In seiner Hamburger Zeit stand René Adler unter Dauerdruck, nun kämpft er auch mit Mainz 05 gegen den Abstieg. Vor dem Keller-Thriller heute (20.30 Uhr) gegen den SC Freiburg sprach der 33-jährige Torwart bei Eurosport über psychologische Hilfe. „Ich habe meinen allergrößten Respekt vor Per Mertesackers Aussagen. Als Kapitän vom FC Arsenal so an die Öffentlichkeit zu gehen, ist für mich einfach ein absolutes Zeichen von Stärke. Zu sagen: ‘Hey Jungs, auch euer Kapitän, auch einer der Leuchttürme im deutschen Fußball, Weltmeister 2014, hat Baustellen und hat seinen Weg gefunden, damit umzugehen‘. Ich finde es witzig, dass das immer noch ein Tabu-Thema ist. Der moderne Sport und vor allem der Fußball wird zu 80 Prozent im Kopf entschieden. Abstiegskampf, Entscheidungsspiele, die werden im Kopf entschieden. Da reden wir nicht über den Fitness-Zustand. Das abzurufen, was in einem steckt, zu dem Zeitpunkt, an dem es abgerufen werden muss, das ist doch das eigentliche Thema. Der eine geht drei Stunden mit dem Hund spazieren, der andere geht fünfmal in der Woche ins Solarium, der nächste geht jeden Tag zum Psychologen. Es soll jeder machen wie er will, am Wochenende muss er seine Leistung auf den Platz kriegen. Ich finde es absolut notwendig – wenn es die Spieler nicht persönlich machen – dass der Verein sagt, für die Spieler, die Bedarf haben, ist ein Mentaltrainer im Team. Das ist für mich genauso wichtig wie ein Fitnesstrainer.“ Er selbst habe sich demzufolge früh darum gekümmert: „Ich arbeite schon meine ganze Karriere mit einem Coach zusammen, mit dem ich mich immer wieder austausche. Nicht nur im Fußball. Ich habe auch die eine oder andere Firma. Da geht es auch darum, wie ich die Firmen führe, welche strategischen Schachzüge ich mache. Was habe ich für eine Außendarstellung, wie artikuliere ich mich. Mit welchem Selbstverständnis trete ich auf. Das sind Sachen, die mir in meiner Karriere sehr wichtig waren. In Zeiten, in denen es nicht so gut läuft, aber auch vor allem in Zeiten, in denen es gut läuft. Das habe ich gelernt. Wenn es gut läuft, werden die größten Fehler gemacht. Da ist es wichtig, dass du von außen jemanden hast, der sagt: ‚Stopp Junge, du bist gerade auf dem Holzweg‘.“

Dem früheren HSV-Profi Hakan Calhanoglu, der seit Anfang Februar eine viermonatige FIFA-Sperre wegen Vertragsbruchs zu seiner Anfangszeit beim Karlsruher SC absitzt, fällt es schwer, die Strafe zu verarbeiten. „Das hat einfach nur richtig wehgetan. Ich konnte das Urteil im ersten Moment auch nicht akzeptieren, ich war damals minderjährig“, sagte der 23-jährige Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen zu „Sport Bild“ und verriet: „Ich habe später viel mit unserem Psychologen darüber gesprochen und seine Hilfe in Anspruch genommen.“

0:8 in München, das war ein gewaltiges Brett. Doch trotz der Nachwehen der Pleite bei Bayern tritt HSV-Psychologe Christian Spreckels in dieser Woche nicht besonders in Erscheinung. „Er begleitet uns immer“, so Trainer Markus Gisdol, „aber er ist in einer defensiven Rolle.“ Heißt: Spreckels tritt eigentlich nur in Erscheinung, wenn die Profis nach ihm verlangen.