Schalke-Coach Domenico Tedesco greift bei seiner Arbeit auf die Hilfe eines früheren HSV-Trainers zurück. „Huub Stevens kennt diesen Verein so gut wie kaum ein Zweiter – gerade aus Trainersicht. Ich profitiere sehr von seinem Erfahrungsschatz. Er ist Schalkes Jahrhundert-Trainer, eine Legende. Ich wäre ja verrückt, wenn ich mir seine Tipps und Ratschläge nicht anhören würde“, sagte Tedesco der „Sport Bild“. Und weiter: „Das theoretische Wissen über einen Klub, gerade zu Beginn, ist das eine. Aber sich mit jemanden austauschen zu können, der das Ganze selbst erlebt hat, noch mal etwas anderes. Ich bin ihm sehr dankbar, dass er sich die Zeit dafür nimmt.“ Am Sonnabend ist Tedesco, der im vergangenen Sommer von Erzgebirge Aue kam, mit Schalke in Hamburg zu Gast.

In der Saison 2007/08 führte Huub Stevens den HSV aus dem Tabellenkeller, startete ein nicht mehr geglaubte Aufholjagd. Im Übrigen nach einer Auftaktniederlage gegen Hertha BSC. Nun hofft er darauf, dass Christian Titz diese Geschichte wiederholen kann. „Im Winter habe ich noch gesagt, sie schaffen das wieder. Jetzt habe ich Zweifel. Es sind nur noch sieben Spiele, das Restprogramm ist schwierig. Nach 14 Spielen ohne Sieg haben die Spieler kein Selbstvertrauen. Das kommt auch nicht durch einen Trainerwechsel zurück. Ein großes Problem ist die Unruhe in der Mannschaft. Was da zuletzt passiert ist, ist schlecht. Die Unruhe hat oben im Verein angefangen und ging dann unten in der Mannschaft weiter. Nur wenn es oben in der Führung ruhig ist, kann es auch in der Kabine und Mannschaft ruhig sein. Es ist sehr schade, dass es so läuft“, sagte er der MOPO, fügte aber hinzu: „So lange die Chance noch da ist, muss man auch dran glauben.“

Markus Gisdol war der 21. Trainer beim HSV in den vergangenen 21 Jahren. 15 reguläre Fußball-Lehrer und sechs Interimstrainer haben sich seit 1997 am Dino versucht. Einige von ihnen mehrfach. Hier die komplette Liste:

Frank Pagelsdorf 01.07.1997 – 17.09.2001
Holger Hieronymus 18.09.2001 – 03.10.2001
Kurt Jara 04.10.2001 – 22.10.2003
Klaus Toppmöller 23.10.2003 – 17.10.2004
Thomas Doll 19.10.2004 – 31.01.2007
Huub Stevens 02.02.2007 – 30.06.2008
Martin Jol 01.07.2008 – 26.05.2009
Bruno Labbadia 01.07.2009 – 26.04.2010
Ricardo Moniz 26.04.2010 – 30.06.2010
Armin Veh 01.07.2010 – 13.03.2011
Michael Oenning 13.03.2011 – 19.09.2011
Rodolfo Cardoso 20.09.2011 – 10.10.2011
Frank Arnesen 10.10.2011 – 16.10.2011
Thorsten Fink 17.10.2011 – 16.09.2013
Rodolfo Cardoso 17.09.2013 – 24.09.2013
Bert van Marwijk 25.09.2013 – 15.02.2014
Mirko Slomka 16.02.2014 – 15.09.2014
Josef Zinnbauer 16.09.2014 – 22.03.2015
Peter Knäbel 23.03.2015 – 15.04.2015
Bruno Labbadia 15.04.2015 – 25.09.2016
Markus Gisdol 26.09.2016 – 20.01.2018

Auch Huub Stevens trug sich schon in die lange Liste der HSV-Retter ein, von Februar 2007 bis Sommer 2008 trainierte er den Liga-Dino. Nun fühlt der Niederländer mit Markus Gisdol mit und hat für seinen Ex-Assistenten bei Schalke 04 einen Ratschlag parat. „Er muss Ruhe ausstrahlen. Wenn es Markus nicht tut, wer macht es sonst? Die Mannschaft schaut ganz genau auf ihn. Der Trainer muss in so einer Situation Vertrauen ausstrahlen. Immer vermitteln, dass man die Kurve kriegt“, sagte Stevens der „Bild“. Und weiter: : „Wenn man in so einer kritischen Situation auf der Bank sitzt, fühlt man sich, als wäre man ganz allein auf einer Insel. Und hofft, dass alle Entscheidungen, die man getroffen hat, die richtigen sind.“

Huub Stevens ist „Jahrhunderttrainer“ von Schalke 04 und führte den HSV einst aus dem Abstiegskampf nach Europa. Vor dem Duell seiner Ex-Klubs lobte er in der MOPO den neuen Knappen-Coach Domenico Tedesco. „Er versteht Schalke. Er ist als erster auf dem Vereinsgelände und geht als letzter. Für die Fans hat er immer ein offenes Ohr.“ Stevens hatte sich vor Saisonbeginn mit Tedesco getroffen, beide tauschten sich über das Schalker Pulverfass aus. Der 63-Jährige weiter: „Domenico findet die richtige Mischung aus Kumpeltrainer und hartem Hund. Dabei bleibt er seiner Philosophie und seinen Prinzipien treu.“ So sieht Stevens die „Knappen“ gegen den HSV vorn. Aber: „Wenn Schalke den Fehler begeht und den HSV unterschätzt, glaube ich an Punkte für Hamburg.“

Seit dem 1. Juli ist Ashton Götz arbeitslos, nachdem sein auslaufender Vertrag beim HSV nicht verlängert worden war. Nach Ablauf der Transferperiode hat der 24-jährige Rechtsverteidiger nun doch noch einen neuen Verein gefunden. Götz wird laut „Abendblatt“ zum niederländischen Erstligisten Roda Kerkrade wechseln, die Empfehlung soll Ex-HSV-Coach Huub Stevens ausgesprochen haben, beide kennen sich aus Hamburger Zeiten.