Was haben Jens Todt, Markus Gisdol und Bernd Hollerbach gemeinsam? Sie wurden beim HSV im Frühjahr gefeuert, kassieren aber weiter ab. Laut „Bild“ hat Vorstand Frank Wettstein mit Ex-Sportchef Todt vereinbart, dass er sein Gehalt bis zum Vertragsende am 31. Dezember ausgezahlt bekommt. Mit den geschassten Trainern will der HSV-Boss über Auflösungen der Arbeitspapiere verhandeln. Allerdings haben beide einen Vertrag bis 2019, der auch bei einem Abstieg in die Zweite Liga gültig wäre. Es wird also teuer.

Nachdem er Anfang des Jahres in den Streik getreten und mit drei Tagen Verspätung ins Training eingestiegen war, wurde Walace von den Verantwortlichen begnadigt. Doch weder Sportchef Jens Todt, der dem Brasilianer wieder die Tür öffnete, noch Trainer Bernd Hollerbach, der sportlich auf ihn setzte, sind noch im Amt. Aktuell ist der 22-Jährige suspendiert, weil der die Anweisung von Coach Christian Titz ignorierte, in der Abwehr zu spielen. Wie die „Bild“ berichtet, will Walace im Verlauf der Woche das Gespräch mit Titz suchen, um Entschuldigung und eine neue Chance bitten. Derzeit muss er sich in der U21 fithalten.

Als Direktor Sport kümmert sich Bernhard Peters nicht wie in den Vorjahren in erster Linie um den Nachwuchs, er ist seit der Entlassung von Sportchef Jens Todt vor allem mit dem Geschehen bei den Profis betraut. Peters war es auch, der sich für die Beförderung von Christian Titz von der U21 zum Trainer des Bundesliga-Teams stark machte. Trotz der Pleite zum Debüt gegen Hertha BSC ist er von dieser Entscheidung vollauf überzeugt, Kritik am Vorgehen des neuen Coaches weist er zurück. „Titz ist ein Team-Arbeiter, der alle gezielt einbindet. Er beschäftigt sich unheimlich viel mit taktischen Dingen, ist sehr fleißig, akribisch und detailversessen. Titz zieht viele Leute aus der Komfortzone, das ist hier mehr als notwendig“, sagte er der „Bild“ und betonte: „Wir sind von den Veränderungen substanziell überzeugt. Das braucht weiter intensive Arbeit, damit es stabil wird. Wir sind auf dem richtigen Weg, lassen uns nicht beirren.“ Gut möglich, dass Titz auch bei einem Abstieg das Projekt Aufstieg verantworten darf. Peters dazu: „Erst mal konzentrieren wir uns darauf, jede Möglichkeit zu nutzen, um in der Liga zu bleiben. Wenn man sieht, dass der Trainer richtig gute Veränderungen umsetzen kann, dann ist es logisch, dass man sich Gedanken macht, ob man mit dem Trainer weitermacht. Das werden wir zu gegebener Zeit besprechen.“

Am 8. März wurden Vorstands-Boss Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt beim HSV entlassen. Der Aufsichtsrat um seinen Vorsitzenden Bernd Hoffmann ist seither auf der Suche nach neuen Führungskräften, will sich dabei aber nicht drängen lassen. „Wir wollen die richtigen Personalentscheidungen fällen, nicht die schnellsten“, stellte Hoffmann im NDR-„Sportclub“ fest. Derzeit führt Frank Wettstein den HSV als Alleinvorstand, Ex-Profi Thomas von Heesen wurde als Berater und Interims-Sportchef hinzugezogen.

Nach der Entlassung von Jens Todt steht der HSV derzeit ohne Sportchef da, Aufsichtsrats-Boss Bernd Hoffmann arbeitet intensiv daran, einen Sportvorstand zu verpflichten. Topkandidat ist Leverkusens Jonas Boldt, auch der frühere Kölner Jörg Schmadtke zählt zu den Anwärtern. Doch die Zeit steht nicht still, daher kümmern sich Direktor Sport Bernhard Peters und der von RB Leipzig als Head of Recruitment verpflichtete Johannes Spors um die Zusammenstellung des Kaders für die kommende Saison.

Der nächste Hammer! Der HSV hat Thomas von Heesen als neuen Sportchef verpflichtet. Er werde das neue Trainerteam „interemistisch“, also vorübergehend, unterstützen, heißt es auf der Internetseite des Vereins. Der 56-Jährige werde viele der Aufgaben des in der vergangenen Woche beurlaubten Direktors Profifußball Jens Todt übernehmen und die operative Sportkompetenz gewährleisten, bis über die sportliche Leitung neu entschieden sei. „Er hat sich sofort bereiterklärt, dem HSV zu helfen“, wird HSV-Vorstand Frank Wettstein zitiert. Kein Wunder, von Heesen hat ein großes HSV-Herz: Von 1980 bis 1994 spielte er für den Liga-Dino, wurde zweimal Deutscher Meister (1982, 1983), DFB-Pokalsieger (1987) und Europapokalsieger der Landesmeister (1983).

Der entlassene HSV-Sportchef Jens Todt lässt im Gespräch mit der MOPO Ernüchterung durchblicken. „Natürlich bin ich etwas enttäuscht, wenngleich es sich ja abgezeichnet hat“, ließ er wissen. „Wenn du keine Punkte sammelst, hast du auch als Sportchef irgendwann keine Argumente. Und wenn klar war, dass im Sommer ein Anderer das Sagen haben soll, macht es auch keinen Sinn, mich jetzt Entscheidungen treffen zu lassen.“ Todt ist mittlerweile wieder zurück von seiner Familie aus Potsdam und übergibt die Geschäfte an HSV-Vorstand Frank Wettstein, der nun erst mal auch für den sportlichen Bereich verantwortlich ist.

HSV-Sportchef Jens Todt weiß, was die Stunde geschlagen hat, sagte nach dem 0:0 gegen Mainz zur Frage nach dem möglichen Klassenerhalt: „Es müsste schon etwas Außergewöhnliches passieren, wir brauchen außergewöhnliche Wochen.“ Allerdings sei klar, „dass wir nicht aufgeben und weiter unsere Chance suche. Aber es ist Wahnsinn, dass wir dieses Spiel nicht gewöhnen haben. Der Auftritt der Mannschaft war absolut in Ordnung. Gefehlt hat wieder mal das Tor.“