Die DFL hat die Relegationsspiele um den letzten freien Platz in der Bundesliga terminiert. Das Hinspiel zwischen dem Bundesliga-16. und dem Zweitliga-Dritten findet am 17. Mai (20.30 Uhr) beim Erstligisten statt, das Rückspiel steigt am 21. Mai (20.30 Uhr) im Stadion des Zweitligisten. Nach derzeitigem Tabellenstand könnte der HSV noch an der Relegation beteiligt sein. Die Partien werden live im Eurosport Player übertragen. Neben der Torlinientechnologie wird in allen Begegnungen auch der Video-Assistent zum Einsatz kommen, teilte die DFL mit.

Der drohende Abstieg des HSV bereitet auch unserem neuen Ersten Bürgermeister Kopfschmerzen. Peter Tschentscher sagte im Gespräch mit dem NDR-Fernsehen, das ab 19.30 Uhr im „Hamburg Journal“ ausgestrahlt wird: „Der HSV und Hamburg gehören einfach zusammen. Es gibt ja viele, viele Fans in der Stadt und überall in Deutschland. Man verbindet Hamburg mit dem Hamburger Sport-Verein – in ganz Deutschland und Europa. Deswegen wäre es schon eine große Tragödie, wenn das jetzt zu einem negativen Ergebnis in der Saison führt. Aber ich finde, der HSV bleibt unser Sport-Verein. Es wird weiterhin Fans geben, die dann umso stärker für den Aufstieg jubeln. Ich bin auch noch nicht ganz sicher, ob das alles so kommt wie wir jetzt befürchten. Der HSV ist wirklich von außerordentlicher Bedeutung für das Bewusstsein, für die Sportstadt Hamburg und für die Fußballbegeisterung, die wir in allen Stadtteilen haben.“ Der 52-jährige SPD-Politiker führte aus: „Es hat ja die letzten ein, zwei, drei Jahre ja immer mal diese schwierigen Situationen zum Saisonende gegeben – so wie dieses Mal war es bisher allerdings noch nicht. Ich habe jedes Mal mitgefiebert, war auch bei einem Relegationsspiel mal im Stadion. Das hat immer noch geklappt, deswegen haben wir uns fast schon an diese schwierige Lage gewöhnt. Ich drücke weiterhin die Daumen. Sollte es wirklich zum Abstieg kommen, fiebern wir alle umso mehr und freuen uns umso stärker, wenn es dann wieder nach oben geht – in die erste Liga, denn da gehören wir dem HSV und vielleicht auch mit dem FC St. Pauli hin.“

Ein bitterer Montagabend für den HSV! Mainz schlägt Freiburg mit 2:0 und klettert auf Platz 15. Damit haben die Hamburger vor den letzten vier Spielen acht Punkte Rückstand auf den Relegations-Platz. Der 16. Freiburg, der nächste Gegner, Mainz und Wolfsburg stehen bei 30 Punkten. Der HSV hat nur 22. Klar ist damit: Hamburg braucht mindestens noch zwei Siege und zwei Unentschieden – und muss vor allem darauf hoffen, dass Freiburg nun gar nichts mehr holt. Realistisch gesehen besteht also kaum noch Hoffnung für die HSV-Fans.

Am Montag kommt es zum Abschluss des 30. Spieltags zum Kellerduell zwischen Mainz und Freiburg. Erst danach steht fest, wie für den HSV die Ausgangslage für die letzten vier Spiele ist. HSV-Trainer Christian Titz meint: „Es wäre schön, wenn Mainz nicht gewinnen würde.“ Momentan steht der FSV mit fünf Zählern vor dem HSV auf dem Relegationsplatz.

Abstiegskampf kurios: Freiburg kommt nächste Woche als Gegner in den Volkspark. Am Montag muss der HSV dem SC aber noch kräftig die Daumen drücken. Denn gewinnt Mainz das letzte Spiel des 30. Spieltages, hätte Hamburg acht Punkte Rückstand auf Relegations-Platz 16. Mainz, Freiburg und Wolfsburg stünden dann bei 30 Zählern, der HSV hat nur 22. Acht Punkte bei nur noch vier Spielen wären wohl kaum mehr aufzuholen. Leistet Freiburg allerdings Schützenhilfe und siegt in Mainz, bleibt es bei „nur“ fünf Zählern Rückstand – und die Hoffnung wäre weiter komplett da. Anpfiff der Partie ist am Montag um 20.30 Uhr.

Als wäre dieses Wochenende aus HSV-Sicht nicht schon mies genug gelaufen: Nein, jetzt ist der (Noch-)Dino auch noch erstmals in dieser Saison Tabellenletzter! Denn das bisherige Schlusslicht Köln hat das Derby gegen Leverkusen 2:0 gewonnen und klettert mit nun 20 Punkten auf Rang 17. Die Hamburger (18 Zähler) haben weiterhin sieben Punkte Rückstand auf Mainz und Wolfsburg (je 25). Und es sind nur noch sieben Spieltage.

St. Pauli-Trainer Markus Kauczinski hat sich im Interview mit dem „Hamburger Abendblatt“ über das Relegations-Duell der Karlsruher gegen den HSV aus dem Jahr 2015 geäußert. Er war damals Trainer des KSC und erlebte, wie Marcelo Diaz mit seinem Freistoßtor in der Nachspielzeit den Traum vom Aufstieg in die Bundesliga zerstört hatte. „Das habe ich nie als Trauma empfunden“, sagt Kauczinski. „Es war ein Riesenerfolg, mit unseren Mitteln, überhaupt bis in die Relegation gekommen zu sein. Die Enttäuschung war natürlich da, aber ich hatte das Gefühl: Wo gibt es ein Spiel, an das sich die Leute auch zehn Jahre später noch erinnern? Wie viele Spiele geraten in Vergessenheit, aber bei diesem Spiel werden die Leute immer sagen: Weißt du noch, damals? Dieses Duell wird mich mein Leben lang begleiten. Gut, den Aufstieg hätte ich gerne mitgenommen, aber diese Partie gegen den HSV bleibt für die Ewigkeit.“

Er stand am 1. Juni 2015 im Karlsruher Tor, als sich der HSV durch das Freistoßtor von Marcelo Diaz in der Nachspielzeit in die Verlängerung des legendären Relegations-Duells rettete, das die Hamburger schließlich durch den Treffer von Nicolai Müller (115.) gewannen. Komplett verdaut hat Dirk Orlishausen das Erlebte offenbar immer noch nicht. Nach der Entlassung von Trainer Bernd Hollerbach twitterte der KSC-Torhüter: „Jetzt kann nur noch Schiri Gräfe helfen.“ Eine Anspielung auf die zumindest äußerst fragwürdige Freistoßentscheidung Manuel Gräfes, die den Ausgleich ermöglicht hatte.