Da wird die nächste Strafe fällig. Kurz vorm Anpfiff der zweiten Hälfte des Spiels in Sinsheim zündelte es gewaltig im HSV-Gästeblock, der DFB wird das mit einer fünfstelligen Strafe quittieren. Denn der HSV beziehungsweise seine Fans sind Wiederholungstäter. Zuletzt hatte der Verein wegen Verfehlungen seiner Anhänger in Bremen satte 80.000 Euro zahlen müssen. Die nächste Rechnung folgt ganz bestimmt.

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Der HSV muss wegen der Ausschreitungen seiner Fans während des Nordderbys bei Werder Bremen eine empfindliche Geldstrafe zahlen. Das DFB-Sportgericht verdonnerte den Klub zu einer Buße in Höhe von 80.000 Euro. Der HSV hat dem Urteil bereits zugestimmt, es ist damit rechtskräftig. Am 24. Februar hatten Teile der HSV-Anhänger beim Derby in Bremen (0:1) große Mengen an Pyrotechnik abgebrannt und diese teilweise auch auf das Spielfeld geworfen und geschossen. Deshalb musste die Begegnung in der 3. und in der 45. Minute kurzzeitig unterbrochen werden und verzögerte sich auch in der 86. Minute noch mal, als eine Leuchtkugel auf dem Rasen landete. Ein Zuschauer erlitt aufgrund der Vorfälle ein Knalltrauma. Außerdem warfen Hamburger Zuschauer nach dem Siegtreffer für Werder in der 86. Minute zahlreiche Getränkebecher und Fahnenstöcke aus dem Oberrang in den Unterrang, in dem Werder-Fans saßen.

Das DFB-Sportgericht hat den HSV im Einzelrichterverfahren nach Anklageerhebung durch den DFB-Kontrollausschuss wegen dreier Fälle eines unsportlichen Verhaltens seiner Anhänger mit einer Strafe in Höhe von 30.000 Euro belegt. In der Begründung heißt es: „In der ersten Halbzeit des Bundesligaspiels bei Hannover 96 am 15. September 2017, kurz vor Anpfiff des Bundesligaspiels bei Schalke 04 am 19. November 2017 und zu Beginn des Bundesligaspiels gegen Eintracht Frankfurt am 12. Dezember 2017 wurde jeweils vermehrt Pyrotechnik im Hamburger Zuschauerblock abgebrannt. Die Spiele in Hannover und gegen Frankfurt mussten aufgrund der Rauchentwicklung kurzzeitig unterbrochen werden.“ Der Verein hat dem Urteil zugestimmt, es ist damit rechtskräftig.

Zivilfahnder der Bundespolizei haben vermutlich einen erneuten Pyro-Eklat im Volksparkstadion verhindert. Die Beamten nahmen am vergangenen Sonnabend gegen 9.30 Uhr im Bahnhof Oldenburg laut „Abendblatt“ einen 23-jährigen HSV-Fan fest, der mit Pyrotechnik zündelte. Er war auf dem Weg zum Heimspiel gegen Wolfsburg, als er aus einer Gruppe von Anhängern heraus ein „Stroboskop-Feuerwerk“ auf den Bahnsteig warf. Kurz darauf wurde ein Nebeltopf gezündet. Bundespolizisten nahmen ihn in Gewahrsam, bei der Durchsuchung seines Rucksacks wurden eine Leuchtfackel, eine Rauchbombe und zwei Lichtfontänen gefunden. Die Bundespolizei in Oldenburg hat Ermittlungen wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz und gefährlicher Körperverletzung aufgenommen.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) zeigt sich offen dafür, Pyrotechnik in zuvor festgelegten Stadion-Bereichen zu erlauben. „Bengalos sind Brandsätze, 1000 Grad heiß, jede Kunstfaserjacke steht sofort in Flammen. Das ist gefährlich, das kann man nicht einfach mal so abfeuern. Nun sage ich: Okay, wenn einige Ultras-Gruppen ganz viel Wert darauf legen, Pyrotechnik zu zünden, kann man sich darüber unterhalten, dafür bestimmte Bereiche im Stadion zu schaffen – aber nur, wenn sich dann auch daran gehalten wird“, sagte Pistorius der „Sport Bild“, stellte aber zudem klar: „In dem Augenblick, in dem auch nur ein Bengalo anderswo gezündet wird, müsste man das sofort wieder einstellen. Das bedeutet, dass man zu klaren, belastbaren Absprachen mit den Ultras kommen können müsste. Ich wäre dazu bereit, aber dazu bedarf es beiderseitiger Zuverlässigkeit.“ 

HSV-Boss Heribert Bruchhagen hat sich in der Diskussion um die zunehmende Gewaltbereitschaft von Fußball-Anhängern gegen pauschale Lösungen wie ausschließlich hartes Durchgreifen ausgesprochen. „Die Umsetzung von Stadionverboten gestaltet sich schwierig, sie werden oftmals durch Anwälte aufgehoben. Es ist trotz Videoaufnahmen juristisch schwierig, Beweise zu finden. Ich glaube auch nicht an rigide Strafen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Als Verein allein könne man den Ausschreitungen in den Stadien sowie bei der An- und Abreise kaum Herr werden: „Dialog ist unverzichtbar, aber dass sie den Fußball lieben, muss ich zumindest in Zweifel ziehen. Wir können diese Probleme nur konzertiert mit der Deutschen Fußball Liga lösen.“ Die Ultras hätten mit ihren Gesängen sogar dazu beigetragen, die Bundesliga attraktiv zu machen. Man wolle und dürfe aber keine Pyrotechnik zulassen, die zum Symbol geworden sei, betonte der ehemalige DFL-Geschäftsführer