HSV-Trainer Christian Titz hatte in Stuttgart drei Spielern aus seiner U21 von Anfang an das Vertrauen geschenkt. Mohamed Gouaida, Stephan Ambrosius und Matti Steinmann standen in der Startelf. Titz erklärte im „Sportclub“ des NDR-Fernsehens, warum er so sehr auf die Spieler setzt, die zuletzt noch in der Regionalliga Nord kickten. „Es gibt mehrere Argumente dafür“, sagte er. „Wenn sie eine neue Mannschaft übernehmen, versuchen sie Dinge zu verändern, um einen Effekt herbeizuführen. Wir haben mehrere Spieler dazugeholt und zunächst einmal alle gleich behandelt. Jeder hat seine Chance, sich anzubieten. Dabei geht es nicht um Namen, sondern nur um das, was die Spieler auf dem Platz zeigen“, führte Titz aus. Der Vorteil der Spieler aus der U21 sei einfach gewesen, dass sie mit seiner Vorstellung vom Fußball bereits vertraut waren. „Wir wollten mehr mit dem Ball spielen, wir wollten den Gegner höher angreifen. Wenn dann drei, vier, fünf Spieler dabei sind, die deine Spielidee schon besser umsetzen können, ist das natürlich hilfreich – für dich selbst als Trainer, aber auch für die anderen Spieler.“ Ein weiterer Faktor sei: „Wir haben beim HSV in den letzten Jahren im Juniorenbereich sehr gute Arbeit geleistet und haben viele interessante, talentierte Spieler, die wir versuchen, nach oben zu bringen. Bei einer Mannschaft, die im Abstiegskampf ist, trauen sich viele Trainer ein bisschen weniger, denn du weißt ja nie, wie die Spieler auf dem Platz mental reagieren. Da hatte ich den Vorteil, dass ich die Jungs gut gekannt habe, und ich finde, das haben sie gut gemacht.“

Auf ihn wartet heute eine hammerharte Aufgabe. Stephan Ambrosius soll allem Anschein nach damit beauftragt werden, VfB-Stürmer Mario Gomez zu stoppen. Der 19-Jährige hatte schon unter Bernd Hollerbach dreimal zum Profi-Kader gehört, nun steht in Stuttgart sein Bundesliga-Debüt auf dem Plan. Wer aber ist dieser Ambrosius eigentlich? Interessant ist, dass der 1,82 Meter große Innenverteidiger selbst in der U23 zum Saisonstart nicht zum Stammpersonal zählte. Erst am achten Spieltag stand Ambrosius erstmals in der Startelf, startete dann aber kometenhaft durch. Im Spitzenspiel gegen Weiche Flensburg erzielte er im November sein erstes Saisontor – traf in der 92. Minute zum Ausgleich. Ein Mann mit guten Nerven also – und ein echter Hamburger. Ambrosius wurde in Wilhelmsburg geboren, lernte das Kicken beim SV Einigkeit, wechselte dann zu St. Pauli, wo sein Bruder Michael (21) immer noch spielt, und 2012 zum HSV. Zu den Trainingseinheiten wird Stephan Ambrosius gefahren. Er wohnt noch in Wilhelmsburg bei seinen Eltern.