Der Charter-Flieger in Jerez hebt in wenigen Minuten Richtung Hamburg ab. Vorher zog Markus Gisdol ein kurzes Fazit des kurzen Trainingslagers. „Wir haben unsere Ziele gut umgesetzt. Das Team hat sehr gut zusammengehalten und funktioniert. Die Mannschaft ist unser Gewinner.“ Dass es mit der Partie in Augsburg am Sonnabend bereits zwölf Tage nach Trainingsstart ernst wird, sieht Gisdol als Herausforderung an. „Es ist schon eine einzigartige Situation, so eine Blitz-Vorbereitung zu absolvieren, in der eigentliche jede Minute auf dem Trainingsplatz wichtige Erkenntnisse bringen muss. Aber wir konnten in Spanien direkt voll einsteigen, weil die Spieler in der kurzen Pause sehr fleißig und diszipliniert waren“, sagte der HSV-Coach und erklärte, dass an Neujahr alle Profis „mit Idealgewicht“ aus dem Weihnachtsurlaub zurückgekommen seien.

André Hahn gehört zu den HSV-Profis, denen eine Woche im Trainingslager auch Trennungsschmerz bereiten. Der 27-Jährige muss bis zum 8. Januar schließlich nicht nur auf Ehefrau Ragna, sondern auch auf seinen Sohn Julien (2) verzichten. „Für jeden, der Frau und Kinder hat, ist diese Phase immer etwas unangenehm“, gestand Hahn der „Bild“. „Doch das gehört zu unserem Beruf dazu – das wissen wir und unsere Familien.“ Die Video-Anrufe würden die Situation deutlich erleichtern. „Wir haben das große Glück, dass es heutzutage so etwas wie Face-Time gibt“, sagt Hahn. „Mein Sohn fängt langsam an, das zu verstehen und erkennt mich auf dem Handy. Das erleichtet die Trennung von der Familie.“

Vor dem Abflug nach Jerez de la Frontera hatten die HSV-Profis am Neujahrstag die Sicherheitskontrollen über den „Fast Lane“-Schalter passiert. „Einschmuggeln“ wollte sich dabei auch jemand, der die Fußballer in Sachen Prominenz sogar in den Schatten stellt: Schauspieler Til Schweiger. Der TV-Star wurde bei seinem Vorhaben aber von einer Flughafen-Mitarbeiterin gestoppt. „Das ist nur für Business-Class-Passagiere“, wies sie Schweiger zurecht. Das schien dem 54-Jährigen zwar überhaupt nicht zu gefallen, dennoch stellte er sich schließlich brav wie jeder „Normalo“ an.

Das neue Jahr fängt für den HSV direkt mit einem Eklat an. Walace ist nicht zum Abflug der Mannschaft ins Trainingslager nach Jerez de la Frontera erschienen. Sportchef Jens Todt erklärte, dass der Brasilianer ihm gegenüber sein Fehlen angekündigt habe. „Er beschäftigt sich mit einem Wechsel“, sagte Todt. „Aber wir haben kein Interesse an einem Wechsel. Das werden wir mit ihm in Spanien besprechen, wenn er da ist.“ Der HSV-Sportchef ist nach eigener Aussage in Kontakt mit dem 22-Jährigen und dessen Berater Rogério Braun. „Wir erwarten ihn ziemlich bald zurück. Am 3. rechnen wir damit.“ Walaces Streik werde man „angemessen“ sanktionieren: „Wir wollen den Konflikt nicht größer machen als er ist, aber wir können dieses Verhalten nicht akzeptieren.“ Für Walace soll es in Brasilien mehrere Klubs geben, die Interesse an einer Verpflichtung haben, darunter Gremio Porto Alegre, Atlético Mineiro und Flamengo Rio de Janeiro. In den sozialen Netzwerken hatte der Olympiasieger zuletzt Bilder gepostet, die zeigen, wie er am brasilianischen Strand feiert.

Der HSV überwintert auf Rang 17, also auf einem Abstiegsplatz. Kein Wunder, dass Markus Gisdol die Zügel anzieht und schon in der Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte Vollgas geben will.

„15 Punkte in der Hinrunde waren viel, viel zu wenig. Wir müssen in der Rückrunde ordentlich Punkte dazu buchen“, betonte der Hamburger Coach und forderte: „Es muss uns gelingen, über 90 Minuten konzentriert zu spielen. Jeder Einzelne muss sich einen Tick verbessern, damit die vielen individuellen Fehler nicht mehr passieren.“