruchhagen, verwies aber auf offenbar optimistische Einschätzungen von Frank Wettstein. „Mein Finanzvorstandskollege sieht keine Probleme.“