Seit nun zehn Spielen wartet der HSV auf einen Sieg. Der Abstand zum Relegationsplatz ist auf sechs Zähler angewachsen. Unter den Fans brodelt es, die Stimmung im Volkspark ist angespannt. Am Sonnabend (18.30 Uhr) reist der Liga-Dino zum wichtigen Nordderby nach Bremen. Ein Sieg ist Pflicht, um den Abstand auf Rang 16 nicht noch größer werden zu lassen. Auf der Pressekonferenz vor dem Kracher gegen Werder spricht Coach Bernd Hollerbach über…

Konsequenzen einer möglichen Niederlage: Nein, wir wären nicht weg. Danach gibt es noch zehn Spiele, Chancen gibt es genug. Es ist noch lange nicht vorbei und immer ans sich glaube. Die Messe ist noch lange nicht gelesen.

Bremens Coach Florian Kohfeldt: Ich kenne ihn nicht, aber ich kenne Frank Baumann gut. Ich denke, dass die Bremer immer Geschlossenheit ausgezeichnet hat, sie stehen in schwierigen Situationen zusammen. Auffällig, wenn es spitz auf Knopf ist, wachsen sie zusammen.

Ex-Bremer Aaron Hunt: Aaron Hunt ist besonders motiviert gegen seinen Ex-Klub. Er ist einer der erfahrenen Spieler bei uns, der mit solchen Situationen sehr gut umgehen kann. Er hat sich ein paar junge Spieler geschnappt und mit ihnen über die Lage gesprochen.

das brisanteste Derby aller Zeiten: Derbys waren immer brisant. Ich glaube, dass sich die Jungs schon bewusst sind, dass es ein wichtiges Spiel ist – auch für unsere tollen Fans. Sie haben uns bisher sensationell unterstützt und werden es auch weiterhin tun. Derby ist ein Spiel, dass man nicht gerne verlieren möchte.

persönlichen Druck: Als Spieler war es einfacher, da konnte ich direkt eingreifen. Jetzt bleibt mir nur die Halbzeit. Ich freue mich riesig auf das Derby, deshalb liebe ich den Fußball. Ich bin früher positiv rangegangen, je mehr gepfiffen wurde, umso motivierter war ich.

das Vertrauen zu Walace: Ich hatte einmal Kontakt mit ihm, Frau und Kind geht es sehr gut. Die Situation hatte ihn zu Beginn meiner Zeit belastet. Walace hat sich hier eingesetzt, ich reagiere immer daran, wie sich die Spieler einsetzen. Er ist ein einwandfreier Junge, ich habe ihm Vertrauen gegeben und er hat es zurückbezahlt.

den Druck in Bremen: Ich hoffe die Mannschaft kann den Druck positiv auf den Platz umwandeln. Das Vorgeplänkel ist nicht entscheidend, sondern die Leistung auf dem Platz. Ich habe das Gefühl, dass alle breit sind, am Samstag ein heißes Match zu spielen.

den Druck aufs Team: Ich erwarte, dass wir so auftreten wie gegen Leipzig und Dortmund. Ich kann der Mannschaft bislang keinen Vorwurf machen. Wir müssen uns das Glück wieder erarbeiten. Unsere Einstellung wird sein, dass wir alles raushauen. Ich bin mir sicher, dass die Spieler im Derby brennen werden.

die Personalsituation: Albin Ekdal geht es viel besser, hatte heute morgen Reha. Morgen müssen wir noch abwarten, ich rechne aber erst gegen Mainz mit ihm. Nicolai Müller macht weiter Fortschritte, Bjarne Thoelke war krank, ist aber wieder zurück. Lewis Holtby kommt heute auch in den Volkspark, aber wir müssen uns die Wunde genau ansehen. Da kann ich erst nach dem Training etwas zu sagen.

Samba-Kicker Walace: Ich vertraue Walace, dass er rechtzeitig wieder zurückkommt. Erwarte ihn Freitagabend in Bremen und werde ihn mir dann genau ansehen. Ich werde diesmal 19 Spieler mitnehmen. Aber wenn er gut drauf ist, wird er auch spielen.

das Derby: Ich erwarte ein emotionales Spiel, kenne es aus meiner aktiven Zeit. Es ist ein wichtiges Spiel, in dem die Tabellensituation nicht im Vordergrund steht. Im Derby stecken viele Emotionen. Ein Psychospiel ist es aber nicht.

Beim HSV brennt mal wieder der Baum! Nach dem verdienten Punkt beim 1:1 in Leipzig, wollte Neu-Coach Bernd Hollerbach die Woche nutzen, um das Team auf das wichtige Heimspiel gegen Nordrivale Hannover 96 am Sonntag (18 Uhr/ im MOPO-Liveticker) vorzubereiten. Doch ein Putschversuch gegen Boss Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt sorgt für neuen Wirbel im Volkspark. Das sagt Trainer Bernd Hollerbach vor seiner Heimpremiere über…

die ersten zwölf Tage im Amt: Ich bin sehr positiv, auch was das Spiel in Leipzig anbelangt. Es war kein einfacher Auftakt. Nach dem 1:1 hat die Mannschaft ihr wahres Gesicht gezeigt. Ich hoffe, dass wir daran anknüpfen können. Neuzugänge in der Winterpause sind ein schwieriges Thema. Wir waren im ständigen Austausch, aber wir haben uns dann entschieden, mit dem jetzigen Kader den Klassenerhalt schaffen zu wollen.

Störfeuer aus dem Aufsichtsrat: Das ist jetzt im Moment ein Thema, für das ich meine Energie nicht verbrauchen möchte. Die Energie gilt allein dem sportlichen Bereich. Der Fokus liegt auf Hannover. Wir wollen ein gutes Spiel machen und die Punkte bei uns behalten.

Zuschauerschwund: Es ist klar, dass wir uns alle eine große Unterstützung wünschen. Ich bin mir sicher, dass am Sonntag das Stadion voll sein wird und bin mir sicher, dass das Stadion brennt.

die neue Unruhe im Verein: In der Bundesliga wird es ab und zu mal unruhig – gerade, wenn es sportlich nicht läuft. Ich habe mich immer darauf fokussiert, mich auf meinen Job zu konzentrieren. Ich spreche mit der Mannschaft über dieses Thema. Wir wollen so schnell wie möglich da unten rauskommen. Alles andere interessiert uns nicht. Wir wollen drei Punkte in Hamburg behalten.

Vertragssituation in Würzburg: Die Verantwortlichen waren immer im Austausch. Ich war mir sicher, dass es keine Probleme gibt. Das Thema ist abgehakt und liegt in der Vergangenheit.

den kommenden Gegner Hannover: Sie sind sehr gut organisiert, haben als Aufsteiger 27 Punkte geholt. 15 Tore aus Standards, da müssen wir auf der Hut sein. Wir müssen mutig nach vorne spielen, aber dürfen uns nicht auskontern lassen. Es ist eine schwere Aufgabe, die wir aber lösen können

Fiete Arp: Fiete war krank, dann ging es ihm besser. Nach Leipzig gab es einen Rückschlag, deshalb habe ich mich entschlossen, ihn komplett rauszunehmen. Er soll nichts verschleppen, zwei Tage Pause haben ihm gut getan.

die neue Teamchefin Wallenborn: Eine Frau im Staff ist neu, da haben alle geschaut. Aber ich denke, sie haben sich gefreut und es positiv aufgenommen. Ich bin mir sicher, dass die Maria uns verstärkt. Ich weiß, dass sie im zwischenmenschlichen Bereich sehr gute Arbeit gemacht hat.

das Personal: Gideon Jung hat einen Hexenschuss, Albin Ekdal hat im Training einen guten Eindruck gemacht. Er ist auf jeden Fall eine Alternative. Walace trainiert sehr gut, er redet nur noch über den HSV, wird täglich besser. Alles positiv bei ihm.

die Spielweise im Volkspark: Der Rhythmus ist wichtig, wir müssen variabel spielen können. Eine gesunde Mischung aus Offensive und Defensive wird entscheiden sein. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht ins offene Messer laufen. Geduld wird auch ein Faktor sein. Zuhause spielt man aber natürlich immer offensiver.

Kontakt zu Breitenreiter: Wir sind immer sehr gut miteinander ausgekommen. Andre macht einen tollen Job, nach dem Spiel haben wir dann Zeit, uns auszutauschen, vorher aber nicht. Die Freundschaft muss in den 90 Minuten ein wenig ruhen.

Lewis Holtby: Ich habe in Leipzig gesagt, ich mir etwas über Standards erhofft habe. Deshalb war Salihovic ein Trumpf für mich. Holtby hat sehr gut trainiert, ist ein vorbildlicher Profi, gibt immer Gas, nur leider kann ich immer nur 16 Feldspieler mitnehmen. Aber er ist sicherlich eine Option.

Trainer Markus Gisdol hat es nach zwei Tagen krankheitsbedingtem Ausfall geschafft, er ist im Volkspark und sprach bei der Pressekonferenz vor dem Heimspiel am Sonntag gegen Hoffenheim über…

… seinem Zustand: „Man denkt immer, man ist aus Stahl. Und dann sagen so ein paar kleine Viren im Körper: Es geht nicht. Aber für solche Fälle hat man ja auch einen guten Trainerstab. Und jetzt bin ich ja wieder da.“

… die kranken Spieler: „Bei André Hahn wird es wohl nicht reichen. Bei Aaron Hunt haben wir die Hoffnung, dass er heute das Training wieder aufnehmen kann.“

… das 2:1 in der Vorsaison: „Wir haben gute Erinnerungen daran. Aber es ist viel Zeit vergangen seitdem.“

… die Aufstellung: „In der Offensive haben wir mehrere Optionen, da ist noch keine Entscheidung gefallen.“

… Heimspiele: „Wir wollen unsere immense Heimstärke entfalten. Wir sind zu Hause eine Macht, wenn wir alles reinwerfen. Da ist es schwer, gegen uns zu bestehen.“

… Hoffenheim: „Die Mannschaft hat gutes Potenzial, aber monentan etwas Schwierigkeiten. Sie sind schwer auszurechnen. Gerade nach dem Spiel gestern. Ich habe es mir angeschaut. Ich weiß nicht, wie sich ihr Europapokal-Aus auswirken wird.“

… eine Zwischenbilanz: „Darüber können wir in der Winterpause sprechen. “

… Julian Pollersbeck und Lewis Holtby: „Es kann durchaus sein, dass sie wieder im Kader sein werden, vielleicht aber auch nicht. Das werden wir noch sehen.“

… Albin Ekdal: „Er steht Sonntag nicht zur Verfügung.“

… Fiete Arp, der wegen der Schule zwei Trainingstage verpasst hat: „Das spielt in meinen Überlegungen keine Rolle, weil wir wissen, damit umzugehen. Er hat einmal bei der U19, einmal mit dem Athletiktrainer trainiert. Wir können es nicht anders machen. Auf Schalke hat er das gut gemacht.“

Die Diskussionen um die Neubesetzung des Aufsichtsrates hat auch Markus Gisdol verfolgt. „Als Trainer muss man schon schauen, was im Verein los ist, aber es bewegt mich nicht sehr“, sagte er auf der Pressekonferenz. „Ich hoffe, dass wir gute Lösungen hinbekommen. Aber diese Diskussionen haben keinerlei Auswirkungen auf das Team. Ich befasse mich damit, aber es belastet uns überhaupt nicht.“

Markus Gisdol kann am Sonntag gegen Schalke fast auf seinen gesamten Kader zurückgreifen. „Es war relativ schnell absehbar, dass Albin Ekdal verletzt ist. Er ist aber der einzige Angeschlagene, alle anderen sind wiederhergestellt und fit fürs Wochenende“, sagte der HSV-Trainer auf der Pressekonferenz. „Am Dienstag waren alle zurück, wir konnten noch mal in Ruhe über das Stuttgart-Spiel sprechen und die wichtigsten Szenen anschauen.“