Am Sonntag tritt Bernd Hoffmann bei der Mitgliederversammlung des HSV gegen Amtsinhaber Jens Meier zur Wahl des Präsidenten an. Der Ex-Vorstandsboss würde bei einem Erfolg direkt in den Aufsichtsrat der HSV Fußball AG einziehen. Bei „sky90″‚ sagte Hoffmann: „Ganz besonders wichtig – und dass kann man sich in der boomenden Fußballkonjunktur kaum vorstellen, ist, dass der HSV ein großes Problem damit haben wird, für nächstes Jahr eine Erst- oder Zweitligalizenz zu bekommen.“ Das sei aus seiner Sicht für das Kontrollgremium das wichtigste Thema „nach der Präsidiumswahl und dem letztmöglichen Zeitpunkt, die Bedingungen der DFL bis Mitte Mai zu erfüllen“, so der 55-Jährige, der direkt das Gespräch mit Investor Klaus-Michael Kühne führen werde: „Im letzten Jahr musste der HSV Bedingungen erfüllen, vor allem für den Fall der Zweiten Liga. Aber das konnten wir nur erfüllen, da wir eine ganze Reihe an Prozenten an Klaus-Michael Kühne verkauft haben, um Liquidität zu beschaffen.“ Hoffmann zeigte sich nicht sehr optimistisch, dass das in diesem Jahr anders sein sollte: „Ich befürchte, dass wir zunächst die Herausforderungen im wirtschaftlichen Bereich lösen müssen.“

Klaus Hofmann, der Präsident des FC Augsburg, hat die Deutsche Fußball-Liga (DFL) indirekt dazu aufgefordert, dem HSV die Lizenz und damit die Spielberechtigung für die Bundesliga zu entziehen. Diese hatten die Hamburger in den vergangenen Jahren nur aufgrund der Finanzspritzen von Investor Klaus-Michael Kühne erhalten. Hofmann forderte „die Nicht-Anerkennung jedweder Darlehen im Rahmen der Lizenzierung“. Das Verteilen von Darlehen durch Geldgeber an Vereine bezeichnete er als „ausufernde Krankheit“. Und weiter: „Dass Darlehen bei der Lizenzierung als Eigenkapital angerechnet werden, ist ein riesiges Grundübel. Selbiges gilt für Darlehen mit Stundungen. Das Handelsrecht tut das schon lange nicht mehr, aber das Fußballrecht schon.“ Konkret bezog sich Hofmann auf den Liga-Dino: „Wer jetzt an den HSV denkt, liegt nicht ganz falsch.“

Nachdem der HSV in der vergangenen Woche mit einem Minus von 13,4 Millionen Euro die zweitschlechteste Bilanz der Vereinsgeschichte bekanntgegeben hat, macht sich der ehemalige Aufsichtsratschef des Klubs, Udo Bandow, große Sorgen. „Es geht um die Existenz“, sagte er der „Sport Bild“. „Der HSV wird sich sehr anstrengen müssen, die Lizenz zu bekommen.“ Zu einem möglichen Abstieg sagte Bandow: „Mir fehlt die Vorstellungskraft, wie man in der 2. Liga wirtschaftlich und sportlich überleben kann.“

Im ersten Versuch waren die HSV-Bosse gescheitert, es mussten Bedingungen erfüllt werden. Doch jetzt ist es offiziell, den Hamburgern ist von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) die Lizenz für die kommende Saison in der  Bundesliga erteilt worden. Allerdings benötigte der Klub dafür einmal mehr die finanzielle Unterstützung von Investor und Edel-Fan Klaus-Michael Kühne.

Der HSV wird die Lizenzvorgaben für die 1. und 2. Liga erfüllen – weil Klaus-Michael Kühne nun doch weitere Millionen beisteuert! „Wir haben die notwendigen Maßnahmen getroffen, um sowohl für die Bundesliga als auch für die 2. Liga die erforderliche Spielgenehmigung zu erhalten“, sagte HSV-Finanzvorstand Frank Wettstein. Mit Vereinbarung vom 28. April 2017 hat Kühne die Übernahme weiterer Aktien an der HSV Fußball AG erklärt. Die Kapitalerhöhung umfasst insgesamt 312.500 Aktien. Mit Durchführung der Kapitalerhöhung erhöht sich die Beteiligung von Kühne an der HSV Fußball AG von elf auf 17 Prozent. Wettstein: „Trotz der schwierigen sportlichen Situation konnte und kann der HSV auf verlässliche Investoren zurückgreifen.“ Genauer gesagt: Auf einen Investoren…

Der HSV muss bis Ende Mai Bedingungen erfüllen, um die Lizenz für die neue Spielzeit zu erhalten. Heribert Bruchhagen aber macht sich „keinerlei Sorgen, dass wir diese Bedingungen erfüllen können“. Noch sind die fixen Kosten höher als die fixen Einnahmen. Deshalb muss der HSV nachbessern. Deshalb will Bruchhagen den Gehaltsetat senken, sagt: „Es wird uns gelingen, aber wir müssen herausfinden, welche Maßnahmen die geeignetsten sind. Es geht darum, sich sportlich nicht zu schwächen.“ Heißt: Der HSV will möglichst keine Stars verkaufen müssen, um den Gehaltsetat anzupassen, sondern seine Einnahmen erhöhen.

Eine Lizenz nur unter Bedingungen – für den HSV kein Neuland, allerdings erneut unerfreulich. Bereits vor drei Jahren musste der Vorstand (damals noch unter der Führung von Carl Jarchow) kräftig nachbessern und Bürgschaften für Finanzlöcher hinterlegen.  Vor zwei Jahren musste er ebenfalls Bedingungen erfüllen – allerdings nur für den Fall des Abstiegs in die Zweite Liga. Im Vorjahr dann erhielt der HSV die Spielerlaubnis ohne Auflagen und Bedingungen. Und diesmal? Knapp sechs Wochen bleiben dem HSV, so nachzubessern, dass die DFL keine Einwände mehr hat.