Er ist der erfolgreichste HSV-Torwart der Vereinsgeschichte und selten um ein klares Wort verlegen. Uli Stein hat bei Sky in der Sendung „Wontorra – der Fußball-Talk“ Trainer Christian Titz in hohen Tönen gelobt. „Er hat der Mannschaft wieder Fußballspielen beigebracht. Unter Hollerbach hat man Fußball gearbeitet und unter Titz spielt man wieder Fußball“, sagte Stein, schränkte aber ein: „Ich glaube, dass die Entscheidung für Titz zu spät kam. Die endgültige Entscheidung fällt in Wolfsburg, sie müssen in Wolfsburg punkten. Sie haben in den letzten Wochen unbeschwert spielen können, aber jetzt geht es wieder um etwas.“ Die mangelhafte Ausbeute in der Fremde (nur ein Sieg aus 15 Spielen) werde dem HSV – so glaubt Stein – letztlich das Genick brechen. „Sie haben auswärts nicht überragend gespielt, die ganze Saison nicht. Sie haben alles in die Waagschale geworfen in den Heimspielen, aber wegen des Auswärtsauftretens des HSV sind die Chancen geringer als für die anderen, immerhin haben sie jetzt noch zwei Auswärtsspiele hintereinander.“

Mit seinen Glanzparaden gegen Freiburg hielt er den HSV im Spiel. Julian Pollersbeck macht eine klasse Partie und dankte anschließend vor allem den Fans:  „Die Fans geben uns enorm Kraft. Es ist immer wieder Wahnsinn hier, wenn die Kulisse Feuer fängt und uns unterstützt, ich verstehe da teilweise mein eigenes Wort nicht mehr. Sie sind ein ganz, ganz wichtiger Teil.“ Dann richtete der Schlussmann den Blick direkt aufs kommende Wochenende. Mit einem Sieg gegen Wolfsburg wäre der Relegationsplatz nur zwei Punkte entfernt: „Aktuell spielen wir ja noch in der Bundesliga. Aktuell liegt es zwar nicht mehr in unserer Hand, aber wir müssen unsere Hausaufgaben machen und wenn wir die gemacht haben, können wir auf die anderen schauen. Fünf Euro ins Phrasenschwein: Wir müssen von Spiel zu Spiel denken.“

In der Hinrunde musste er häufig für die Profikeeper Tom Mickel oder Julian Pollersbeck Platz machen, doch seit geraumer Zeit ist Morten Behrens die Nummer eins der U21 des HSV. In 18 Spielen in der Regionalliga Nord kassierte der 21-Jährige nur 17 Gegentreffer, hielt seinen Kasten siebenmal sauber. Wie „liga-zwei.de“ berichtet, steht der Torwart nun im Fokus des FC Ingolstadt. Scouts des Zweitligisten hätten Behrens am vergangenen Sonnabend gegen Hannover 96 II (1:1) in Hamburg beobachtet. Sein Vertrag läuft am Saisonende aus.

Es gab ein kleines Ständchen im Teamhotel des HSV am Samstagmorgen. Christian Mathenia feiert heute seinen 26. Geburtstag. Es dürfte ein relativ ruhiger Ehrentag werden für den Torhüter, der unter Christian Titz (wird morgen 47) nur noch die Nummer zwei hinter Julian Pollersbeck ist. Titz dachte im Sky-Interview vor dem Spiel dennoch an Mathenia: „Wir möchten ihn zu seinem Geburtstag gerne beschenken.“

 

Bevor er zum Trainer der HSV-Profis befördert wurde, war Christian Titz nicht nur Coach der U21, sondern auch Autor von Fußball-Büchern. Gemeinsam mit dem früheren US-Profi Tom Dooley verfasste Titz auch den Titel „Modernes Torhüter-Training – Der elfte Feldspieler“. Was er in der Praxis darunter versteht, zeigte Titz anhand der Spielweise von HSV-Keeper Julian Pollersbeck gegen Hertha BSC (1:2). In der Theorie heißt es in seiner Buchbeschreibung: „Das Torwarttraining hat sich in den letzten Jahren gravierend verändert. Ein Torhüter muss heutzutage nicht nur Bälle festhalten bzw. abwehren können, sondern aktiv als Spieleröffner am Spielgeschehen teilnehmen. Somit stellt der moderne Torhüter eine Art Libero dar, der versuchen muss, die Abwehr zu organisieren und bei eigenem Ballbesitz schnelle Tempostöße einzuleiten. Steht der Gegner beispielsweise in der Defensive taktisch gut, agiert er als Ballverteiler. Bei aggressivem Forechecking des Gegners fungiert er aber ebenso als Anspielstation. Der Torhüter sollte daher immer in der Lage sein, sich auf neue Spielsituation einzustellen und mit dem Fuß den Ball im Spiel zu halten. Ob flaches Kurzpassspiel mit der Innenseite oder lange Innenseitstöße in Form eines einleitenden Angriffspasses. Ob Abwurf, Abstoß bzw. Abschlag; der Torhüter muss mittlerweile über sämtliche Passtechniken verfügen und darf dabei das eigentliche Torhüterspiel nicht vernachlässigen.“

Tolle Neuigkeiten aus dem HSV-Nachwuchs. Jakob Golz, der Sohn von Ex-HSV-Keeper Richard Golz, hat seinen Vertrag bei den Rothosen um ein Jahr bis 2019 verlängert. „Es ist genau der richtige Schritt, beim HSV zu bleiben. Ich habe alle Hürden bis hierhin genommen und möchte auch die nächsten Herausforderungen angehen“, sagt der U21-Keeper stolz.

In seiner HSV-Zeit holte der HSV den Europapokal der Landesmeister, war die Nummer eins in Deutschland und Europa. Nun aber glaubt Uli Stein, dass der Abstieg für den HSV die beste Lösung wäre. „Es ist die einzige Chance, einen wirklichen Neuanfang zu starten“, sagte der 63-Jährige bei „Sky 90“. „Wir haben in den letzten vier Jahren immer wieder gedacht: Abstieg ist nicht die Lösung, das wird schon werden, wenn sie in der Bundesliga bleiben. Das geht von Jahr zu Jahr so. Aber sie haben es trotzdem nicht geschafft, daraus Lehren zu ziehen und die Lage vernünftig zu analysieren. Sie haben es immer schlechter gemacht, von Jahr zu Jahr wurde die Situation schlechter, mit dem Tiefpunkt, jetzt Tabellenletzter Bundesliga zu sein. Da hilft aus meiner Sicht nur, mal abzusteigen, damit alle mal wach werden, alle mal klar im Kopf werden und dann die richtigen Lehren daraus ziehen. Man muss positiv an die Sache herangehen und alle Kräfte bündeln. Es muss eine Trendwende her – im Denken, im Arbeiten, im Planen. Und dann muss man das Ziel angehen, wieder aufzusteigen. Das ist der richtige Weg und ein gesunder Weg für den HSV – vielleicht nicht aus finanzieller Sicht, aber auf jeden Fall aus sportlicher Sicht.“

Dass der HSV acht Spieltage vor Saisonende noch einmal den Trainer gewechselt hat, hat Torwart-Legende Uli Stein in der TV-Talksendung „Sky 90“ als „Alibi-Gehabe“ bezeichnet: „Man weiß, dass man durch so eine Entscheidung kurz vor Saisonende nichts mehr retten kann, nichts mehr bewegen kann. Es geht jetzt nur darum, die Fans zu beruhigen, die Medien zu beruhigen, nach dem Motto, wir haben ja alles probiert. Aber ich glaube, dass im Verein jeder weiß, dass es sinnlos war und der Verein auch nicht mehr zu retten ist.“ Zugleich räumte der frühere Nationaltorhüter aber ein, dass Christian Titz „vollkommen unbelastet die Sache angehen kann. Ich fand auch, dass er sich nach dem Spiel wunderbar geäußert hat“. Stein spielte dabei auf Titz‘ Äußerungen an, mit denen er die Kritik von Kyriakos Papadopoulos an seiner Nicht-Berücksichtigung gekontert hatte. Titz sieht der 63-Jährige als klare Interimslösung, was „eigentlich auch richtig“ sei: „Es hätte jetzt keinen Sinn gemacht, irgendeinen etablierten Trainer zu holen, der sich dann am Ende wahrscheinlich schon wieder den Namen kaputtgemacht hätte, weil der HSV aus meiner Sicht sowieso nicht mehr zu retten ist. Sie werden auf jeden Fall absteigen. Da wäre der neue Trainer schon wieder verbrannt gewesen. Also hat man jetzt die richtige Entscheidung getroffen, hat die Interimslösung gewählt und kann dann in der neuen Saison in Ruhe nach einem neuen Trainer suchen, der dann die Möglichkeit hat, mit der Mannschaft völlig neu anzufangen, neu zu planen, die Mannschaft neu aufzustellen. Man muss ja auch gucken, welche Spieler bleiben, welche haben noch Verträge und welche sind überhaupt zu gebrauchen in der 2. Liga. Ich glaube schon, dass man sehr, sehr groß ausmisten muss bei diesem Kader des HSV.“

 

 

Er gewann mit dem HSV den Europapokal der Landesmeister, wurde zweimal Deutscher Meister und einmal DFB-Pokalsieger. Gut 30 Jahre später ist die Torwart-Legende Uli Stein entsetzt darüber, wo sein HSV angekommen ist. „Es tut weh, wenn man sieht, wie sich dieser Verein in den letzten Jahren nach außen dargestellt hat. Das ist schon mehr als peinlich“, sagte der 63-Jährige in der TV-Talkrunde „Sky 90“. „Der HSV hat in den vergangenen vier Jahren zweimal Relegation gespielt, im letzten Jahr ist man im letzten Spiel gegen Wolfsburg der Relegation gerade so entronnen, da muss man doch aus den Fehlern der Vergangenheit mal lernen. Aber nein, sie schaffen es tatsächlich, das noch mal zu toppen und stehen jetzt ganz unten, an letzter Stelle. Da ist nur noch Kopfschütteln angesagt.“

Durch das 2:0 gegen Bayer Leverkusen hat der 1. FC Köln den HSV auf den letzten Tabellenplatz geschubst. „Der HSV hat einige Probleme, wir konnten das jetzt mal ausnutzen“, sagte FC-Torwart Timo Horn und fügte hinzu: „Bei uns kann man festhalten, dass wir in jedem Spiel vollen Einsatz zeigen. Das trifft nicht auf jede Truppe da unten zu.“ Ein Seitenhieb, bei dem sich die Hamburger durchaus angesprochen fühlen dürfen.