Frank Wettstein hatte am Vormittag Trainer Christian Titz in höchsten Tönen gelobt und durchblicken lassen, dass er auch im Abstiegsfall gerne mit ihm weiterarbeiten möchte. „Natürlich freut mich das, wenn mir die Verantwortlichen ihr Vertrauen aussprechen“, entgegnet Titz. „Ich habe ja auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich mich hier in Hamburg sehr wohl fühle. Ich bin jetzt im dritten Jahr hier und habe mich ja auch ganz bewusst für diese Aufgabe entschieden.“

Der Kapitän hatte heute im Training wegen Sprunggelenksproblemen gefehlt. Für das Spiel gegen den SC Freiburg aber steht kein Fragezeichen hinter dem Einsatz von Gotoku Sakai. „Er ist heute raus, vielleicht auch morgen, aber dann kann er wieder trainieren“, gab Trainer Christian Titz Entwarnung. Anders sieht es bei Vasilije Janjicic, den ein grippaler Infekt niedergestreckt hat. Titz, der zurzeit selbst gegen eine Erkältung ankämpft, erklärte: „Den hat es richtig erwischt. Der hat hohes Fieber. Das wird noch einige Tage dauern, bis er wieder genesen ist.“ Am Samstag wird der Schweizer daher mit hoher Wahrscheinlichkeit ausfallen.

Vorstand Frank Wettstein setzt sich im Interview mit der vereinseigenen Homepage auch vehement für eine Weiterbeschäftigung von Trainer Christian Titz ein. Auf die Frage, was ihm im Kampf um den Klassenerhalt noch Hoffnung mache, antwortet Wettstein: „Die Arbeit, die unser Trainerteam unter der Leitung von Christian Titz mit der Mannschaft leistet. Die Spielidee, die das Team seit dem Trainerwechsel auf den Platz bringt. Und die Atmosphäre, die unser Publikum bei unseren Spielen erzeugt, auswärts und zu Hause. Unsere Fans haben ein feines Gespür für die aktuelle Lage.“ Seine Rückendeckung für Titz unterstreicht Wettstein explizit: „Unser Trainer macht seine Sache richtig gut. Die Fans empfinden den neu eingeschlagenen Weg mit ihm und mit vielen jungen Kräften als richtig und können sich damit identifizieren, das hat auch die Reaktion der Anhänger nach der 0:2-Niederlage in Hoffenheim gezeigt. Wir werden weiterhin diesen neuen Weg beschreiten müssen, unabhängig von der Ligazugehörigkeit, wenn wir unseren HSV wieder erstarken lassen wollen.“

Jetzt ist es offiziell: Niko Kovac wird neuer Trainer von Bayern München. Das bestätigte Sportdirektor Hasan Salihamidzic am Freitag. Der 46-Jährige wechselt von Eintracht Frankfurt nach München und erhält einen Dreijahresvertrag. Genau wie „Brazzo“ Salihamidzic hat auch Kovac eine HSV-Vergangenheit. Zwischen 1999 und 2001 absolvierte der Mittelfeldspieler 55 Bundesliga- und sechs Champions-League-Spiele für Hamburg. Kovac‘ Tor zum 4:3 beim legendären 4:4 gegen Juventus Turin ist als Highlight in die Vereinshistorie eingegangen. Vom HSV wechselte er zu den Bayern, zu denen er nun im Sommer zurückkehren wird.

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Was wird nach dieser Saison aus Christian Titz? Der Vertrag des HSV-Trainers läuft bis 2019, aber nur bis zum Ende dieser Spielzeit ist der Kontrakt des 47-Jährigen auf die Konditionen des Profi-Teams umgestellt. Im Falle des Klassenerhalts würde wohl kein Weg an einem neuen Vertrag für Titz vorbeiführen. Sollte der HSV aber absteigen, könnte sich für Titz eine neue Option ergeben. Angeblich soll nämlich mit Holstein Kiel ein Aufstiegs-Kandidat aus der Zweiten Liga angeklopft haben. Das berichtet die „Bild“. Man habe Titz seit längerer Zeit auf dem Zettel, heißt es. Hintergrund des angeblichen Flirts: Markus Anfang steht nach Informationen des „Kölner Express“ vor einem Wechsel zum 1. FC Köln, soll bei den Rheinländern für die kommende Saison schon im Wort stehen. Kiel würde damit seinen Erfolgstrainer verlieren.

Der HSV hat Nachwuchstrainer Vahid Hashemian in das Trainerteam der U21-Regionalligamannschaft berufen, um Problemen mit der Deutschen Fußball Liga aus dem Weg zu gehen. Wie die „Sport Bild“ berichtet, muss ein in die zweite Mannschaft des Vereins versetzter Profi laut DFL-Richtlinien auch dort von einem Fußballlehrer trainiert werden. Beim HSV sind Walace und Mergim Marvraj vom Bundesliga-Team in die Trainingsgruppe der U21-Mannschaft versetzt worden. Weil der frühere U21-Trainer Christian Titz zum Coach des Bundesliga-Teams befördert wurde und dessen Nachfolger Steffen Weiß nur über den A-Trainer-Schein verfügt, hat der HSV das Trainerteam bei der U21 erweitert. Der 41-jährige Iraner Hashemian, der einst als Mittelstürmer beim HSV spielte, besitzt die Fußballlehrer-Lizenz. Er war zuvor Co-Trainer bei der U17 des Vereins.

Ex-HSV-Profi Markus Babbel, der von 1992 bis 1994 insgesamt 60-mal für die Rothosen spielte, hat im Interview mit dem „Kicker“ erklärt, warum es seiner Meinung nach bei den Hamburgern nicht läuft. „Man muss sich bewusst sein, bei welch großem Verein man spielt, weil der HSV wahnsinnig viele interessiert. Das habe ich als junger Spieler selbst erlebt“, sagte der Europameister von 1996. „Diese Mann kann in guten Zeiten auch eine ungeheure Power entwickeln, wie man sie in Hoffenheim womöglich nie erleben wird. Dem Druck aber in schlechten Zeiten standzuhalten, dafür braucht es Typen.“

Ex-HSV-Torwart René Adler bleibt im Saison-Endspurt die Nummer eins im Tor des FSV Mainz 05. Nach seiner starken Leistung bei seinem Comeback-Spiel gegen Mönchengladbach (MOPO-Note 2), mit der er es in die MOPO-Elf des Spieltags geschafft hatte, erklärte Trainer Sandro Schwarz, dass er auch in den verbleibenden sechs Spielen auf Adler setzen werde. „Die Entscheidung steht. Jeder Torwart braucht auch Sicherheit. Wir haben auf die Erfahrung gesetzt“, sagte er über den 33-Jährigen, der unter anderem in der Nachspielzeit gegen Patrick Herrmann das 0:0 festgehalten hatte. Adler selbst wollte daraus aber keine große Nummer machen. „Ich hatte einfach Glück, dass der Gegenspieler mir an den Arsch schießt“, sagte er.

Er spielte von 1987 bis 1989 beim HSV, wurde anschließend bei den Rothosen Nachwuchs- und Co-Trainer und von 1992 bis 1995 schließlich als Nachfolger von Egon Coordes Chefcoach der Hamburger. Seine Fußballerseele aber bleibe grün-weiß, erklärte Benno Möhlmann (63) in der TV-Sendung „100% Bundesliga – Fußball bei NITRO“. „Ich wohne ja in Bremen und bin auch Werderaner“, sagte der 63-Jährige, der von 1978 bis 1987 insgesamt 267 Mal für Werder spielte. „Aber es ist wirklich nicht so, dass ich dem HSV den Abstieg gönne. Ich fieber da schon mit und ich würde mich freuen, wenn es der HSV noch packt. Aber es ist einfach fast unmöglich. Ich denke der HSV wird diesmal dran glauben müssen.“

Der Glaube an den Klassenerhalt ist bei Trainer Christian Titz scheinbar unerschütterlich. „Die Hoffnung ist nach wie vor vorhanden und sie ist nicht gering. Als ich die Aufgabe angenommen habe, war klar, dass es nicht unbedingt mit den ersten beiden Spielen funktionieren kann“, warb er um weiteres Vertrauen. „Wenn du etwas Neues reinbringst, braucht das auch ein wenig Zeit. Wir haben mit Schalke einen richtig schweren Gegner, aber wenn wir es schaffen, drei Punkte zu holen, dann wächst das Selbstvertrauen. Dann kann der Glaube an das Wunder wieder ganz schnell leben.“