Für Bernd Hoffmann ist das Nordderby das erste HSV-Spiel als neuer Präsident. Natürlich ist er am Sonnabend in Bremen dabei. Vielleicht bringt er am Ende ja auch wieder Glück. Bei Hoffmanns erstem HSV-Spiel als Vorstandsvorsitzender hieß der Gegner Anfang Februar 2003 ebenfalls Bremen. Der HSV gewann durch ein Tor von Barbarez mit 1:0. Hoffmann: „Es wäre schön, wenn sich die Geschichte wiederholt.“

Seit nun zehn Spielen wartet der HSV auf einen Sieg. Der Abstand zum Relegationsplatz ist auf sechs Zähler angewachsen. Unter den Fans brodelt es, die Stimmung im Volkspark ist angespannt. Am Sonnabend (18.30 Uhr) reist der Liga-Dino zum wichtigen Nordderby nach Bremen. Ein Sieg ist Pflicht, um den Abstand auf Rang 16 nicht noch größer werden zu lassen. Auf der Pressekonferenz vor dem Kracher gegen Werder spricht Coach Bernd Hollerbach über…

Konsequenzen einer möglichen Niederlage: Nein, wir wären nicht weg. Danach gibt es noch zehn Spiele, Chancen gibt es genug. Es ist noch lange nicht vorbei und immer ans sich glaube. Die Messe ist noch lange nicht gelesen.

Bremens Coach Florian Kohfeldt: Ich kenne ihn nicht, aber ich kenne Frank Baumann gut. Ich denke, dass die Bremer immer Geschlossenheit ausgezeichnet hat, sie stehen in schwierigen Situationen zusammen. Auffällig, wenn es spitz auf Knopf ist, wachsen sie zusammen.

Ex-Bremer Aaron Hunt: Aaron Hunt ist besonders motiviert gegen seinen Ex-Klub. Er ist einer der erfahrenen Spieler bei uns, der mit solchen Situationen sehr gut umgehen kann. Er hat sich ein paar junge Spieler geschnappt und mit ihnen über die Lage gesprochen.

das brisanteste Derby aller Zeiten: Derbys waren immer brisant. Ich glaube, dass sich die Jungs schon bewusst sind, dass es ein wichtiges Spiel ist – auch für unsere tollen Fans. Sie haben uns bisher sensationell unterstützt und werden es auch weiterhin tun. Derby ist ein Spiel, dass man nicht gerne verlieren möchte.

persönlichen Druck: Als Spieler war es einfacher, da konnte ich direkt eingreifen. Jetzt bleibt mir nur die Halbzeit. Ich freue mich riesig auf das Derby, deshalb liebe ich den Fußball. Ich bin früher positiv rangegangen, je mehr gepfiffen wurde, umso motivierter war ich.

das Vertrauen zu Walace: Ich hatte einmal Kontakt mit ihm, Frau und Kind geht es sehr gut. Die Situation hatte ihn zu Beginn meiner Zeit belastet. Walace hat sich hier eingesetzt, ich reagiere immer daran, wie sich die Spieler einsetzen. Er ist ein einwandfreier Junge, ich habe ihm Vertrauen gegeben und er hat es zurückbezahlt.

den Druck in Bremen: Ich hoffe die Mannschaft kann den Druck positiv auf den Platz umwandeln. Das Vorgeplänkel ist nicht entscheidend, sondern die Leistung auf dem Platz. Ich habe das Gefühl, dass alle breit sind, am Samstag ein heißes Match zu spielen.

den Druck aufs Team: Ich erwarte, dass wir so auftreten wie gegen Leipzig und Dortmund. Ich kann der Mannschaft bislang keinen Vorwurf machen. Wir müssen uns das Glück wieder erarbeiten. Unsere Einstellung wird sein, dass wir alles raushauen. Ich bin mir sicher, dass die Spieler im Derby brennen werden.

die Personalsituation: Albin Ekdal geht es viel besser, hatte heute morgen Reha. Morgen müssen wir noch abwarten, ich rechne aber erst gegen Mainz mit ihm. Nicolai Müller macht weiter Fortschritte, Bjarne Thoelke war krank, ist aber wieder zurück. Lewis Holtby kommt heute auch in den Volkspark, aber wir müssen uns die Wunde genau ansehen. Da kann ich erst nach dem Training etwas zu sagen.

Samba-Kicker Walace: Ich vertraue Walace, dass er rechtzeitig wieder zurückkommt. Erwarte ihn Freitagabend in Bremen und werde ihn mir dann genau ansehen. Ich werde diesmal 19 Spieler mitnehmen. Aber wenn er gut drauf ist, wird er auch spielen.

das Derby: Ich erwarte ein emotionales Spiel, kenne es aus meiner aktiven Zeit. Es ist ein wichtiges Spiel, in dem die Tabellensituation nicht im Vordergrund steht. Im Derby stecken viele Emotionen. Ein Psychospiel ist es aber nicht.

Versöhnliche Töne von der Weser: Bremens Geschäftsführer Frank Baumann glaubt offenbar an den Ligaverbleib des HSV. „Ich glaube, dass es das Derby auch nächste Saison in der Bundesliga geben wird“, sagte er dem kicker.  Über mögliche Konsequenzen einer Hamburger Derbyniederlage mochte auch Werders Aufsichtsratsvorsitzender Marco Bode indes nicht sinnieren: „Dafür ist unsere eigene Situation zu herausfordernd. Meine Gedanken drehen sich nur darum, wie wir gewinnen können.“

 

Werder Bremens Mittelfeldspieler Thomas Delaney geht voller Vorfreude ins Nordderby. „Ich liebe diese Spiele. Das sind die Top-Spiele des Jahres. In der Bundesliga ist jedes Spiel groß, aber dieses hier noch ein bisschen mehr“, sagt der Däne. Delaney rechnet mit einem packenden Fight. „Es wird hart zur Sache gehen. Es wird ein hässlicheres Spiel als andere.“ Welche Bedeutung die Partie in beiden Städten hat, bekam der Däne auch mit. „Mein DHL-Mann meinte heute Morgen schon zu mir: ‚Samstag müsst ihr unbedingt gewinnen!’“

Vor dem Nordderby heizt Tim Wiese die Stimmung an. „Die Zeit ist reif. Diesmal wird der HSV absteigen. Die sind einfach zu schlecht“, sagte der einstige Werder-Torwart in der „Bild“. „Die Hamburger kicken doch mit schlotternden Knien. Ich bin sicher: Die Spieler haben die Hosen voll.“ Am meisten tue ihm Investor Klaus-Michael Kühne leid, meinte Wiese, der in 266 Spielen für Werder im Tor stand. „So viel Kohle hat er reingesteckt, und es kommt nur Mist raus. Der HSV steht jetzt noch schlechter da als vor seinem Engagement“, sagte der 36 Jahre alte Ex-Profi und sparte nicht mit Häme: „An seiner Stelle würde ich mit der Abrissbirne in den Volkspark einrücken.“

In seiner Wahlkampfrede am Sonntag im Rahmen der Mitgliederversammlung hatte Bernd Hoffmann davon gesprochen, mit „5000 Hamburgern Bremen aufmischen“ zu wollen. Eine Aussage, für die sich der neue HSV-Präsident nun entschuldigt. „Beim Blick auf das Nordderby von ‚Aufmischen‘ zu sprechen, war die falsche Wortwahl meinerseits. Ich möchte klarstellen: Ich freue mich auf das Derby, das auf dem Platz auch gerne emotional und mit aller Rivalität ausgetragen werden soll, ich verurteile aber jede Art von Gewalt und Aufforderungen dazu. Wir brauchen ein stimmungsstarkes Derby mit dem Sieger HSV.“ Zuvor hatte Werder-Sportchef Frank Baumann die Aussage Hoffmanns kritisiert: „Wir Vereinsverantwortliche sollten alle bestrebt sein, uns vor einem Derby verantwortungsvoll zu äußern. Ich ordne die Aussage von Bernd Hoffmann zwar in die Wahlkampf-Schublade ein, aus meiner Sicht ist es aber ein Satz gewesen, der grundsätzlich nicht deeskalierend wirkt.“

Auch heute konnte Albin Ekdal (Probleme am Sprunggelenk) nur individuell trainieren. Ein Einsatz des Mittelfeldspielers, der schon gegen Leverkusen (1:2) fehlte, am Sonnabend im Nordderby ist eher unwahrscheinlich. „Es macht keinen Sinn, wenn er zwei Spiele macht und dann wieder acht Wochen fehlt. Er soll es erst mal richtig auskurieren“, sagte HSV-Coach Bernd Hollerbach.