Sportchef Jens Todt ist angeschlagen. Zurzeit ist komplett offen, wie lange er noch beim HSV im Amt bleiben darf. Fest steht: Der neue HSV-Präsident Bernd Hoffmann wünscht sich für die Zukunft einen starken Sportvorstand in der Fußball AG. Das Problem: Eine Lösung gibt es noch nicht. Dabei drängt die Zeit schon jetzt. Unabhängig von der Liga müssen in den nächsten Wochen die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Im Kader gibt es zahlreiche Baustellen, aber bislang kaum Lösungen. Ein gefährliches Spiel, das nur durch eine starke und unumstrittene Führung im sportlichen Bereich beendet werden kann.

Johannes Spors wird ab dem 1. Februar 2018 neuer Chefscout des HSV. Das sagt der 35-Jährige, der bisher für RB Leipzig gearbeitet hatte: „Es ist eine reizvolle Aufgabe, das HSV-Scouting nachhaltig auszubauen und eine langfristige Kaderplanung zu implementieren. Davon haben mich nicht zuletzt intensive Gespräche mit Jens Todt überzeugt. Der HSV ist ein großer Klub. Ich freue mich darauf, ab Februar ein Teil davon zu sein und mit meinen neuen Kollegen anzupacken.“

15 Punkte nach 17 Spielen – die Bilanz der HSV-Hinrunde ist mehr als düster. Dennoch gab es für Sportchef Jens Todt auch einige positive Momente. „Der Sieg gegen Hoffenheim (3:0 Anm. d. Red.) hat uns sehr gut getan“, sagt der 47-Jährige: „Höhepunkte habe ich auch in der Entwicklung von Spielern wie Fiete Arp und Tatsuya Ito gesehen. Beide haben sich sehr schnell an das Bundesliganiveau angepasst.“

Als absoute Tiefschläge hat der Sportchef die unnötigen Niederlagen gegen Mainz (2:3), Hannover (0:2) und Frankfurt (1:2) wahrgenommen. Todt: „Diese Niederlagen haben uns sehr wehgetan, weil sie vor allem unnötig waren. Wenn wir nur in einem dieser Spiele gewonnen hätten, sähe alles sehr viel besser aus. Aber wenn und aber hilft eben nicht.“

 

Im Januar hatte der HSV Sportchef Jens Todt vom KSC verpflichtet. Zwar mussten die Rothosen keine Ablöse für den zum damaligen Zeitpunkt bereits beurlaubten Manager zahlen, dennoch einigte man sich auf ein Ablösespiel, dessen Einnahmen in die Kasse des KSC fließen sollten.

Nun berichten die „Badischen Neuesten Nachrichten“, dass stattdessen doch Geld nach Karlsruhe fließen soll. Beim HSV ist diese Forderung allerdings nicht eingegangen, wie der Verein auf MOPO-Nachfrage bestätigte. Bislang habe der KSC noch keine Terminvorschläge für das Ablösespiel eingereicht. Der HSV habe allerdings die Möglichkeit Terminvorschläge abzulehnen. Sollte keine Einigung erzielt werden können, müssten laut HSV-Angaben beide Vereine nach einer alternativen Lösung suchen. Diese könnte auch monetär ausfallen.

 

Der Countdown zum Nordderby läuft. Am Sonnabend treffen die zwei kriselnden Nordklubs HSV und Werder Bremen aufeinander. Warum es beim Liga-Dino aktuell mit vier Niederlagen und 0:10 Toren nicht läuft, hat Sportchef Jens Todt dem „Weser Kurier“ verraten: „Wir haben früh in der Saison fünf Ausfälle von Stammspielern gehabt. Das tut uns weh, weil wir keinen Kader haben, der das ohne Weiteres wegsteckt.“

Kritik an der Kaderplanung wies Todt dabei zurück: „Unser Ziel war es, den Kader zu reduzieren und die Kaderkosten runterzufahren. Das haben wir getan. Wir fahren da sicherlich einen harten Kurs. Aber ich glaube, dass niemand davon ausgehen konnte, dass uns nach den ersten Spieltagen fünf Stammspieler ausfallen.“

Vor dem wegweisenden Derby gegen Bremen glaubt der Sportchef zudem, dass in der Ruhe die Kraft liegt. „Jeder weiß, woher der HSV kommt. Wir kommen aus einer denkbar schwierigen Situation und haben es aus meiner Sicht im letzten Jahr sensationell geschafft, noch drinzubleiben. Jetzt sammeln wir uns und wollen uns stabilisieren. Andere Träume haben wir derzeit nicht. Da tut uns Bescheidenheit gut.“

Dennoch glaubt Todt daran, dass „der HSV schon diese Wucht entwickeln kann, die uns möglicherweise in die obere Hälfte bringt. Da haben wir sicherlich Möglichkeiten, die andere Standorte nicht haben. Aber dafür müssten uns erst mal zwei, drei stabile Jahre gelingen.“

Da die Position des Sportchefs beim FC St. Pauli nach wie vor nicht neu besetzt wurde, machen zahllose Gerüchte die Runde. Eines davon besagt, dass Peter Knäbel (50), vor gut einem Jahr nach einer eher unerfreulichen und erfolglosen Zeit beim HSV entlassen, interessierter Kandidat sei. St. Paulis Ex-Profi, der inzwischen als Berater für den FC Zürich in der Schweiz arbeitet, gab sich auf MOPO-Nachfrage allerdings glaubhaft bass erstaunt und verwies das Gerücht in das Reich der Fabeln.

Foto: Witters

Rückblick: Im August 2015 wurde Knäbel, dem „Direktor Profifußball“,  ein Rucksack mit vertraulichen Unterlagen wie HSV-Gehaltslisten und Scouting-Reports gestohlen. Diese wurden am 9. August im Jenischpark gefunden und an den HSV zurückgegeben. Knäbel stellte Strafanzeige gegen Unbekannt und hatte nach dem Vorfall weiterhin das Vertrauen der HSV Fußball AG. Am 9. Mai 2016 wurde sein Vertrag aufgelöst. Zwei Niederlagen lang hatte er als zudem als HSV-Interimstrainer fungiert. Für St. Pauli hat Knäbel zwischen 1988 und 1993 insgesamt 131 Spiele bestritten.

HSV-Sportchef Jens Todt sprach bei „Sky90“ über die momentane Situation. Der 49-Jährige: „Die Mannschaft lag nach zehn Spielen mit zwei Punkten total am Boden. Dann gab es ein großes Aufbäumen und die Mannschaft hat sich ran gekämpft. Sie musste immer bei 100 Prozent sein. Es ist denkbar, dass die Mannschaft gerade ein bisschen kopfmüde ist. Aber sie hat es einmal gedreht, sie kann es nochmal drehen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir es direkt schaffen.“ ..

HSV-Sportchef Jens Todt spricht über einen „rabenschwarzen Tag“. Er betont aber auch: „Der HSV hat schon in schwierigeren Situationen gesteckt. Ich verliere den Optimismus nicht.“ Todt weiter: „Es wird Kritik geben in dieser Woche – damit müssen wir leben. Wir haben jetzt aber zwei Heimspiele und werden die richtige Reaktion zeigen!“

Das nennt man dann wohl schlechten Stil. Ingo Wellenreuther, Präsident des Karlsruher SC, hat HSV-Sportchef Jens Todt in einem Interview mit den „Badischen Neuesten Nachrichten“ scharf angegriffen. Todt habe in seiner KSC-Zeit falsche Spieler verpflichtet und andere unter Wert ziehen lassen, sagte er. Auch den von Todt vorgeschlagenen Ex-Coach Tomas Oral zu verpflichten und mit einem Dreijahresvertrag auszustatten, sei falsch gewesen. „Es wäre vielleicht für beide Seiten besser gewesen, wenn wir uns bereits nach der verlorenen Relegation gegen den HSV getrennt hätten“, schloss Wellenreuther mit Blick auf seine Zusammenarbeit mit Todt, den er letztlich im November 2016 freistellte.