In den zurückliegenden sechs Spielen fehlte Bobby Wood fünfmal im 18-Mann-Kader des HSV. Nun hat Christian Titz den US-Stürmer begnadigt, im Abstiegs-Kracher gegen den SC Freiburg könnte der 25-Jährige wieder zum Einsatz kommen. Übrigens: Sein letztes Tor erzielte er am zweiten Spieltag am 25. August beim 1. FC Köln (3:1).

Die Lage im Abstiegskampf wird immer heißer, Trainer-Vulkan Christian Streich dagegen immer leiser. Bei der Pressekonferenz blickte der Freiburger Coach in sich ruhend auf die Niederlage am Montag in Mainz (0:2) und das bevorstehende Duell mit dem HSV am Sonnabend voraus: „Es sind Nuancen gewesen, daran arbeiten wir jetzt. Wir müssen ballsicherer werden. Es ist eine Grundvoraussetzung, dass dur dir gewisse Dinge zutraust“, stellte Streich fest und betonte: „Ich glaube, dass es das Beste ist, wenn wir unsere erfahrenen Spieler versuchen zu stärken. Wir wissen, dass wir in Hamburg meist gut ausgesehen haben. Dann gehst du natürlich mit einem positiven Gefühl in das Stadion. Egal, was passiert, wir müssen davon überzeugt sein, dass wir es gemeinsam hinbekommen.“

Die düstere HSV-Bilanz gegen Freiburg (acht Jahre ohne Heimsieg) – Aaron Hunt hat daran durchaus seinen Anteil. Der HSV-Regisseur hatte im letzten Heimspiel gegen die Breisgauer den Sieg auf dem Fuß, scheiterte in der 87. Minute aber mit einem Elfmeter an Freiburgs Torwart Alexander Schwolow. Vorangegangen war dem Fehlschuss ein kindischer Streit mit Michael Gregoritsch über die Ausführung des Strafstoßes. Nach dem Spiel sprach Hunt vom „schlechtesten Elfmeter, den ich in der Liga je geschossen habe“. Seither trat der 31-Jährige, der in seiner Karriere zwölf von 16 Schüssen vom Punkt verwandelt hat, übrigens nie wieder zum Elfmeter an. Sollte der HSV aber am Sonnabend einen Strafstoß zugesprochen bekommen, würde er die Chance zur Wiedergutmachung erhalten. Trainer Christian Titz hatte kürzlich zur Elfmeter-Hierarchie erklärt: „Unsere Nummer eins ist Aaron Hunt, unsere Nummer zwei ist Fiete Arp.“

Sie kommen nicht gerade mit breiter Brust nach Hamburg. Der SC Freiburg hat in den vergangenen zehn Spielen nur vier Tore geschossen, hat mit insgesamt 26 Treffern die zweitschwächste Ausbeute der Bundesliga – nur der HSV (23 Tore) steht noch schlechter da. Die Hälfte aller Freiburger Tore schoss in dieser Saison Nils Petersen. Der 29-Jährige spielt übrigens auch besonders gern gegen den HSV. In zehn Spielen gegen die Hamburger war er an sieben Toren beteiligt. Zu den vier Treffern, die er selbst erzielte, kommen drei Vorlagen hinzu. Gegen keinen anderen Bundesliga-Verein hat Petersen eine bessere Scorer-Statistik. Geradezu kurios aber ist folgender Fakt: Außer Petersen hat kein anderer Freiburger Spieler aus dem aktuellen Kader bisher ein Tor gegen den HSV erzielt. Aus Sicht der HSV-Fans darf das über den Sonnabend hinaus sicher gerne so bleiben.

Wenn der HSV am Sonnabend den SC Freiburg empfängt, treffen die beiden schwächsten Rückrunden-Teams der Bundesliga aufeinander. Ein paar Zahlen gefällig? Die Rothosen gewannen mit dem 3:2 gegen Schalke nur eines der letzten acht Heimspiele, in denen sie insgesamt sechs Zähler holten. Dieser Dreier war auch der einzige in den letzten 17 Partien der Hamburger, die mit sieben Punkten Schlusslicht der Rückrundentabelle sind. Auch ihre acht Tore und 23 Gegentreffer sind in diesem Jahr die schlechtesten Ligawerte. In den letzten 15 Runden spielte der HSV nur einmal zu Null: am 3. März beim 0:0 gegen Mainz. Die Freiburger verloren vor dem Duell der erfolglosesten Angriffsreihen ihre letzten vier Spiele und sind seit sieben Runden sieglos, in denen sie nur zwei Punkte holten. In den letzten neun Stunden erzielten sie nur ein einziges Tor: durch Nils Petersen, der fünf der letzten sechs Freiburger Tore schoss. Das Hinspiel der beiden Teams endete übrigens 0:0.

Acht Punkte hat im Abstiegskampf noch nie eine Mannschaft in vier Spielen aufgeholt. Trainer Christian Titz zeigt sich ob dieser Statistik aber keinesfalls beunruhigt, setzt hingegen alles auf einen Heimsieg am Samstag gegen Freiburg. „Ich weiß, dass Mannschaften auch an zwei Spieltagen schon fünf oder sechs Punkte aufgeholt haben“, sagte er zwischen den beiden Trainingseinheiten heute. „Ich bleibe dabei, wenn wir unser Heimspiel gewinnen, verkürzen wir den Rückstand auf fünf Punkte und dann gibt es noch drei Partien. Wir wissen, dass das ein entscheidendes Spiel wird gegen Freiburg. Auch die anderen Mannschaften müssen ihre Spiele erst mal gewinnen.“ Auch zur Mannschaft habe er am Morgen wegen der neuen Situation nach dem Mainzer 2:0-Sieg gegen Freiburg gesprochen. „Wir haben Szenarien aufgezeigt, was passieren kann und dass sich für uns gar nicht allzu viel verändert hat.  Wir sind bissig und wollen uns mit einem Heimsieg die drei anderen Mannschaften, die vor uns stehen und für die die Situation auch nicht einfach ist, zu uns heranholen.“ Ob er sich mit der Situation beschäftige, dass der HSV an diesem Wochenende schon absteigen könne? „Nein“, antwortete Titz, „weil ich Vertrauen in meine Mannschaft habe.“

Er hatte sich das Spiel am Montagabend mit Zeitverzögerung angesehen. Gejubelt haben wird Christian Titz nicht über die Mainzer Tore beim 2:0-Sieg gegen Freiburg. Nach außen aber gibt sich der HSV-Trainer cool. „Auf das Spiel hatten wir keinen Einfluss. Für uns hat sich die Ausgangslage nicht so dramatisch verändert, auch wenn das gerne so gesehen wird. Wir können mit dem Heimspiel gegen Freiburg den Rückstand auf fünf Punkte verkürzen. Das ist eine Möglichkeit, dass wir die Freiburger mit reinholen“, sagte Titz, der mit den Breisgauern nach der äußerst kuriosen Elfmeter-Entscheidung in der Halbzeitpause mitfühlen konnte. „Dadurch hat sich das Spiel ein Stück weit verändert. Ich weiß auch, dass es dann nicht so leicht ist, den Schalter noch mal umzulegen.“

 

Der 2:0-Sieg der Mainzer gegen Freiburg war ein schwerer Schlag für den HSV. „Wir sind nicht blauäugig und wissen, dass sich die Ausgangslage vor den letzten vier Spielen nicht verbessert hat. Das ändert aber nichts daran, wie wir in die kommenden Spiele gehen werden. Uns helfen nur Siege, um uns noch eine Restchance zu erarbeiten“, kommentierte Frank Wettstein die brisante Situation. Sollte der HSV schon am kommenden Wochenende absteigen, wäre das „extrem traurig. Dennoch würde es sich auch um ein Szenario handeln, mit dem wir uns ja zwangsläufig schon länger intern beschäftigen müssen. Wir wären darauf vorbereitet, wollen es aber nicht heraufbeschwören. Wir haben eine Restchance, auch wenn uns die meisten schon abgeschrieben haben“.

Der SC Freiburg hat sein „Warm-up-Spiel“ vor dem Test gegen den HSV (ab 17 Uhr im HSV24-Ticker der MOPO) mit 2:0 gegen den 1. FC Kaiserslautern gewonnen. In Sotogrande trafen Marco Terrazzino (33.) und Neuzugang Lucas Höler (40.) für die Badener, die sich entschieden hatte, am Sonntag zweimal über 90 Minuten zu spielen. Das Spiel wurde mit 15-minütiger Verspätung angepfiffen, weil das Schiedsrichter-Gespann nicht erschienen war. Kurzfristig sprang der Freiburger Co-Trainer Lars Voßler als Referee ein, an der Linie assistierten ihm der SC-Trainerpraktikant Ersan Parlatan und FCK-Ersatztorwart Lennart Grill.