Nach dem Pyro-Irrsinn von HSV-Ultras im letzten Saisonspiel gegen Gladbach fordert DFB-Vizepräsident Rainer Koch eine lückenlose Aufklärung und mehr Zivilcourage der Fans im Stadion. „Solche Vorfälle wie in Hamburg dürfen nicht toleriert werden. Wir machen sonst den Fußball kaputt“, sagte Koch der „Sport Bild“ und betonte: „Wegschauen, Mund abputzen, nur reden oder pfeifen, das hilft nicht weiter. Die Täter müssen identifiziert werden, die Täter müssen aus den Stadien entfernt werden, die Täter müssen sanktioniert werden.“

Der HSV hatte auf ein Wunder gehofft, wollte sich aber zumindest erhobenen Hauptes aus der Bundesliga verabschieden. Die Rettung blieb aus, und leider verhielten sich auch einige Ultras unwürdig, sorgten mit einer Pyro-Aktion für eine 15-minütige Spielunterbrechung gegen Gladbach (2:1). Trotz der gefährlichen Aktion wird es vom DFB-Sportgericht für den HSV „nur“ eine Geldstrafe geben, weder ein Geisterspiel noch eine Blocksperre muss der künftige Zweitligist befürchten. Warum? Im vergangenen Sommer hatte DFB-Präsident Reinhard Grindel im Zuge des Dialogs mit Ultra-Gruppierungen dem Kontrollausschuss empfohlen, auf derartige Kollektivstrafen zu verzichten, da davon auch unschuldige Fans betroffen sind.

Marcel Reif hat klare Worte für die Feuer-Schande am Sonnabend im Rahmen des HSV-Spiels gegen Gladbach (2:1) im Volkspark gefunden. „Es waren schlimme Bilder, die wir da in Hamburg gesehen haben. Was du im Stadion inzwischen alles veranstalten kannst, das ist ja Wahnsinn“, stellte der TV-Experte in seiner Sport1-Kolumne fest. „Es kann nicht sein, dass ein Stadion zu einem rechtsfreien Raum wird. Die Fanblöcke werden inzwischen infiltriert von Leuten, denen der Fußball vollkommen egal ist. Die stehen da nur, um sich selbst zu projizieren und politische Süppchen zu kochen“, so Reif, der in diesem Fall die Brandstifter unter den Hamburger Ultras attackierte: „Der HSV muss jetzt deutlich machen, was die unendliche Mehrheit in diesem Stadion von ein paar Chaoten hält. Der Verein muss seine echten, wahren Fans so stärken, dass sie sich von dem Pack befreien. Es geht um innere Hygiene.“

Am Morgen nach dem erstmaligen Abstieg des HSV hat sich Bernd Hoffmann in der Sendung „Wontorra“ bei Sky zu Wort gemeldet und ein vernichtendes Urteil über die Ultras gesprochen, die gestern mit ihrer Pyro-Aktion für eine 15-minütige Unterbrechung des Spiels gegen Gladbach (2:1) gesorgt hatten. „Leider sieht es so aus, dass man dem hoffnungslos ausgeliefert ist. Ich will mich aber nicht damit abfinden, dass eine kleine Gruppe in unserem Fanblock hochexplosives Material durch die Gegend schmeißt. Damit werden wir uns auseinandersetzen“, sagte der Präsident und Aufsichtsrats-Chef, der sich über die Reaktion der HSV-Fans freute: „Fakt ist, dass diese Chaoten erstmalig drastisch isoliert wurden von allen anderen Anhängern. Das freut uns sehr, aber was da passiert ist, das war eklatant, da können wir nicht zur Tagesordnung übergehen. Die Aufbruchstimmung trotz des Abstiegs ist überlagert worden von diesen bekloppten Idioten. Jetzt müssen wir wieder eine Strafe zahlen – und das Geld könnten wir wahrlich an anderere Stelle deutlich sinnvoller einsetzen.“

Es war absehbar, dass die Ultras auf der Nordtribüne eine Aktion vorbereiten, nachdem sie ein großes schwarzes Tuch ausrollten und sich darunter versammelten. Hätte die beschämende Pyro-Aktion kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit gegen Gladbach (2:1) verhindert werden können? Warum stürmte die Polizei nicht den Block, bevor die Brandstifter loslegten? Hamburgs Sport- und Innensenator Andy Grote erklärt: „In solchen Situation muss genau abgewägt werden, wie vorzugehen ist. In diesem Fall hätte bei einem Eingriff ein unübersichtliches Handgemenge auf der Tribüne gedroht.“ Immerhin sorgten Sicherheitsdienst und Polizei dafür, dass es keinen Platzsturm gab.