HSV-Vorstand Frank Wettstein und St. Paulis Geschäftsführer Andreas Rettig haben sich auf der Bühne des Sportbranchen-Kongresses SpoBis in Düsseldorf ein Streitgespräch geliefert. „Sie sagen, Ihnen sei egal, woher das Geld kommt. Mir ist das nicht egal. Bei Ihnen weiß man, dass es von einem ehrenwerten Kaufmann kommt. Aber wir haben nicht einen Kühne, wir haben 25 000 Kühnes, nämlich unsere Fans“, sagte Rettig. Geld, das der HSV bekomme, müsse er erst einmal dazu verwenden, Verbindlichkeiten abzubauen, stichelte er. „Das funktioniert aber noch“, antwortete Wettstein, worauf Rettig antwortete: „Ja, noch!“ Auch die sportliche Situation des vom Abstieg bedrohten HSV nutzte der Geschäftsführer des Zweitligisten zu einem Seitenhieb: „Wir kommen gerne demnächst zu einem Spiel ins Volksparkstadion. Vielleicht wird es ja ein Pflichtspiel.“

Nachdem Nabil Bahoui beim HSV von Markus Gisdol vom Training mit den Profis ausgeschlossen worden war, hat ihn sein Berater Nochi Hamasor beim Stadtrivalen FC St. Pauli angeboten. Doch Kiezklub-Manager Andreas Rettig ließ ihn abblitzen, weil Hamasor den HSV-Coach nach der Ausbootung als „feigen Drecksack“ beschimpft hatte. „Ich kann bestätigen, dass es eine Kontaktaufnahme seitens des Beraters gegeben hat, bei der uns der Spieler angeboten worden ist“, sagte Rettig der „Bild“. Und weiter: „In diesem Zusammenhang haben wir uns – ungeachtet der sportlichen Qualitäten des Spielers – dazu entschieden, dass wir mit Agenten, die sich öffentlich über Entscheidungsträger von Klubs in solch einer Art und Weise negativ äußern, nicht zusammenarbeiten wollen. Wenn wir über die Verrohung der Sitten sprechen, sind es genau diese Dinge, die für die zunehmend negative Entwicklung stehen.“

In einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur konnte sich Andreas Rettig einen Seitenhieb gegen den Lokalrivalen nicht verkneifen. Auf die Frage, ob es der HSV in einer Medienstadt wie Hamburg schwerer habe, antwortete der Geschäftsführer des FC St. Pauli: „Das lasse ich nicht gelten. Es heißt immer, in Hamburg, München, Berlin oder Köln kann man keinen Erfolg haben, der Druck sei zu groß. Man kann das Problem immer auf das Management reduzieren. Egal, an welchem Standort.“ Und auch die Ausgliederung der Fußballprofis in eine Kapitalgesellschaft, wie vom HSV durchgeführt, bewertete Rettig kritisch: „Man sollte nicht denken, dann fließen Milch und Honig. Am Ende ist immer die Qualität des Managements entscheidend, nicht die Struktur. Natürlich ist eine Struktur mal besser oder schlechter. Aber eine Pflaume als Entscheidungsträger bleibt eine Pflaume. Egal, ob er im e.V. oder in einer Kapitalgesellschaft das Sagen hat.“

St. Paulis Geschäftsführer Andreas Rettig (Foto: Witters)

Im Volkspark wird gerade das Flüchtlings-Projekt „Hamburger Willkommensbündnisse mit HSV und FC St. Pauli“ vorgestellt. Gemeinsam will man sich künftig noch stärker für die Integration durch Fußball einsetzen. Andreas Rettig sitzt als St. Pauli-Vertreter auf dem Podium, vom HSV sollten eigentlich Dietmar Beiersdorfer und Jens Meier dabei sein. Beide haben jedoch den Start der Veranstaltung verpasst, weil sie noch auf einer Aufsichtsrats-Sitzung festsitzen. Von Rettig gibt es direkt einen Seitenhieb. Der Pauli-Boss: „Wir haben einen Tag vor einem Spiel keine Aufsichtsrats-Sitzung. Das zeigt, dass wir in einer anderen Situation sind.“