Ex-HSV-Torwart René Adler bleibt im Saison-Endspurt die Nummer eins im Tor des FSV Mainz 05. Nach seiner starken Leistung bei seinem Comeback-Spiel gegen Mönchengladbach (MOPO-Note 2), mit der er es in die MOPO-Elf des Spieltags geschafft hatte, erklärte Trainer Sandro Schwarz, dass er auch in den verbleibenden sechs Spielen auf Adler setzen werde. „Die Entscheidung steht. Jeder Torwart braucht auch Sicherheit. Wir haben auf die Erfahrung gesetzt“, sagte er über den 33-Jährigen, der unter anderem in der Nachspielzeit gegen Patrick Herrmann das 0:0 festgehalten hatte. Adler selbst wollte daraus aber keine große Nummer machen. „Ich hatte einfach Glück, dass der Gegenspieler mir an den Arsch schießt“, sagte er.

Auch in Stuttgart wird Julian Pollersbeck im HSV-Tor stehen. Sein offensiveres Spiel entspricht eher der Vorstellung von Trainer Christian Titz, der den Keeper fast als eine Art Libero begreift. Frank Rost, der von 2007 bis 2011 insgesamt 149-mal im HSV-Tor stand, gefällt das. „Diese Taktik hat ja eine Halbzeit lang gegen Berlin klasse geklappt. Wenn man den Tormann so weit vorne positioniert, birgt das natürlich ein gewisses Risiko. Schön, dass Titz diese Variabilität einführt. Sehr positiv, dass man jetzt versucht Fußball zu spielen. Ich finde den Ansatz gut“, sagte der 44-Jährige der „Bild“.

Christian Titz war grundsätzlich zufrieden mit dem Auftritt beim 3:0 im Testspiel gegen Odense BK. Dem Trainer aber war nicht verborgen geblieben, dass das große Risiko, das insbesondere sein hohes Torwartspiel mit sich bringt, Gefahren birgt. „Im Spiel mit dem Ball machen wir schon vieles sehr gut“, analysierte der neue HSV-Trainer. „Gegen den Ball haben wir es diesmal auch deutlich besser gemacht. Aber man muss immer auf der Hut sein, wenn wir etwas höher spielen, dass wir eine Absicherung gegen Konter drin haben. Das ist uns in der ersten Halbzeit teilweise nicht so gut gelungen, in der zweiten Halbzeit hat das besser geklappt.“ Titz hatte auf der Torwartposition einen Wechsel vorgenommen. Christian Mathenia interpretierte das Torhüterspiel defensiver als Julian Pollersbeck. „Weil der Gegner uns vor die Maßgabe gestellt hat, dass sie die beiden Stürmer öfter eingesetzt haben“, erklärte Titz. Das extrem offensive Spiel Pollersbecks hatte bei Ballverlusten für Gefahr gesorgt. „Da müssen wir schauen, dass uns das nächste Woche nicht passiert“, nahm Titz dies mit einem Lächeln hin und erklärte: „Fußball läuft immer so: Man hat eine Idee, der Gegner hat eine Idee, und dann kommt es zu einem Hin- und Herschieben der Antworten. Die Spieler sind bei uns klar so angehalten, dass sie den Ball sicher und lang schlagen, wenn der Gegner auf uns Druck macht, um sich absetzen zu können. Deswegen ist ein Test wie der gegen Odense so wichtig. Dann lernen die Spieler auch, das sind Erfahrungswerte.“

Christian Titz geht insbesondere beim Torwart-Spiel neue Wege. Unter seiner Ägide ist der Torhüter extrem viel am Ball. Gegen Hertha hatte Julian Pollersbeck 77-mal den Ball. „Ich habe das zuerst mit einer Kinder-Mannschaft probiert“, sagte Titz der „Bild“. „Sie war nicht so stark. Ich dachte, wenn wir uns gegen einen überlegenen Gegner nur hinten reinstellen, schießen sie uns ab. Wenn wir den Ball haben, kann der Gegner kein Tor schießen. Später habe ich das auf meine Mannschaften und auch auf die HSV-U17 übertragen.“

Julian Pollersbeck verdiente sich trotz der 1:2-Niederlage gegen Hertha BSC gute Noten im HSV-Tor. Der U21-Europameister wehrte sieben Torschüsse ab und war bei beiden Gegentoren ohne jede Schuld. Erstaunlich ist aber vor allem die Anzahl an Ballkontakten, die der 23-Jährige hatte. In den 90 Minuten war Pollersbeck 77-mal am Ball und damit häufiger als jeder Hertha-Spieler. In der ersten Halbzeit kam übrigens überhaupt kein Feldspieler auf mehr Ballkontakte als Pollersbeck (45). Trainer Christian Titz hatte gefordert, dass der Torwart sich als eine Art Libero am Spiel beteiligt, Pollersbeck setzte das gekonnt um.

Während die Hertha-Offensive (nur vier Rückrunden-Tore) schwächelt, präsentiert sich der Torhüter des Tabellenelften zurzeit in Top-Form. Der Norweger Rune Jarstein parierte in diesem Jahr 85,2 Prozent aller Bälle, die auf sein Tor flogen. Das ist der derzeit beste Wert der Bundesliga. Der 33-Jährige steigerte seinen Wert aus der Hinrunde (71,3 Prozent) deutlich, blieb sogar in der Allianz Arena gegen den FC Bayern München ohne Gegentor. Im Interview mit dem „Kicker“ betonte er, dass ihn das 0:0 gegen Freiburg stärker gestresst habe, als das Spiel bei den Bayern. „Im Vergleich zur Hinrunde habe ich mich noch einen Tick gesteigert. Wobei ein Spiel wie gegen Freiburg für einen Torwart schwierig ist: Ich bekam keinen Ball aufs Tor und musste nur einmal rauskommen und einen hohen Ball mit der Faust abwehren. Da fokussiert zu bleiben, ist nicht leicht. Danach war ich kaputter als nach dem Spiel in München“, sagte Jarstein, der sich zudem optimistisch zeigte, dass der Tor-Fluch der Hertha am Sonnabend enden wird. „Das Tor wird kommen – schon in Hamburg, denke ich.“

Nach seiner überragenden Leistung beim 0:0 im Volksparkstadion wird der 20-jährige Torhüter Florian Müller zur neuen Nummer eins im Mainzer Tor. Er verdrängt damit René Adler, der am Freitag gegen Schalke nur auf der Bank Platz nehmen wird. Müller hatte bei der Nullnummer in Hamburg unter anderem einen Elfmeter von Filip Kostic gehalten. Trainer Sandro Schwarz sieht deshalb keine Gründe für einen Torwartwechsel. „Das ist eine logische Entscheidung, weil Flo uns in Hamburg das Gefühl gegeben hat, dem Druck im Abstiegskampf standzuhalten“, sagte Schwarz am Donnerstag. Ex-HSV-Keeper Adler habe „die Entscheidung total professionell angenommen“, sagte der 39 Jahre alte Coach. Verzichten muss Schwarz neben Torwart Robin Zentner (Reizung des linken Kniegelenks) auch auf Leon Balogun (Gelb-Rot-Sperre) und Emil Berggreen (Mandelentzündung).

U21-Europameister Julian Pollersbeck  und Stammtorhüter Christian Mathenia könnten den HSV im Sommer verlassen. Während Pollersbeck offenbar von Frankfurt und Köln umworben wird, sollen englische Klubs ihr Interesse bei Mathenia hinterlegt haben. Gut für den HSV: Ein Ersatz soll derweil mit Raphael Wolf von Fortuna Düsseldorf bereitstehen. Das berichtet das Hamburger Abendblatt. Im Freundeskreis soll der Keeper bereits sein Interesse verraten haben. Kein Wunder, denn seine Familie lebt in Hamburg. Wolf: : „Ich fühle mich sehr wohl in Düsseldorf, aber natürlich ist und bleibt auch der HSV, mein erster Klub, immer besonders für mich.“ Beim HSV startete der gebürtige Münchner seine Profikarriere, machte aber sein Bundesligadebüt für Werder Bremen. Danach ging es nach Düsseldorf, wo der Schlussmann erheblichen Anteil am momentanen sportlichen Erfolg hat. Im Sommer könnte nun sein Weg zurück an die Elbe führen.

 

Der größte Konkurrent des HSV im fast schon aussichtslosen Kampf um den Klassenerhalt bleibt auch nach dem 0:0 im direkten Duell der FSV Mainz 05. Nun ereilte die Rheinhessen die Nachricht, dass Torwart Robin Zentner weitere drei Wochen ausfällt. Der 23-Jährige leidet seit dem Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg (1:1) an einer Reizung des linken Kniegelenks. In Hamburg hatte der 20-jährige Florian Müller Zentner im Tor der 05er vertreten und bei seinem Bundesligadebüt die HSV-Spieler zur Verzweiflung getrieben. Der Ex-HSV-Torwart René Adler fiel am Wochenende mit einer Grippe aus, könnte aber am Freitag gegen Hertha BSC (20.30 Uhr/Eurosport-Player) allerdings wieder eine Option sein.

U21-Europameister Julian Pollersbeck sollte einer der Hoffnungsträger auf bessere Zeiten beim HSV sein, ist aber nur Ersatz hinter Torwart Christian Mathenia. Eine Tatsache, die Frank Rost in der TV-Sendung „100 % Bundesliga“ bei NITRO mit dem Kopf schütteln lässt. „Man holt Pollersbeck für 3,5 Millionen, lässt ihn aber nicht spielen, redet ihn auch noch schlecht. Da wird gesagt, der sei nicht der Fleißigste. Solche Aussagen würde es bei Bayern München nie geben“, schimpfte der 44-Jährige. „Es werden immer wieder Spieler vom Verein schlechtgeredet. Der HSV schadet sich damit selbst.“