Walace und Mergim Mavraj sind Profis, die auch einen Vertrag für die nächste Saison beim HSV besitzen. Noch mal für den HSV auflaufen werden beide aber wohl kaum. Trainer Christian Titz hatte das Duo gleich zu Beginn seiner Amtszeit bei den Profis aussortiert und zur U21 geschickt. Im Sommer sollen sich beide nun einen neuen Verein suchen. Der HSV-Coach sagt: „Die Entscheidungen, die wir damals so getroffen haben, sollen auch so bestehen bleiben. Wir gehen davon aus, dass die Spieler sich verändern werden.“

Zum vorerst letzten Mal stellte sich Christian Titz heute den Fragen der Presse. „Wir würden gerne mit Holtby und Hunt verlängern. Spieler mit dieser Qualität muss man erst einmal finden“, sagte der HSV-Trainer. „Wir haben uns mit der Mannschaft ein gutes Fundament erarbeitet. Und wir werden noch einige Verstärkungen dazuholen.“ Zum Ausblick auf die neue Saison in der Zweite Liga sagte Titz: „Seit gestern geht der Blick nach vorne. Wir wollen das Projekt starten, um schnell wieder in die Erste Liga zu kommen. Die volle Konzentration gilt darauf. Die Tage sind jetzt voll ausgefüllt. Klar möchten wir wieder aufsteigen. Das ist unser Ziel. Wir wissen aber auch, dass die Zweite Liga kein Selbstläufer werden wird.“

Es wird beim HSV einen personellen Einschnitt geben, so viel steht fest. Aber Frank Wettstein stellte kürzlich bereits klar, dass man die Kaderplanung selbstbestimmt vorantreibe. „Wir sind nicht gezwungen, Spieler aktiv auf den Markt zu geben und werden bestimmt nicht jeden wechselwilligen Profi ziehen lassen, der uns mit in diese Lage gebracht hat“, sagte der HSV-Vorstand. Und weiter: „Es werden Spieler auf uns zukommen, die vielleicht Alternativen haben. Dann muss man sehen, ob das für uns attraktiv ist.“

Heribert Bruchhagen hat in der Talk-Sendung „Sky 90“ erklärt, er wünsche sich „aus ganzem Herzen, dass der HSV es noch schafft“. Stellung bezog der frühere Vorstandsvorsitzende zum verhängnisvollen Transferstillstand des Winters. „Wir haben in Aufsichtsrat und Vorstand einstimmig beschlossen, dass wir ein ausgeglichenes finanzielles Ergebnis haben wollen“, sagte er und verwies auf die Konkurrenz: „Die Kölner haben Terodde geholt. Zu Recht. Aber das hat letztlich auch zu keinem anderen Ergebnis geführt. Der Markt hat auch nicht so viel hergegeben. Im Nachhinein kann man immer argumentieren, aber ob das Ergebnis ein anderes geworden wäre, weiß man auch nicht.“ Bruchhagen schloss aber mit dem Geständnis: „Wir haben mit unserer Einschätzung falsch gelegen.“ Er habe daher eine Mitverantwortung, wenn der HSV absteigen sollte. „Ja. Selbstverständlich“, sagte er. „Ich habe nicht erwartet, dass es in diese Richtung gehen würde. Der HSV ist ein ordentlich geführter Verein, aber letztlich sportlich zu schwach. Daran hat jeder seinen Anteil.“

Kaderplaner und Chefscout Johannes Spors hat umrissen, nach welchen Spielern der HSV Ausschau hält. „Wir sollten Spieler für uns gewinnen, die bei uns einen Schritt nach vorne machen, ihre Karriere aktiv verbessern wollen“, sagte der 35-Jährige im Interview mit der „Bild“. Man müsse dafür beim Scouting „eine Balance finden zwischen klassischem Live-Scouting vor Ort sowie der Daten-Analyse und der Video-Schulung bei uns im Büro“. Zu 99 Prozent gehe es darum, Spieler auszusortieren. „Dafür muss man nicht 36 Stunden unterwegs sein und dreimal umsteigen. Aber wenn ich von einer Spieler-Idee angefixt bin, dann nehme ich jeden Aufwand auf mich, um sie noch mal persönlich abzuklopfen“.

Es gebe beim HSV „die Riesen-Chance, etwas gestalten zu können“. Das sagt der neue Chefscout und Kaderplaner Johannes Spors, der seinen Job in Hamburg am 1. Februar begonnen hat. „Der Ansatz ist nicht, die ganze Welt zu kennen, sondern die Kernmärkte“, sagt der 35-Jährige im Interview mit der „Bild“. Diese seien „natürlich Deutschland und die Nachbarstaaten, damit wären wir schon gut aufgestellt“. Zur Erinnerung: Ex-Sportchef Jens Todt war im vergangenen Jahr nach Argentinien gejettet, um neue Märkte zu erschließen.

Mehr als 120 Millionen Euro hat der HSV seit 2014 für neue Spieler an Ablösesummen gezahlt, herausgesprungen ist ständiger Abstiegskampf, der in dieser Saison voraussichtlich nicht mehr positiv gestaltet werden kann. Torwart-Legende Uli Stein erklärte im TV-Talk „Sky 90“ hierzu: „Man hat die falschen Leute geholt. In der Personalpolitik und in der Kaderplanung hat man sehr viele Fehler gemacht und ganz schlecht gewirtschaftet. Ein Zeichen dafür, dass man ganz schlecht gearbeitet hat, ist, dass man jedes Jahr permanent auf Kühne zurückgreifen muss. Jedes Mal muss man sich am Saisonende an Kühne wenden, um die Lizenz zu bekommen und Löcher zu stopfen. Immer nur bei Kühne auf dem Schoß zu sitzen, das ist keine Kunst, das kann jeder. Man muss endlich mal anfangen, neue Sponsoren zu akquirieren, selber Geld aufzutreiben und sich nicht immer abhängig zu machen und darauf zu verlassen, dass Herr Kühne Bürgschaften übernimmt. Man muss endlich mal selbst die Dinge in die Hand nehmen und vernünftig wirtschaften. Das ist in den letzten Jahren beim HSV nicht der Fall gewesen.“ Dass sich Klaus-Michael Kühne als Investor immer wieder einbringt, ist aus Sicht von Christian Ziege nachvollziehbar. „Wenn du Geld gibst, ist es ja legitim, dass du bei den Entscheidungen mit dabei sein willst“, sagte der Europameister von 1996. Es müsse aber jemand installiert werden, „der die absolute Kompetenz im sportlichen Bereich hat“.

U21-Europameister Julian Pollersbeck sollte einer der Hoffnungsträger auf bessere Zeiten beim HSV sein, ist aber nur Ersatz hinter Torwart Christian Mathenia. Eine Tatsache, die Frank Rost in der TV-Sendung „100 % Bundesliga“ bei NITRO mit dem Kopf schütteln lässt. „Man holt Pollersbeck für 3,5 Millionen, lässt ihn aber nicht spielen, redet ihn auch noch schlecht. Da wird gesagt, der sei nicht der Fleißigste. Solche Aussagen würde es bei Bayern München nie geben“, schimpfte der 44-Jährige. „Es werden immer wieder Spieler vom Verein schlechtgeredet. Der HSV schadet sich damit selbst.“