HSV-Ikone Uwe Seeler hat trotz des jüngsten Erfolgs über Schalke 04 (3:2) kaum noch Hoffnung auf den Klassenerhalt seines Herzensklubs. „Die drei Punkte sind natürlich schön für die Moral. Trotzdem glaube ich, ohne Pessimist zu sein, dass es zu spät ist“, sagte der 81-Jährige am Rande der Verleihung der Sepp-Herberger-Urkunden heute in Mannheim. Angesichts von fünf Punkten auf den Relegationsplatz denkt „Uns Uwe“ schon an die erste Zweitliga-Saison des HSV: „Wichtig wird sein, dass man in der Vorbereitung auf die Zweite Liga eine gute Mannschaft zusammenstellt. Denn die Zweite Liga ist auch sehr stark.“

Nach zehn Jahren an der Spitze des Clubs der Nationalspieler (CdN) hat sich Uwe Seeler vom Posten des Vorsitzenden zurückgezogen. Das HSV-Idol wird künftig Ehrenvorsitzender, seine Nachfolge als Vorsitzender übernimmt Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. Der Weltmeister-Kapitän von 1990 wurde im Rahmen des Jahrestreffens am Rande des Länderspiels zwischen Deutschland und Brasilien im Berliner Olympiastadion vorgestellt. DFB-Präsident Reinhard Grindel sagte: „Uwe Seeler hat das Amt so bekleidet, wie er auch als Spieler war: Ihm ging es nur um das Team – in diesem Fall die Gemeinschaft der ehemaligen Nationalspieler. Seeler war ein herausragender Repräsentant, dem wir als DFB nicht genug danken können.“ Auch Seeler äußerte sich: „Mein Dank gilt vor allem dem DFB, der den Weg zu dieser tollen Gemeinschaft der Ehemaligen geebnet hat. Ob bei den großen Jahrestreffen oder bei den regionalen Zusammenkünften – es ist einfach eine wunderbare Sache, sich im Rahmen eines Länderspiels zu treffen, miteinander zu plaudern und gemeinsam der aktuellen Mannschaft die Daumen zu drücken. Mir war es eine Ehre, den Club zu führen, mit 81 Jahren ist es jetzt aber an der Zeit, sich zurückzuziehen. Lothar ist jung und dynamisch, er tritt das Amt mit Begeisterung an. Bei ihm weiß ich unseren Club in guten Händen.“ Dieses Versprechen gab ihm Matthäus: „In den vergangenen zehn Jahren hat sich Uwe Seeler mit großem Engagement für den Club eingesetzt, er hat viel Energie und Zeit investiert. Dass ich ihm nun an der Spitze folge, freut mich sehr und macht mich stolz. Ich will die Arbeit von Uwe Seeler fortführen und mit eigenen Ideen und Initiativen neue Akzente und Ausrufezeichen setzen.“

Beim HSV wurde er in der Jugend ausgebildet, kam aber nie für die Profis zum Einsatz. In der Bundesliga spielte Levin Öztunali für Leverkusen, Bremen und aktuell in Mainz. Doch dort steht der Enkel von HSV-Legende Uwe Seeler vor dem Absprung, mehrere Klubs aus dem In- und Ausland sollen an einer Verpflichtung des 21-jährigen Rechtsaußen interessiert sein. Der HSV gehört allerdings nicht dazu.

Das Duell morgen mit Schlusslicht Köln ist wohl das Schicksalsspiel für Coach Markus Gisdol. Mit Heinrich Höper, Gründer von Delta Fleisch und enger Freund von Klub-Idol Uwe Seeler, geht nun ein HSV-Sponsor auf ihn los. „Wenn dieser Trainer gegen Hannover noch bei uns auf der Bank sitzt, werde ich aus dem HSV austreten und das Stadion nie wieder betreten. Ich habe nun 17 oder 18 Jahre eine Loge, ein wunderbares Hobby, aber irgendwann ist mal Schluss. Er hat keine Ahnung vom Fußball“, lederte Höper als Studiogast bei Hamburg1 gegen Gisdol.

Martin Wilke sorgt sich um das Ansehen des HSV. Der erste Bundesliga-Trainer des Vereins räumt ein, dass ihm der anhaltende Abstiegskampf ein Dorn im Auge ist. „Dass der Ruf international beschädigt ist, das ist schlimm“, sagte der 91-Jährige der „Sport Bild“. Das ewige Zittern um den Klassenverbleib nennt er „unsäglich“, die Angst vor dem Gegner gehöre heutzutage wohl dazu. Wenn ich mich heute damit begnügen muss, dass ich dem HSV wünsche, dass er nicht wieder auf einem Relegationsplatz landet, dann ist das für mich peinlich“, monierte der einstige HSV-Coach (1954-1956 und 1963-1964). Er hat aber auch Positives beim Ex-Klub erkannt. So erinnert ihn Fiete Arp an den jungen Uwe Seeler. „Ich habe ihm gesagt: Uwe, mit dem Fiete Arp kann es so laufen wie mit Dir damals“, erklärte Wilke dem ebenfalls in Norderstedt lebenden HSV-Idol Seeler. Und gab dem aktuellen HSV-Coach Markus Gisdol gleich noch einen wichtigen Tipp: „Wenn der Trainer aufpasst, kann ein junger Bursche wie Fiete Arp dem HSV einen echten Schub geben.“

Martin Wilke wurde 2017 in den „Walk of Fame“ des HSV aufgenommen. (Foto: Witters)

Uwe Seeler lässt sich das Weihnachtsfest nicht von den Abstiegssorgen um seinen HSV verderben. „Wir müssen da jetzt durch. Punkte gibt es leider nicht als Weihnachtsgeschenk“, sagte der 81-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Er freut sich auf das Fest im Familienkreis. „Heiligabend richten die Kinder aus, und am ersten Weihnachtstag geht’s mit der ganzen Familie zum Essen in ein schönes Hotel“, erzählte der Ehrenspielführer der Nationalmannschaft.  Der ehemalige Weltklasse-Stürmer ist zum Jahresende positiv gestimmt, weil seine Rückenprobleme sich leicht gebessert haben. „Die Gesundheit ist auf dem aufsteigenden Ast, ich kann schon wieder mit dem Hund rausgehen. Nur nicht so schnell. Unkraut vergeht nicht. Wir wollen guten Mutes sein“, sagte der Hamburger Ehrenbürger. Nach einem nicht selbst verschuldeten Autounfall vor sieben Jahren ist Seeler auf einem Ohr taub und kann wegen seiner Rückenprobleme nicht mehr Fahrrad fahren oder Golf spielen.