Auf dem Kiez sind gestern Abend 16 HSV-Fans kurzzeitig in Gewahrsam genommen worden. „Hier ging es um eine Verhinderung von möglichen Straftaten“, sagte ein Polizeisprecher. Sonst sei es in der Stadt nach dem Spiel gegen Gladbach (2:1) ruhig geblieben. Die Festgenommenen waren einige Stunden nach dem Abpfiff in einer Gruppe von 60 Fans in St. Pauli unterwegs.

Es war absehbar, dass die Ultras auf der Nordtribüne eine Aktion vorbereiten, nachdem sie ein großes schwarzes Tuch ausrollten und sich darunter versammelten. Hätte die beschämende Pyro-Aktion kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit gegen Gladbach (2:1) verhindert werden können? Warum stürmte die Polizei nicht den Block, bevor die Brandstifter loslegten? Hamburgs Sport- und Innensenator Andy Grote erklärt: „In solchen Situation muss genau abgewägt werden, wie vorzugehen ist. In diesem Fall hätte bei einem Eingriff ein unübersichtliches Handgemenge auf der Tribüne gedroht.“ Immerhin sorgten Sicherheitsdienst und Polizei dafür, dass es keinen Platzsturm gab.

Die mitreisenden Hamburger Anhänger müssen morgen in Wolfsburg große Einschränkungen in Kauf nehmen. „HSV-Fans können sich nicht frei im Stadionumfeld bewegen“, kündigte der VfL in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit der Stadt sowie der Polizei an. Im Stadion und auch rund um die Arena herrscht Alkoholverbot, zudem wird die Polizei die Besucher aus der Hansestadt am Hauptbahnhof empfangen und zum Stadion begleiten. „Die Möglichkeit eines Aufenthalts in der Wolfsburger Innenstadt wird es für Anhänger des Hamburger SV nicht geben“, heißt es in dem Schreiben. Übrigens: Der Polizei liegen laut eigener Aussage keinerlei Erkenntnisse vor, dass es zu Störungen kommt. Die vorgegeben Regel seien „rein präventiv“.

Mit einem Statement auf ihrer Internetseite hat die Fan-Hilfe „Nordtribüne Hamburg“ das neue Sicherheitskonzept der HSV Fußball AG und der Polizei kritisiert. In dem Schreiben heißt es: „Nach dem wichtigen Sieg unseres HSV am vergangenen Sonnabend gestaltete sich das Verlassen des Stadions und seines Umfelds leider schwieriger als gewohnt. Grund dafür ist das neue Sicherheitskonzept der HSV Fußball AG und der Polizei Hamburg. Dieses besteht im Wesentlichen darin, Umläufe, Treppenhäuser oder etwa den Tunnel zum Stellinger Bahnhof zu sperren, und vor diesen Engpässen entsprechend große Menschenansammlungen zu produzieren. Trotz der fröhlichen und entspannten Stimmung nach dem Heimsieg führte dies zu mehreren Situationen, in denen die Stimmung zu kippen drohte, oder in denen sich Fans gezwungen sahen, sich andere Wege zu eröffnen, um dem gefährlichen Gedränge zu entgehen. Wohlgemerkt bei einer Sachlage, die das komplette Gegenteil der Horrorszenarien war, für die dieses Konzept entwickelt worden ist. Sollten eben solche Szenarien am 12.05. tatsächlich nur im Entferntesten eintreten, sieht die Fanhilfe durch das am Wochenende zur Schau gestellte Konzept die Sicherheit der Zuschauer als nicht gewährleistet an. Um es deutlich zu sagen: Das Zusammenpferchen von Menschen, um diesen dann den Weg zu versperren oder diese durch Engpässe zu schleusen, ist kein Konzept, was der Sicherheit der Fans in irgendeiner Weise dienlich sein kann.“

Der brisante Keller-Knaller am Sonnabend in Wolfsburg ist ausverkauft.  Polizei und Verein raten daher „dringend“ davon ab, ohne Karte anzureisen. Im Stadion wird es keinen Alkoholausschank geben. „Aus Gründen der Gefahrenabwehr“ hat die Stadt für die Gastronomie rund um das Stadion darüber hinaus ein Verbot des Außer-Haus-Verkaufs von Alkohol erlassen. Polizei und Ordnungsamt werden die Einhaltung kontrollieren. Die Polizei wird die anreisenden HSV-Fans zur Volkswagen Arena begleiten, die Möglichkeit eines Aufenthalts in der Wolfsburger Innenstadt wird es für Hamburger Anhänger nicht geben. Gäste-Fans können sich zudem nicht frei im Stadionumfeld bewegen, sondern sich einzig im und am Gästesektor aufhalten. Der abschließende Appell: „Die Polizei wird am Spieltag Straftaten und Gewalttaten entschlossen begegnen. Sie appelliert an alle Fans, sich nicht provozieren zu lassen und auch nicht selber zu provozieren.“

Sechs Ordner waren bei den Ausschreitungen am Rande des HSV-Heimspiels gegen Hertha BSC am Sonnabend verletzt worden. Die Zusammenarbeit zwischen der Polizei und den Sicherheitskräften des Unternehmens „Power“ habe aber hervorragend funktioniert, wie es aus beiden Lagern heißt. Alle Versuche, der Randalierer, den Platz zu stürmen oder gar in den Kabinentrakt der Profis vorzudringen, seien durch das gute Zusammenspiel verhindert worden. Am Ende hatte die Polizei die Personalien von 96 Krawallmachern aufgenommen. Die Daten sollen nun an den HSV gehen. Der Verein wird voraussichtlich Stadionverbote verhängen.