Nach dem Pyro-Irrsinn von HSV-Ultras im letzten Saisonspiel gegen Gladbach fordert DFB-Vizepräsident Rainer Koch eine lückenlose Aufklärung und mehr Zivilcourage der Fans im Stadion. „Solche Vorfälle wie in Hamburg dürfen nicht toleriert werden. Wir machen sonst den Fußball kaputt“, sagte Koch der „Sport Bild“ und betonte: „Wegschauen, Mund abputzen, nur reden oder pfeifen, das hilft nicht weiter. Die Täter müssen identifiziert werden, die Täter müssen aus den Stadien entfernt werden, die Täter müssen sanktioniert werden.“

Am Morgen nach dem erstmaligen Abstieg des HSV hat sich Bernd Hoffmann in der Sendung „Wontorra“ bei Sky zu Wort gemeldet und ein vernichtendes Urteil über die Ultras gesprochen, die gestern mit ihrer Pyro-Aktion für eine 15-minütige Unterbrechung des Spiels gegen Gladbach (2:1) gesorgt hatten. „Leider sieht es so aus, dass man dem hoffnungslos ausgeliefert ist. Ich will mich aber nicht damit abfinden, dass eine kleine Gruppe in unserem Fanblock hochexplosives Material durch die Gegend schmeißt. Damit werden wir uns auseinandersetzen“, sagte der Präsident und Aufsichtsrats-Chef, der sich über die Reaktion der HSV-Fans freute: „Fakt ist, dass diese Chaoten erstmalig drastisch isoliert wurden von allen anderen Anhängern. Das freut uns sehr, aber was da passiert ist, das war eklatant, da können wir nicht zur Tagesordnung übergehen. Die Aufbruchstimmung trotz des Abstiegs ist überlagert worden von diesen bekloppten Idioten. Jetzt müssen wir wieder eine Strafe zahlen – und das Geld könnten wir wahrlich an anderere Stelle deutlich sinnvoller einsetzen.“

Es war absehbar, dass die Ultras auf der Nordtribüne eine Aktion vorbereiten, nachdem sie ein großes schwarzes Tuch ausrollten und sich darunter versammelten. Hätte die beschämende Pyro-Aktion kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit gegen Gladbach (2:1) verhindert werden können? Warum stürmte die Polizei nicht den Block, bevor die Brandstifter loslegten? Hamburgs Sport- und Innensenator Andy Grote erklärt: „In solchen Situation muss genau abgewägt werden, wie vorzugehen ist. In diesem Fall hätte bei einem Eingriff ein unübersichtliches Handgemenge auf der Tribüne gedroht.“ Immerhin sorgten Sicherheitsdienst und Polizei dafür, dass es keinen Platzsturm gab.

Es waren erschütternde Szenen, die sich schon während des HSV-Spiels gegen Hertha BSC (1:2) auf der Nordtribüne des Volksparkstadions zutrugen. Video-Aufnahmen zeigen, wie Fans sich untereinander prügelten. Ausgelöst worden seien die Schlägereien durch einen geworfenen Bierbecher. Das schreibt die „Bild“. Demnach habe ein Fan einen Bierbecher auf die Ultras geworfen, weil diese den Support zu früh eingestellt hätten.

Eine schlimme Randale-Bilanz: Neun Menschen sind bei den Ausschreitungen im und ums Volksparkstadion nach der 1:2-Niederlage des HSV gegen Hertha BSC verletzt worden. Das teilte die Hamburger Polizei am Sonntag mit. Dabei handelt es sich um sechs Ordner, eine Polizeibeamtin und zwei HSV-Anhänger. Nach dem Spiel hatten sich mehrere Anhänger im Block der Ultras untereinander geprügelt. Ein versuchter Platzsturm einiger Vermummter wurde von den Ordnungskräften und der Polizei unterbunden. Mehrere Randalierer wollten danach über den Zugang an der Ostseite der Arena ins Stadioninnere eindringen. Das verhinderten die Sicherheitskräfte. Dabei kamen Schlagstöcke und Pfefferspray zum Einsatz. Einige Randalierer wurden am Rande eines Trainingsplatzes festgesetzt, um ihre Personalien aufzunehmen.

Ganz schlimme Szenen erst im Stadion, als sich HSV-„Fans“ nach der Niederlage gegen Berlin untereinander prügelten. Und dann gab es auch Randale vor dem Stadion, als versucht wurde, in den Spielertrakt einzudringen. Der Parkplatz vor der Osttribüne wurde gesperrt. Die Polizei griff gegen die Krawallmacher (auch mit Schlagstöcken) ein, hat jetzt einige Ultras (20 bis 30) festgesetzt.

Der HSV hatte die zurückliegende Partie im Volkspark gegen Mainz 05 (0:0) zu einem Hochsicherheitsspiel gemacht. Die Polizei brachte Wasserwerfer vor dem Stadion in Stellung, die Zäune auf der Nordtribüne wurden hochgezogen, die Fans noch stärker kontrolliert, ein Alkoholverbot verhängt. Die Ultras zogen daraufhin ohne Genehmigung in Block 28B um. Wie die „Bild“ berichtet, haben HSV, Polizei und Ordnungskräfte nun beschlossen, dass die Partie am Sonnabend gegen Hertha BSC kein Sicherheitsspiel sein wird. Die Ultras kehren daher auf ihre Plätze im Block 25A hinter dem Tor vor der Nordtribüne zurück.