Es ging heiß her auf dem Traininsplatz im Volkspark. Christian Titz ließ seine Akteure in einem Trainingsspiel mit Einsatz aufeinander los. „Die spielen eine Runde Bowling aus“, klärte der HSV-Trainer auf. „Die Verlierer müssen die Sieger zum Bowlen einladen. Es ist immer schöner, wenn es um etwas geht.“ Heute stieg das Hinspiel, das 2:1 endete. Bakery Jatta (1:0) und Luca Waldschmidt (2:1) erzielten die Tore für das Sieger-Team, Sven Schipplock hatte zum zwischenzeitlichen Ausgleich getroffen. Morgen beginnt um 11 Uhr das Rückspiel.

Dieser Kader hat es in sich! Christian Titz krempelt das Aufgebot des HSV komplett um, verändert das Gesicht des HSV radikal. André Hahn, Sven Schipplock, Dennis Diekmeier, Mergim Mavraj und Walace stehen nicht im Aufgebot für das Spiel gegen Hertha. Dafür rücken Bobby Wood, Fiete Arp und Lewis Holtby zurück in den Kader. Auch die Youngster Matti Steinmann und Young-Jae Seo sind dabei. Das Aufgebot im Überblick: Christian Mathenia, Julian Pollersbeck, Rick van Drongelen, Kyriakos Papadopoulos, Douglas Santos, Young-Jae Seo, Gotoku Sakai, Matti Steinmann, Gideon Jung, Tatsuya Ito, Filip Kostic, Aaron Hunt, Lewis Holtby, Sejad Salihovic, Fiete Arp, Luca Waldschmidt, Bobby Wood, Bakery Jatta.

Sky-Experte Dietmar Hamann hat in der TV-Sendung „Wontorra – der Fußball-Talk“ den Auftritt des HSV und die anschließend getätigten gegenseitigen Schuldzuweisungen der Spieler analysiert. „Wenn sich ein Schipplock, der in den letzten Monaten keine Rolle gespielt hat, hinstellt und seine Kollegen anzählt, merkt man: In der Mannschaft gibt es tiefe Risse. Der Verein und die Mannschaft sind im freien Fall.“ Man brauche „Leute mit mentaler Stärke. Die Frage für das nächste Jahr ist: willst du mit denen weitermachen?“ Hamann schätzte es als „Riesenchance“ ein, den Abstieg für einen personellen Umbruch zu nutzen und zweifelte die Qualität des aktuellen HSV-Kaders an. Der frühere Geschäftsführer des VfL Wolfsburg Klaus Allofs attestierte dem HSV durchaus die qualitativen Voraussetzungen, um in der 2. Liga eine gute Rolle spielen zu können. „Aber es ist nicht nur die Qualität entscheidend, sondern auch die Bereitschaft, sich in der 2. Liga zu betätigen und diesen Unfall wieder gutzumachen“, schränkte er ein.

Nach den Eindrücken der vergangenen Trainingstage deutet alles darauf hin, dass Bernd Hollerbach mit einer extrem defensiven Taktik versuchen will, den Bayern den Zahn zu ziehen. Nachdem der Trainer in den vergangenen beiden Partien eine Viererkette in der Abwehr aufgeboten hatte, dürfte er es diesmal wieder mit einer Fünferkette versuchen. Im Sturmzentrum soll Sven Schipplock offenbar eine neue Chance erhalten. Im Detail könnte die taktische Formation so aussehen: Mathenia – Diekmeier, Jung, Papadopoulos, van Drongelen, Douglas Santos – Sakai, Walace – Jatta, Kostic – Schipplock.

Sechs Stürmer hat der HSV in seinem Profi-Kader. Das klingt nach viel. Blöd nur, dass dabei denkbar wenig herausspringt. Wer aber wartet eigentlich seit wie vielen Minuten auf einen Treffer? Am besten sieht es noch bei André Hahn aus. 141 torlose Minuten stehen für den Ex-Gladbacher auf dem Konto. Bakery Jatta, meist als Rechtsaußen aufgeboten und zuletzt recht agil, aber eben auch ungefährlich, hat bei den Profis überhaupt noch nicht getroffen. 420 Bundesliga-Minuten kann er aufweisen. Luca Waldschmidt erzielte sein erstes und einziges HSV-Tor bekanntlich am 34. Spieltag der Vorsaison gegen Wolfsburg. Seither wartet der 21-Jährige auf ein Erfolgserlebnis. 428 Minuten hat er nicht getroffen. Bei Fiete Arp sind es 627 torlose Minuten. Dramatisch aber wird’s bei zwei anderen. Sven Schipplock steht zwar seit 2015 beim HSV als Stürmer unter Vertrag, hat aber noch kein einziges Tor erzielt. 1164 Minuten lang hatte er bisher die Gelegenheit dazu. Getoppt wird diese Horror-Zahl von Bobby Wood, der am 25. August 2017 in Köln half, den HSV an die Tabellenspitze zu schießen – in grauer Vorzeit. Seither stehen für ihn 1192 torlose Minuten zu Buche. Alle sechs Stürmer zusammen kommen damit auf 3972 Minuten ohne Tor.

Sven Schipplock stand zum zweiten Mal in dieser Saison in der Startelf; zuvor war das nur am vierten Spieltag in Hannover der Fall. Der 29-Jährige bestritt für den HSV jetzt 29 Bundesliga- und zwei DFB-Pokal-Spiele und erzielte dabei kein einziges Tor (gegen Mainz gab er zwei Torschüsse ab und bestritt in seinem Team die meisten Zweikämpfe; 14 der 32 Duelle gewann er). Die elf Spieler in der HSV-Startformation kamen übrigens zusammen auf acht Saisontore.

Harte Kritik am HSV? Da wollte auch Ex-Bayern-Profi Mario Basler beim „Doppelpass“ bei Sport1 kräftig zulangen. Über den verschossenen Elfmeter von Filip Kostic gegen Mainz sagte er: „Ich kann das nicht mehr hören mit dem Druck. Die verdienen Millionen und müssen den Ball nur aus elf Metern ins Tor bringen. Er wusste selbst nicht, wo er hinschießen wollte. Knall den Ball doch rein – aber sowas ist doch erbärmlich.“ Aber nicht nur der Serbe sollte sein Fett wegkriegen. „Für mich ist Sven Schipplock auch kein Bundesliga-Spieler. Wenn du ihn zehnmal alleine aufs Tor zulaufen lässt, trifft er vielleicht einmal.“