Erst das Drohplakat („Bevor die Uhr ausgeht, jagen wir euch durch die Stadt“) einiger Fans auf der Nordtribüne, dann der Versuch eines Platzsturms, der von Polizisten mit Hunden verhindert wurde. Im Rahmen der Pleite gegen Leverkusen stellten sich Anhänger des HSV in sehr aggressiver Weise gegen die Profis. Supporters-Chef Timo Horn bringt dafür Verständnis auf: „Ich kann verstehen, dass Teile unserer Fans auf Provokation umgestellt haben. Ob es was hilft, weiß ich leider nicht“, sagte er dem „Abendblatt“.

Neben dem Vorstand des HSV hat sich auch die Führung des Supporters Club zum Pyro-Irrsinn zu Beginn des Darmstadt-Spiels in Form einer schriftlichen Stellungnahme geäußert – und sich klar davon distanziert:

Beim Einlaufen der Mannschaften prangte ein großes „Forza HSV“ auf der Nordtribüne des Volksparkstadions. Im A-Rang dazu Fahnen und Blockfahnen. Ein schönes Intro für ein sehr wichtiges Spiel unseres HSV. Leider ist es dabei nicht geblieben.

Die Pyroaktion im Anschluss an die Choreo hat den anderen HSV-Fans, der Mannschaft und dem gesamten Verein geschadet. Der HSV Supporters Club kritisiert diese Aktion – sie zieht nicht nur aller Voraussicht eine weitere Strafe des DFB für unseren Verein nach sich, sondern führt auch dazu, dass unser eigentlich überragender Fansupport spürbar beeinträchtigt wird.

Man kann über pyrotechnische Aktionen diskutieren, allerdings immer sachlich und fair. Bei allen optischen Reizen, die Pyrotechnik mit sich bringt, darf nicht vergessen werden, dass das unkontrollierte Abbrennen von Rauchtöpfen und bengalischen Fackeln eine Menge Gefahren mit sich bringt, gesetzlich verboten ist und dem Verein in erheblichem Maße schadet. Dass ein lauter Knall von Böllern in der heutigen Zeit bei vielen Zuschauern, und natürlich auch bei den Spielern, einen großen Schrecken verursacht, dürfte jedem klar sein. Wie man einen Böller in einer Menschenmasse zünden kann, ist einfach nur unverständlich.

Wir als Supporters Club lehnen aber Kollektivstrafen, die alle Fans betreffen, ab. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sie kaum eine Wirkung haben und zum größten Teil Unschuldige treffen. Wir glauben an den Dialog, werden den bestehenden Dialog in unserem Verein unterstützen und hoffen, dass auch die Verbände den Dialog mit den Fanvertretern wiederaufnehmen, um miteinander konstruktive Lösungen zu erarbeiten.

Die Unterbrechung des Spiels ist sicher nicht der Grund für unsere Niederlage, das wäre zu einfach, aber sie hat der Mannschaft auch bestimmt nicht geholfen. Diese Pyroaktion war in jeder Hinsicht kontraproduktiv für unseren HSV. In einer Tabellensituation, in der wir alle zusammenstehen sollten und müssen, spaltet sich die Fanszene. Aber genau das, dürfen wir nicht zulassen.

Jetzt zählt vor allem der gemeinsame Support im Stadion. Wir stehen immer noch mit dem Rücken zur Wand und brauchen alle HSV-Fans jetzt ganz besonders. Wir haben noch vier wichtige Spiele vor uns, in denen wir alle Energie, auch von den Rängen, benötigen. Ohne Pyro, ohne Böller, aber mit unseren Stimmen, mit unseren Fahnen und unserem ganzen Support.

Steht auf für den HSV!
Euer HSV Supporters Club

Am Sonnabend findet im Rahmen des Spiels zwischen dem HSV und Darmstadt 98 eine Charity-Aktion des Supporters Clubs, der HSV-Siftung „Hamburger Weg“ und der Fan- und Förderabteilung der „Lilien“ statt. 10.000 Lose werden im Heim- und Gästebereich für je einen Euro verkauft, 250 Preise können bei einem Gewinn nach Spielende auf der König-Pilsener-Plaza abgeholt werden. Hauptpreis ist ein Lattenschießen gegen einen Profispieler. Mit dem Erlös der Charity-Aktion wird der Aufbau eines inklusiven Fußball-Teams unterstützt.

Nach der Derby-Niederlage hatte sich Gotoku Sakai bei Instagram mit einer Botschaft an die HSV-Fans zu Wort gemeldet und sich für die Leistung der Mannschaft in Bremen (1:2) entschuldigt. Die Reaktion der Anhänger war positiv, fast 400 seiner Follower kommentierten den Beitrag des HSV-Kapitäns. Unter anderem auch Supporters-Boss Timo Horn: „Danke, Go, wir stehen immer hinter euch!“ Weitere Beispiele: „Das sind die Worte eines echten Kapitäns und Sportsmanns. Am Samstag werden die Punkte gegen Darmstadt geholt und auch in Augsburg werden unsere Fahnen wehen. Nur der HSV“, schrieb „hsv nightrider“, und „niclasha official“ versprach: „Junge, du bist ein wahrer Capitano! Jetzt kämpfen wir die letzten fünf Spiele der Saison gemeinsam, wir werden immer mit euch kämpfen bis zum bitteren Ende! Denn Hamburger kriegt keiner klein!“