Im Trainingsspiel war er plötzlich wieder da, wo er früher regelmäßig stand: in der A-Elf des HSV. Bobby Wood meldet sich Schritt für Schritt zurück – oder war er nur ein Platzhalter für den angeschlagenen Aaron Hunt? „Nein“, antwortet Trainer Christian Titz auf Nachfrage der MOPO. „Wir haben ihn ja schon am Samstag dabei gehabt. Ich finde, dass er auch zwei richtig gute Aktionen für uns hatte. Er ist im Aufwind und das ist sehr schön.  Ich hoffe, er macht so weiter.  Wenn er nach Wolfsburg fährt und zwei Tore macht, bin ich glücklich.“

HSV-Trainer Christian Titz hat direkt vor dem Anpfiff eine offensive Ausrichtung seiner Elf angekündigt. „Dieses Spiel gibt uns die Chance noch einmal zurückzukommen. Dementsprechend werden wir das Spiel angehen“, sagte er im Interview mit „Sky“. „Wir können auf fünf Punkte rankommen, das kann Hoffnung geben.“ Hoffnung gibt es auch für einen Einsatz von Bobby Wood, der es diesmal in den Kader geschafft hat. „Bobby hat die letzten zwei Tage sehr gut trainiert“, erklärte Titz und kündigte an, den US-Boy im Laufe des Spiels bringen zu wollen. „Ein Bobby Wood, der in Form ist, kann uns helfen.“

Beim HSV gehen die Planungen für den Umbruch im Sommer mit großen Schritten voran. Wie der MOPO bestätigt wurde, hat sich der Liga-Dino die Dienste von Salim Khelifi gesichert. Der Stürmer wechselt von Zweitligist Eintracht Braunschweig ablösefrei an die Elbe. Für die Eintracht stand der Flügelstürmer in der laufenden Saison 19 Mal auf dem Platz. Dabei erzielte der Schweizer zwei Tore und steuerte fünf Vorlagen bei.

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Mit David Bates hat sich der HSV eine interessante Personalie für den Neustart im Sommer gesichert. Und der Innenverteidiger ist nicht der erste Schotte beim HSV. In der Saison 86/87 kickte Mark McGhee im Volkspark. Der schottische Mittelstürmer brachte es sogar auf vier Länderspieleinsätze und zwei Tore. Beim HSV gelangen dem Angreifer in  33 Pflichtspieleinsätzen sieben Tore. Inzwischen ist der 60-Jährige als Trainer aktiv. Von Januar 2013 bis August 2017 war McGhee Co-Trainer der schottischen Nationalmannschaft unter Gordon Strachan.

Mark McGhee Foto: Witters

Mirko Slomka hatte ihn einst zum HSV-Profi gemacht. Viermal spielte Mattia Maggio in der Endphase der Bundesliga-Saison 2013/14 für die Hamburger. Zuvor hatte der in Nürtingen geborene Italiener auch in der Serie A einmal auflaufen dürfen. Mit Novara Calcio spielte er im legendären San-Siro-Stadion gegen den AC Mailand und sein Vorbild Zlatan Ibrahimovic. Nach seiner HSV-Zeit aber geriet die Karriere des heute 24-Jährigen ins Stocken. Maggio war plötzlich vereinslos, spielte dann für die zweite Mannschaft der TSG Hoffenheim, in der vierten italienischen Liga, beim FC Nöttingen (5. Liga) und zuletzt für den drittklassigen belgischen Klub ASV Geel. „Ich habe vier Jahre lang gebraucht, um das zu verarbeiten, was in Hamburg passiert ist“, sagt Maggio. Er habe „viel Pech und falsche Berater“ gehabt. „Es ist so viel schiefgelaufen, dass es irgendwann unglaublich schwer für den Kopf ist, das alles zu verarbeiten.“ Nun wagt der Stürmer einen Neustart beim Hamburger Oberliga-Meister und -Tabellenführer TuS Dassendorf. Maggio unterschrieb einen Dreijahresvertrag, absolviert nebenher eine Ausbildung zum kaufmännischen Angestellten. „Der Kontakt nach Hamburg ist dank meiner guten Freunde Henrik Dettmann und Sven Möller nie abgerissen“, erklärte er.

 

Kann Christian Titz Fiete Arp aus seinem Formtief befreien? Beide hatten schon in der U17 des HSV sehr erfolgreich zusammengearbeitet. Der 18-Jährige habe deswegen aber keinen Bonus, stehe keinesfalls automatisch in der Startelf. „Das hängt wie bei allen anderen Spielern von den Trainingsleistungen ab“, sagte Titz im Interview mit „Spox“. „Aber Fietes Entwicklung ist ganz normal. Wenn du im Abstiegskampf steckst und dich die Leute als Heilsbringer sehen, ist die Unbekümmertheit nur schwer aufrechtzuerhalten. Dann kamen eine Grippe und die Vorbereitung aufs Abitur dazu. Wir standen auch in den vergangenen Wochen in regelmäßigem Austausch, weil er noch hier im Internat wohnt. Er geht sehr gut mit dieser Situation um.“ Den Wirbel um einen möglichen Wechsel sieht Titz gelassen. „Natürlich hat der Markt Interesse an so einem Spieler, der Run auf junge Spieler ist im Moment ohnehin enorm hoch. Ich wünsche mir, dass er weiter im Verein spielt, egal, was passiert.“ Titz sieht Arp als „Paradebeispiel für die Arbeit des HSV im Nachwuchsbereich. Dass wir ihn als 15-Jährigen zur U17 hochgezogen haben, war außergewöhnlich. Zumal er in der U15 als Außenstürmer oder offensiver Mittelfeldspieler unterwegs war. Wir haben aber einen klaren Plan aufgestellt, wie wir seine Stärken fördern und die Schwächen dezimieren können“. Als er Arp von seinem Plan, ihn in die U17 als Mittelstürmer aufzunehmen, erzählt habe, „war er nicht begeistert. Da es für ihn aber von Beginn an erfolgreich lief, konnte er sich nicht wirklich dagegen wehren“, führt Titz aus. „Fiete ist ein enorm lernwilliger Spieler, der schon zum damaligen Zeitpunkt jede Woche die individuellen Videoanalysen und dazugehörigen Trainingseinheiten eingefordert hat. Aber gerade auch in seiner Persönlichkeitsentwicklung sahen wir entscheidende Entwicklungsparameter.“ Titz entscheidender Rat für Arp: „Ein Stürmer muss egoistisch sein – wir sahen es aber als wichtig an, dass er sein Ich als Wir ins Team miteinbringt. Wir haben ihn dann in den Mannschaftsrat aufgenommen und ihn in dieser Funktion in die Gedankenspiele des Trainerteams eingeweiht. Da entwickelte er schon eine gewisse Eigenständigkeit. Als wir ihn in der zweiten Saison zum Kapitän machten, fungierte er als verlängerter Arm des Trainers und wurde im Team der Wortführer. Er begann das Team zu führen und schaffte den Spagat, die Spieler für sich und seine Spielweise zu gewinnen. Auch in der Nationalmannschaft wurde er Kapitän. Mit seinen 18 Jahren ist er schon sehr weit, aber besitzt auch noch enormes Entwicklungspotenzial.“

Wenn es am Sonnabend für den HSV gegen Hertha BSC geht, werden bei Fiete Arp Erinnerungen hochkommen. Beim 1:2 im Hinspiel erzielte der damals noch 17-Jährige sein erstes Tor in der Bundesliga. In der 73. Minute hatte Arp zum 1:2-Endstand aus Hamburger Sicht getroffen. Eine Woche später hatte der Junioren-Nationalstürmer gegen Stuttgart nachgelegt. Seither wartet Fiete aufs nächste Tor.

Bernd Hollerbach hat sich kurz vor dem Anpfiff des Spiels gegen die Bayern am Sky-Mikrofon zu den Ereignissen der vergangenen Tage geäußert. „Ist doch klar, dass einem das nahegeht“, sagte der HSV-Trainer über die Entlassungen von Heribert Bruchhagen und Jens Todt. „Zwei Tage vorm Spiel, das ist nicht so glücklich.“ Mit Blick auf das Spiel bei den Bayern versuchte der Coach Selbstbewusstsein auszustrahlen. „Wir messen uns heute mit den Besten. Das macht Spaß“, erklärte er. „Wir müssen stabil sein, aber auch nach vorne was machen.“ Ob er wirklich an einen Sieg glaube? „Da muss schon viel zusammenkommen hier, aber man hat immer eine Chance.“ Hollerbach äußerte sich zudem zu seiner Entscheidung, Fiete Arp und Bobby Wood in Hamburg zu lassen. Beide seien nicht im Kader, „weil die anderen zurzeit die Nase vorn haben. Wir haben sehr viele Stürmer. Wir haben eher hinten ein Problem. Durch die Krankheit von Mergim Mavraj haben wir nur noch zwei Innenverteidiger“.