Die Entlassung von Sportchef Jens Todt kam wenig überraschend – auch für ihn selbst. Schon wenige Tage nach seiner Wahl zum HSV-Präsidenten hatte Bernd Hoffmann den 48-Jährigen in seinem Büro aufgesucht und ihm mitgeteilt, dass spätestens im Sommer für ihn Schluss sei. Das berichtet das „Hamburger Abendblatt“. Am 8. März, also noch vor Frühlingsanfang, wurde der Schritt vollzogen. Todt bekräftigte aber seine Aussage, die er bereits in der MOPO getätigt hatte, dass er weiter mit dem HSV mitfiebere. „Ich wünsche Christian Titz, dass er das Wunder noch schafft.“ Dessen Debüt habe er mit der ganzen Familie angeschaut. „Wir haben das Spiel im Fernsehen gesehen und mit der Mannschaft gezittert. Und in der ersten Halbzeit sah es ja auch wirklich gut gegen Hertha aus.“

Torwart-Legende Uli Stein begrüßt es, dass Bernd Hoffmann wieder der neue, starke Mann beim HSV ist. Er habe dazugelernt, erklärte Stein in der TV-Sendung „Sky 90″. „Ich habe mir zwei Dinge angeguckt von ihm. Einmal eine Rede von 2005, als er bei der Jahreshauptversammlung gesprochen hat. Er war unheimlich euphorisch, hat gesagt, in den nächsten fünf Jahren sind wir unter den Top 20 in der Welt oder in Europa, und in zehn Jahren sind wir unter den Top Ten. Der HSV muss mit Real Madrid und dem FC Barcelona in einer Liga spielen. Und jetzt habe ich  seine Bewerbungsrede bei der Jahreshauptversammlung in diesem Jahr gesehen, als er zum Präsidenten gewählt wurde. Da hörte sich das ganz anders an. Da hat man gemerkt, er hat in den letzten Jahren viel dazugelernt. Ich fand die Rede wunderbar.“ Gefallen habe ihm, dass Hoffmann angeführt habe, dass man eine Trendwende durch ein völliges Umdenken herbeiführen müsse. „Die Rede hat mir Hoffnung gegeben, dass Hoffmann der richtige Mann am richtigen Platz ist. Ganz wichtig ist jetzt, dass er eine vernünftige Mannschaft um sich herum aufbaut, dass da kompetente Fachleute hinkommen, die Ahnung vom Fußball haben und unterstützend mithelfen, dass man im Bereich des Sportlichen mal wieder vernünftig arbeitet.“ Stein gab zu bedenken, dass ein Wiederaufstieg „kein Selbstläufer ist. Aus der 2. Liga wieder rauszukommen, ist nicht so einfach, wie die sich das vielleicht heute vorstellen. Das ist ein ganz, ganz schweres Unterfangen. Die 2. Liga ist total ausgeglichen. Mit schönem Spiel kommst du aus der 2. Liga nicht raus, da muss man beißen, kratzen, kämpfen. Ich weiß nicht, ob der HSV in der jetzigen Situation so weit ist. Man muss vollkommen umdenken, vollkommen umplanen“.

 

 

Die Krawalle nach dem 1:2 gegen Hertha BSC beschäftigen den HSV-Präsidenten Bernd Hoffmann. Im „Sportclub“ des NDR-Fernsehens gab er zu verstehen, dass solche Szenen auch die Profis einschüchtern können. „Gar keine Frage, das ist so“, sagte er. „Das ist eine Bedrohungslage, die jeder Spieler, jeder Junge unterschiedlich wahrnimmt. Natürlich ist es unser allererstes Thema, dass wir die Gesundheit der Spieler und aller anderen Zuschauer schützen müssen. Da sind Familien mit Kindern im Stadion.“ Der Auftrag für die kommenden Tage und Wochen sei daher klar umrissen. „Wir müssen gemeinsam mit den Sicherheitsbehörden sicherstellen, dass die Spieler, vor allem aber auch die Zuschauer weiterhin mit Freude und mit der Erwartung an ein gutes Spiel ins Stadion gehen können.“

HSV-Präsident Bernd Hoffmann (55) rückt immer stärker ins Zentrum der Macht. Der Aufsichtsratsvorsitzende hat inzwischen auch ein Büro auf der HSV-Geschäftsstelle. Das gab es zuletzt unter Horst Becker, der 2013 aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden war. Hoffmann ist damit nun ganz nah an allen Entscheidungen dran. Das Büro soll nach Informationen der „Bild“ allerdings nicht von Hoffmann, sondern von dessen Fünf-Wochen-Vorgänger Michael Krall eingerichtet worden sein. Dem neuen Aufsichtsrats-Boss Hoffmann steht nun auch eine Assistentin zur Verfügung. Er werde das Büro aber nicht täglich und auch nicht in Vollzeit nutzen, heißt es.

Bernd Hoffmann ist der starke Mann beim HSV. Am Donnerstag bekam der Verein das zu spüren, als der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt ihre Sachen packen mussten. Hoffmann hatte vor knapp drei Wochen den personellen Umbruch in der Führung der Fußball-AG bei seiner Wahl zum Präsidenten des Gesamtvereins angedeutet. „Der Erfolg eines Bundesligisten hängt von sieben bis acht Personalien ab“, sagte er. Dass er einen Teil davon schon 18 Tage später umsetzen würde, damit hatte kaum jemand gerechnet. Ebenso überraschend war, dass er nur 14 Tage nach seiner Einführung in den Aufsichtsrat vom Stellvertreter zum Chef aufstieg.
Der 55-jährige Hoffmann, Vater von zwei Zwillings-Pärchen, ist ein Mann, der gern am Ruder steht. Das hatte er schon in seiner ersten Amtszeit von 2003 bis 2011 beim HSV bewiesen. Der Vereinsvorsitzende schaffte es damals, den Bundesliga-Dino HSV in bessere sportliche Regionen zu führen. Der Verein bestritt in der Zeit 78 Europacupspiele. Seine erfolgreichste Zeit hatte Hoffmann mit Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer. Beide waren grundverschieden, ergänzten sich aber. Zu einem Titel, ob national oder international, hatte es jedoch nie gereicht. Jetzt ist die sportliche und finanzielle Situation dramatisch. Da wird der gebürtige Leverkusener Hoffmann von vielen Fans und Mitgliedern als Retter angesehen. Andere, vor allem die älteren der 77 000 Vereinsmitglieder, sind skeptisch. Ihnen schwant bei der Entwicklung der anderen Sportarten im Klub, für die der e.V.-Präsident zuallererst zuständig ist, nichts Gutes.

Der Kampf um die Anfechtung der Wahl von Präsident Bernd Hoffmann geht in die nächste Runde. Ex-HSV-Seniorenrat Peter Gottschalk hatte beanstandet, Hoffmann und sein Team seinen nicht öffentlich gefragt worden, ob sie das Amt auch antreten wollen. Der Ehrenrat aber widersprach Gottschalk. Hoffmann sei sehr wohl, aber eben nicht für alle hörbar am Mikrofon befragt worden. Gottschalk sieht darin weiterhin einen Formfehler, wendet sich nun an das Registergericht.

Die Wahl zum Präsidenten des HSV feierte Bernd Hoffmann gestern in engem Kreis bei einem Italiener in Eppendorf, heute stürzt er sich in die Arbeit. Ganz oben auf der Agenda steht ein Telefongespräch mit Michael Krall, seit knapp zwei Wochen Chef des Aufsichtsrats der Fußball AG. Fraglich, ob er auch im Amt bleibt, denn Hoffmann selbst strebt den Posten an der Spitze des Gremiums an.

Am Sonntag will das aktuelle Präsidium des HSV von den Mitgliedern bestätigt werden. Auf der Vereins-Homepage ziehen Jens Meier, sein Stellvertreter Ralph Hartmann und Schatzmeister Henning Kinkhorst eine Bilanz ihres bisherigen Schaffens. Vor der Wahl gegen das Team um Ex-Vorstandsboss Bernd Hoffmann stellt Meier klar: „Natürlich ist es absolut positiv, wenn die Mitglieder eine tatsächliche Wahl mit mehreren Kandidaten haben. So haben sie die Möglichkeit, wirklich zwischen Inhalten und Konzepten zu entscheiden.“ Wichtig sei, „sich kritisch zu hinterfragen, was das Beste für den Verein“ sei.