Das Präsidium des SV Werder Bremen hat eine Aktion der Hamburger Polizei vor dem Nordderby beim HSV als „überzogen und nicht nachvollziehbar“ bewertet. „Dieser Einsatz wirft sehr viele Fragen auf. Nach unseren Nachfragen kann es nicht ausgeschlossen werden, dass in dieser Polizeikontrolle auch völlig unbescholtene Fans hängen geblieben sind“, sagte Präsident und Geschäftsführer Hubertus Hess-Grunewald. Die Beamten hatten vor der Partie 171 Anhänger in 31 Fahrzeugen auf einem Parkplatz in der Nähe des Volksparkstadions eine Stunde über das Spielende hinaus festgehalten. Begründet wurde die Maßnahme mit einer sogenannten „konspirativen Anreise“ im PKW statt im Bus. Hess-Grunewald dazu: „Die individuelle Anreise zu einem Bundesligaspiel ist nicht verboten.“

Das Testspiel zwischen dem HSV und Zweitliga-Aufsteiger Holstein Kiel am 19. Juli um 19 Uhr wird nicht wie geplant in Rendsburg stattfinden. Die Landespolizei Schleswig-Holstein hat den Organisatoren die Genehmigung zur Austragung der Partie entzogen – aus Angst vor Krawallen durch Anhänger der beiden Nordklubs. Es bestünden erhebliche Sicherheitsbedenken, heißt es, da keine professionelle räumliche Abtrennung der Fan-Lager durch Zäune möglich sei. Das Testspiel muss nun in ein anderes Stadion verlegt werden, im Rennen ist Flensburg-Weiche. Alle bereits verkauften Karten behalten ihre Gültigkeit.

Im Rahmen des Spiels zwischen Schalke 04 und dem HSV (1:1) am Sonnabend kam es zu schweren Auseinandersetzen rivalisierender Anhänger. In der MOPO berichtete ein Augenzeuge von einem Angriff Schalker Hooligans, die auch auf Frauen und Jugendliche einschlugen. „Ich habe davon gelesen, dass es so gewesen sein soll. Wir sammeln im Moment alle Informationen und sichten Bilder. Grundsätzlich lehnen wir jede Art von Gewalt ab, weil sie nicht unserem Schalker Leitbild entspricht“, sagte Schalkes Sicherheitsbeauftragter Volker Fürderer im Gespräch mit „Reviersport“. Die Gelsenkirchener Polizei sichtet ebenfalls ihr Material und die vorliegenden Aussagen. „Ob Frauen und Kinder geschädigt wurden, prüfen wir zurzeit. Es gibt verschiedene Schilderungen, die wir jetzt sichten“, erklärte Pressesprecher Torsten Sziesze. Auch in der Stadt war es zu Schlägereien gekommen, zwei Hamburger Fans kamen ins Krankenhaus, drei Schalke-Randalierer wurden festgenommen. Ein Mann sitzt in Untersuchungshaft. Der Vereinn prüft das Verhängen von Stadionverboten. „Es wird eine entsprechende Anhörung geben“, so Sicherheitschef Fürderer.

Eigentlich ist nach dem Punktgewinn gegen Schalke die HSV-Welt einigermaßen in Ordnung. Der Klub hat den Klassenerhalt in der eigenen Hand, kann sich am 34. Spieltag mit einem Sieg gegen Wolfsburg sogar noch vor der Relegation retten. Doch die Szenen, die sich während und nach der Partie rund um die Fans des Klubs abspielten, trüben die gute Stimmung. Laut Polizeiangaben versuchten Teile der Schalke- und Hamburg-Anhänger die Bereiche der jeweils anderen Fanlager zu stürmen. Kurz vor Spielende kam es zu Prügeleien auf der Südtribüne in den Blöcken V, W und S1. Die Polizei wurde bei dem Versuch, die Attacken zu unterbinden, von HSV-Anhängern angegriffen. Pfefferspray wurde eingesetzt. Auch außerhalb des Stadions kam es zu weiteren Auseinandersetzungen. Am Hauptbahnhof trafen Fangruppen erneut aufeinander. Zwei HSV-Anhänger wurden dabei ins Krankenhaus geprügelt. Drei Polizisten wurden verletzt. Einer der Schalke-Hools wurde festgenommen.

Nachdem die Anhänger von RB Leipzig am Sonnabend in Dortmund teilweise gewalttätig angegriffen wurden, ist die Polizei für das nächste Spiel des „Brauseklubs“ in Alarmbereitschaft. Sie kündigte für das Heimspiel am Sonnabend gegen den HSV ein konsequentes Vorgehen gegen alle Störer an. Das Einsatzkonzept werde nach den Ausschreitungen in Dortmund allerdings nicht extra überarbeitet. „Wir sind vorbereitet“, so ein Polizeisprecher. Man werde mit mehreren Hundertschaften im Einsatz sein. Bislang seien alle Heimspiele von RB in der Fußball-Bundesliga ohne größeren Querelen über die Bühne gegangen. Nur beim Spiel gegen Frankfurt sei die Stimmung unter den Gästefans teilweise feindselig gewesen, letztlich aber friedlich geblieben.

Nachdem sich etwa 300 HSV-Fans schon vor Wochenfrist auf dem Weg nach Wolfsburg daneben benahmen, gab es nun erneut Ärger. 450 Hamburger Anhänger begingen auf der Rückfahrt aus Ingolstadt erhebliche Sachbeschädigungen, sorgten mit Drohgebärden dafür, dass die Zugbegleiter am Bahnhof Uelzen die Weiterreise verweigerten. Die Polizei musste mithilfe von friedlichen HSV-Anhängern schlichten.