Darf er bleiben? Muss er gehen? Auf der Zielgeraden der Saison geht es nicht nur um das Schicksal des HSV in der Bundesliga, sondern auch um die berufliche Zukunft von Coach Christian Titz, der retten soll, was Markus Gisdol und Bernd Hollerbach dem Klub mit dem Team eingebrockt haben. Aufsichtsrat Marcell Jansen mag sich nicht festlegen, sagte bei NDR 90,3: „Wir haben noch drei ganz, ganz wichtige Spiele. Und ich denke, das ist auch eine gute Bühne für den Trainer.“

Während der ersten Einheit im Rahmen der Vorbereitung auf das Gastspiel beim VfL Wolfsburg probierte Trainer Christian Titz in der Startelf einiges aus. Keinen Zweifel ließ er allerdings daran aufkommen, dass Douglas Santos am Sonnabend ins Team zurückkehren wird. Zuletzt gegen den SC Freiburg (1:0) musste der Linksverteidiger wegen einer Gelbsperre zusehen.

Schwedens Nationaltrainer Janne Andersson dürfte über HSV-Coach Christian Titz nur den Kopf schütteln. Denn in Hamburg musste sich Albin Ekdal zuletzt mit der Reservistenrolle begnügen, weil Matti Steinmann den Vorzug erhielt. Andersson dagegen traut dem Mittelfeld-Mann sogar zu, Stammkraft bei einem europäischen Topteam zu sein: „Wenn Albin Ekdal gesund ist, glaube ich wirklich, dass er da hinkommen kann“, sagte der 55-Jährige im „Kicker“. Für die WM in Russland hat der Coach des deutschen Gruppengegners den HSV-Profi fest eingeplant: „Ekdal ist enorm wichtig für uns. Er ist eine Art Stratege im Mittelfeld. Immer, wenn wir am stärksten waren, stand Albin mit auf dem Platz. Ich hoffe wirklich, dass er jetzt fit bleibt.“ Doch damit war die Lobeshymne noch nicht vorbei. Andersson weiter: „Ich hebe selten einen Spieler als besonders wichtig hervor. Aber Albin Ekdal verfügt über eine Ganzheitlichkeit, die im Vergleich mit anderen Spielern eine Extra-Dimension beinhaltet. Das will ich gerne auf dem Platz haben.“

Wie schon vor dem Erfolg über Schalke (3:2) waren Verantwortliche, Trainer und Profis des HSV auch vor dem Sieg gegen Freiburg (1:0) auf Einladung von Kyriakos Papadopoulos im Restaurant „Thessaloniki“ in Pinneberg essen. Nun soll der „Gyros-Schwur“ die Hamburger auch zum Dreier am Sonnabend beim VfL Wolfsburg führen, wie Trainer Christian Titz verrät: „Papa hat es nach dem Sieg wieder versprochen. Ist doch klasse! Man kommt zusätzlich noch mal zusammen und spricht miteinander.“ Offen ist allerdings, ob sich die Rothosen erneut von Koch Dimitrios Pardalis verwöhnen lassen. Denn schon beim zweiten Besuch hatten sich einige HSV-Fans einen Tisch im „Thessaloniki“ reserviert, um beim Teamabend dabei zu sein.

Zahlen, Daten, Fakten! Hier lesen Sie alles, was Sie über den Sieg gegen den SC Freiburg (1:0) durch das Tor von Lewis Holtby am Sonnabend im Volkspark wissen müssen:

  • Der HSV feierte den zweiten Heimsieg in Folge und darf angesichts von nur noch fünf Punkten Rückstand auf den Relegationsrang doch noch einmal vom Klassenerhalt träumen.
  • Erstmals seit acht Jahren und damit auch erstmals unter Christian Streich verlor der SC Freiburg ein Gastspiel beim HSV.
  • Der HSV blieb im fünften Spiel unter Christian Titz erstmals ohne Gegentor.
  • Lewis Holtby erzielte sein drittes Tor in den letzten vier Spielen. Die Hälfte der nun sechs HSV-Treffer unter Christian Titz geht damit auf sein Konto.
  • Insgesamt war es für Holtby sein viertes Saisontor – genauso viele wie in seinen ersten drei Spielzeiten beim HSV zusammen und öfter traf er nur 2011/12 für Schalke (sechs Saisontore)
  • Holtby war nicht nur Siegtorschütze, sondern auch zweikampf- (81 Prozent) und laufstärkster (12,7 Kilometer) Hamburger.
  • Matti Steinmann beging die meisten Fouls beim HSV (drei) und hatte anders als Caglar Söyüncü Glück, dass er nicht zwei Minuten vor dem Türken vom Platz flog. Der Freiburger beging auch nur zwei Fouls.
  • In der ersten Hälfte lautete das Torschussverhältnis 8:2 für Freiburg. Das torlose Remis zur Pause verdankte der HSV Julian Pollersbeck, der fünf Bälle parierte.
  • Nach dem Seitenwechsel musste der HSV-Keeper dann aber keinen Ball mehr abwehren und die zweiten 45 Minuten gingen klar an die Hamburger (9:3 Torschüsse, 60 Prozent Ballbesitz und 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe).
  • Kyrgiakos Papadopoulos gewann in der zweiten Hälfte 90 Prozent seiner Zweikämpfe – in den ersten 45 Minuten lag seine Erfolgsbilanz nur bei 42 Prozent.
  • Der zwischenzeitlich aufs Abstellgleis geratene Dennis Diekmeier kam zu seinem ersten Einsatz unter Christian Titz und gewann dabei starke 77 Prozent seiner Zweikämpfe.
  • In allen fünf Partien unter Christian Titz lief der Hamburger SV über 120 Kilometer – vor seiner Amtsübernahme war dies in 26 Partien nur viermal der Fall.