Der HSV entzieht rund 750 Fans die Möglichkeit, ihre Dauerkarte für die Zweitliga-Saison 2018/19 zu verlängern. Im Sommer 2016 hatte der Verein in Absprache mit dem „Ständigen Arbeitskreis Fanbelange“ und dem Supporters Club einen Mindestbesuch von zwei Heimspielen vorauszusetzen, um ein Vorkaufsrecht zu gewähren. Bei den betroffenen Anhängern wurde dies teils deutlich unterschritten, teilte der HSV mit. Vor einem Jahr hatten sich etwa 1500 HSV-Mitglieder auf eine Warteliste setzen lassen, die nun auf eine Dauerkarte für die Nordtribüne hoffen dürfen.

Mit einem Statement auf ihrer Internetseite hat die Fan-Hilfe „Nordtribüne Hamburg“ das neue Sicherheitskonzept der HSV Fußball AG und der Polizei kritisiert. In dem Schreiben heißt es: „Nach dem wichtigen Sieg unseres HSV am vergangenen Sonnabend gestaltete sich das Verlassen des Stadions und seines Umfelds leider schwieriger als gewohnt. Grund dafür ist das neue Sicherheitskonzept der HSV Fußball AG und der Polizei Hamburg. Dieses besteht im Wesentlichen darin, Umläufe, Treppenhäuser oder etwa den Tunnel zum Stellinger Bahnhof zu sperren, und vor diesen Engpässen entsprechend große Menschenansammlungen zu produzieren. Trotz der fröhlichen und entspannten Stimmung nach dem Heimsieg führte dies zu mehreren Situationen, in denen die Stimmung zu kippen drohte, oder in denen sich Fans gezwungen sahen, sich andere Wege zu eröffnen, um dem gefährlichen Gedränge zu entgehen. Wohlgemerkt bei einer Sachlage, die das komplette Gegenteil der Horrorszenarien war, für die dieses Konzept entwickelt worden ist. Sollten eben solche Szenarien am 12.05. tatsächlich nur im Entferntesten eintreten, sieht die Fanhilfe durch das am Wochenende zur Schau gestellte Konzept die Sicherheit der Zuschauer als nicht gewährleistet an. Um es deutlich zu sagen: Das Zusammenpferchen von Menschen, um diesen dann den Weg zu versperren oder diese durch Engpässe zu schleusen, ist kein Konzept, was der Sicherheit der Fans in irgendeiner Weise dienlich sein kann.“

Auf der Nordtribüne hatten Fans des HSV gestern schon vor dem Spiel gegen Leverkusen ein geschmackloses Banner aufgehängt, das auch in der zweiten Hälfte dauerhaft zu sehen war. Die Aufschrift: „Bevor die Uhr ausgeht, jagen wir euch durch die Stadt.“ Angesichts dieser offenen Drohung gegen die Profis herrscht beim HSV Entsetzen. Vorstands-Boss Heribert Bruchhagen: „Dass man seiner Enttäuschung am Ende auf diese Art und Weise Luft macht, ist nicht sinnvoll und ist abzulehnen. Die Situation ist natürlich nach diesem Spieltag noch viel schwieriger geworden. Wir können aber nicht selbstzerstörerisch aufeinander zu gehen. Das bringt nichts“, sagte er und fügte hinzu: „Ich glaube weiterhin fest, dass wir es schaffen. Es gibt keine Resignation.“

Die Situation ist kritisch, der HSV kämpft um den Klassenerhalt. Es droht der erste Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte. Der „Liga-Dino“ am Abgrund. Akustisch konnte man den Liebesentzug der Fans schon mehrfach im Volkspark hören, Pfiffe sind eher die Regel als die Ausnahme. Nun kommen auch noch offene Drohungen dazu. Auf einem geschmacklosen Plakat, das in der Nordkurve gehisst wurde, schrieben einige Anhänger: „Bevor die Uhr ausgeht, jagen wir euch durch die Stadt.“

Dieses Plakat wurde auf der Nordtribüne aufgehängt.