Es ist eine der wichtigsten Fragen des deutschen Fußballs. In der vergangenen Woche stimmten die deutschen Profi-Klubs auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) über die Zukunft der 50+1-Regel, die es Investoren verwehren soll, mehr als 50 Prozent der Anteile an Fußball-Klubs zu halten, ab. Die St. Pauli-Bosse Oke Göttlich und Andreas Rettig erreichten am Ende, dass sich eine Mehrheit von 18 der 34 anwesenden Klubs hinter ihren Antrag versammelte – bei vier Gegenstimmen und neun Enthaltungen. Drei Vereine beteiligten sich nicht an der Abstimmung, darunter nach MOPO-Informationen auch der HSV. Vorstand Frank Wettstein war für die Hamburger nach Frankfurt gereist, soll aber nicht durch Wortbeiträge aufgefallen sein. Der Hintergrund: Er selbst gilt als Befürworter eines Wegfalls der 50+1-Regel. Mehr als 130 HSV-Fanklubs hatten sich aber an einer Petition beteiligt, die den Fortbestand der Regel einforderte.

Der Kampf um die Anfechtung der Wahl von Präsident Bernd Hoffmann geht in die nächste Runde. Ex-HSV-Seniorenrat Peter Gottschalk hatte beanstandet, Hoffmann und sein Team seinen nicht öffentlich gefragt worden, ob sie das Amt auch antreten wollen. Der Ehrenrat aber widersprach Gottschalk. Hoffmann sei sehr wohl, aber eben nicht für alle hörbar am Mikrofon befragt worden. Gottschalk sieht darin weiterhin einen Formfehler, wendet sich nun an das Registergericht.

Antragssteller Peter Gottschalk hat vor der Mitgliederversammlung des HSV am 18. Februar seine Initiative zum Ausschluss von AfD-Mitgliedern verteidigt. „Ich will nicht ausgrenzen. Ich will Transparenz“, sagte der 76-Jährige. „Ich will, dass jeder weiß: Wer sich nicht an die Werte der Vereins hält, wird ausgeschlossen.“ HSV-Mitglieder müssten nicht ihr Parteibuch zeigen, betonte er. „Es geht hier schließlich nicht um Formalismus“, meinte Gottschalk, der seit seinem 13. Lebensjahr im HSV ist. „Wir können aber darauf pochen, dass unsere Werte eingehalten werden.“ Diese Werte seien unter anderen Toleranz, kein Rassismus, Kameradschaft, Solidarität und Fairness. „Es gibt genügend Sportlerinnen und Sportler, die meine Ansicht teilen.“ Nach eigener Aussage erhielt Gottschalk etliche Mails und Nachrichten via Facebook, in denen er wegen seines Antrags beschimpft und verunglimpft wurde. „Das sagen die Leute die gesichtslos und geschichtslos sind“, sagte der langjährige Vorsitzende des HSV-Seniorenrats. „Bei einigen ist es Kalkül, bei einigen Dummheit.“ Gottschalk ist seit 1981 aktives SPD-Mitglied. Kay Gottschalk, stellvertretender Bundesvorsitzender der AfD und nicht mit Peter Gottschalk verwandt, hatte in einer Mitteilung den Antrag mit der Ausgrenzung jüdischer Mitglieder zwischen 1933 und 1945 verglichen. Er ist nach eigener Aussage seit 2005 Vereinsmitglied und hatte als Jugendlicher beim HSV auch Fußball gespielt.

Der Antrag von Peter Gottschalk, alle Mitglieder der AfD aus dem HSV auszuschließen, sorgt weiter für Wirbel. Nun meldet sich sein Namensvetter Kay Gottschalk zu Wort. Der gebürtige Hamburger ist Stellvertreter der Parteivorsitzenden Alexander Gauland und Jörg Meuthen und seit zehn Jahren HSV-Mitglied. „Angesichts der desolaten sportlichen Leistungen könnte man auf den Gedanken kommen, dass man mit allen Mitteln davon ablenken will“, erklärt er. „Kommt der Antrag so durch, demontiert sich der HSV.“ Kay Gottschalk war zuletzt dadurch aufgefallen, dass er zum Boykott türkischer Geschäfte aufgerufen hatte. Über den AfD-Antrag wird die Mitgliederversammlung am 18. Februar entscheiden.

Kay Gottschalk (Foto: dpa)

Am 18. Februar bei der Mitgliederversammlung des HSV e.V. geht es nicht nur um die Präsidenten-Wahl zwischen Jens Meier und Bernd Hoffmann sowie die brisante Abstimmung, ob AfD-Mitglieder aus dem Verein ausgeschlossen werden sollen. Es wurden auch völlig unterschiedliche Anträge im Zusammenhang mit der Rolle des Vereins in der HSV Fußball AG eingereicht. Einer kommt von Klaus Meetz: „Die Mitgliederversammlung möge beschließen: Das Präsidium des Vereins ist verpflichtet, unverzüglich einen geeigneten Beschluss in einer – ggf. außerordentlichen – Hauptversammlung der HSV Fußball AG herbeizuführen, welcher die Reduzierung des genehmigten Kapitals der HSV Fußball AG auf das Grundkapital verbindlich festlegt, um so den Erhalt der 75,01 Prozent Anteile des Vereins an der AG sicherzustellen.“ Der andere kommt von Ulrich Becker: „Ich beantrage, dass der Hamburger Sportverein e.V. weitere 24 Prozent der Aktien-Anteile auf die HSV Fußball AG überträgt. Somit verfügt die HSV Fußball AG dann über die z. Zt. maximal zulässige Anteilshöhe von 49 Prozent.“

Am 18. Februar kommt es bei der Mitgliederversammlung des HSV e.V. nicht nur zum Wahl-Showdown zwischen dem amtierenden Präsidenten Jens Meier und Herausforderer Bernd Hoffmann. Auch über einen brisanten Antrag des langjährigen Seniorenrats-Chefs Peter Gottschalk wird dann abgestimmt: „Die Mitgliederversammlung fordert das Präsidium auf dafür zu sorgen, dass AfD-Mitglieder oder gleichgesinnte Personen nicht Mitglied im Hamburger-Sport-Verein e.V. werden oder der HSV Fußball AG angehören.“ Seine Begründung: „Kein Platz für Rassismus! Toleranz und Solidarität sind Werte, die innerhalb jeder Sportart zählen.“

 

Es ist ein Termin, den viele HSV-Mitglieder mit Spannung erwarten – denn es dürfte zu einer Kampfabstimmung kommen. Aller Voraussicht nach wird Ex-HSV-Boss Bernd Hoffmann bei der Mitgliederversammlung für den Posten des Präsidenten kandidieren und damit gegen Amtsinhaber Jens Meier antreten. Nun steht auch der Ort des Geschehens fest: Am Sonntag, den 18. Februar, bittet der HSV e.V. ab 11 Uhr in die Kuppel (Luruper Chausee 30), direkt neben der Trabrennbahn in Bahrenfeld. Im vergangenen Januar war noch die Volksbank Arena im Volkspark Veranstaltungsort.