Es ist in der Bundesliga nicht ungewöhnlich, dass Spieler aus dem Profikader in die U21 versetzt werden, wenn der Trainer nicht mehr mit ihnen plant. Beim HSV sind davon aktuell Verteidiger Mergim Mavraj und Mittelfeld-Mann Walace betroffen. In diesen Fällen verstoßen die Verantwortlichen jedoch gegen die Statuten der Deutschen Fußball-Liga, der Klub könnte von Mavraj und Walace sogar wegen Vertragsbruchs verklagt werden. Hintergrund: Beide haben grundsätzlich das Recht, von einem ausgebildeten Fußball-Lehrer trainiert zu werden. U21-Coach Steffen Weiß, der nach der Beförderung von Christian Titz im März aus der U16 aufrückte, fehlt diese Lizenz.

Verrückt, aber wahr: Bjarne Thoelke hat aufgrund verschiedener Verletzungen in der laufenden Saison noch keine Minute gespielt, nicht mal in den Kader hat er es in den 26 Spielen geschafft. Nun lauert der Verteidiger auf seine erste Chance gegen Schalke 04. Gideon Jung ist gesperrt, Rick van Drongelen und Kyriakos Papadopoulos angeschlagen und Mergim Mavraj weiter zur U21 abgeschoben. Neben Thoelke ist nur Stephan Ambrosius im Training dabei.

Gideon Jung ist beim nächsten Spiel gegen Schalke gesperrt, Kyriakos Papadopoulos und Rick van Drongelen haben beide Knie-Probleme. Wen will Trainer Christian Titz am Sonnabend gegen Schalke in die Abwehr stellen? Fest steht, trotz der angespannten Personallage ist keine Rückkehr von Mergim Mavraj (zur U21 abgeschoben) geplant. Titz will das Problem ohne den Albaner lösen. Und wer soll es machen? Albin Ekdal ist eher kein Kandidat, da er nach seiner langen Pause noch nicht wieder bei 100 Prozent ist. Titz hofft, dass zumindest Papadopoulos bis zum Schalke-Spieler wieder fit ist. Der Griechen würde dann an der Seite von Stephan Ambrosius spielen.

Walace suspendiert, Mergim Mavraj degradiert, Kyriakos Papadopoulos zu Kreuze kriechen lassen. Beim HSV ist mal wieder mächtig Feuer unterm Dach. Doch Christian Titz sorgt sich nicht, die Kontrolle in der Kabine verlieren zu können. Er spürt weiter eine Aufbruchstimmung im Team. „Nein, die Stimmung kippt nicht“, versicherte der Trainer im Gespräch mit der MOPO und klärte auf: „Es ist völlig normal, dass es unzufriedene Spieler gibt, wenn sie, so wie wir jetzt, einen Kader mit 27 Spielern haben, und nur elf spielen und 18 nominiert werden können. Wenn ein Trainer jemanden nicht nominiert hat, dann ist man böse auf ihn, das finde ich auch gar nichts Schlimmes. Aber der Großteil der Mannschaft ist wirklich sehr bemüht, der zieht sehr gut mit, und bei denen, wo wir halt den Eindruck haben, dass sie nicht wollen oder nicht so richtig funktionieren, die nominieren wir dann nicht.“

Geldstrafe oder Suspendierung? So lautete die Frage vor der Rückkehr von Kyriakos Papadopoulos von seiner Länderspiel-Reise mit Griechenland. Die Antwort: Weder noch! Der 26-jährige Verteidiger zeigte sich im Gespräch mit Direktor Sport Brernhard Peters, Trainer Christian Titz und Vorstandsberater Thomas von Heesen derart einsichtig, dass die HSV-Bosse den Entschluss fassten, „Papa“ mit einer ernsten Verwarnung davonkommen zu lassen. Zur Erinnerung: Nach dem Spiel gegen Hertha BSC (1:2), das er von der Ersatzbank aus verfolgen musste, hatte Papadopoulos Coach Titz für dessen Personalentscheidungen öffentlich kritisiert: „Ich finde nicht, dass ich so schlecht war, um nicht zu spielen. Er hat auch nicht mit mir über die Gründe gesprochen. Ich finde es total schade, dass ich nicht spiele und manche erfahrene Spieler nicht in der Mannschaft sind. Die Spieler, durch die wir in der vergangenen Rückrunde den Klassenerhalt geschafft haben, sind gar nicht mehr auf dem Platz. Diekmeier oder Mavraj sind erfahrene Spieler, die Mannschaft braucht diese Spieler, sie sind wichtig. In unserer Situation immer etwas Neues zu probieren, ist nicht die beste Lösung.“ Aussagen, für die sich „Papa“ nun bei Trainer und Kollegen entschuldigte.

Eine ganze Reihe von HSV-Profis sorgte in den vergangenen Wochen für mächtig Ärger. Vasilije Janjicic verursachte unter Alkoholeinfluss und ohne Führerschein einen Autounfall, Kyriakos Papadopoulos kritisierte Trainer Christian Titz öffentlich und der ohnehin schon suspendierte Walace schwänzte das Training. Mergim Mavraj ließ sich zwar nichts zuschulden kommen, fliegt aber trotzdem raus. Direktor Sport Bernhard Peters erklärt die Maßnahme, den Albaner zur U21 zu degradieren: „Das Trainerteam hat sich aus sportlichen Erwägungen dazu entschieden, ab heute auf Mergim Mavraj zu verzichten. Wir haben ihn daher angewiesen, bis auf Weiteres in der U21 am Training teilzunehmen.“

War’s das für Mergim Mavraj beim HSV? Im Januar 2017 kam er für 1,8 Millionen Euro vom 1. FC Köln, unterschrieb einen Vertrag bis 2019 und half mit, den Abstieg zu verhindern. Auch zu Beginn der laufenden Saison war der Albaner bei Markus Gisdol gesetzt, stand 17 Mal in der Startelf. Nachfolger Bernd Hollerbach leitete den Absturz ein, nur in zwei der sieben Spiele unter der Regie des Trainers kam er zum Einsatz. Bei Christian Titz wurde er nun endgültig aussortiert. Übrigens: Mavraj darf in der U21 nicht am Spielbetrieb teilnehmen, sondern lediglich trainieren.

Zu schlecht für die Profis! Der HSV hat Mergim Mavraj im Bundesliga-Kader aussortiert, mit sofortiger Wirkung darf der 31-Jährige nur noch in der U21 mittrainieren. Diese Entscheidung wurde dem Verteidiger nach dessen Rückkehr vom albanischen Nationalteam von Trainer Christian Titz, Direktor Sport Bernhard Peters und Vorstandsberater Thomas von Heesen mitgeteilt.