In den vergangenen Wochen bewarb sich Rafael van der Vaart mehrmals um eine erneute Rückkehr zum HSV. „Ich würde sehr gerne helfen, es wäre mir egal, ob es die Zweite Liga wäre. Es wäre eine Ehre“, sagte der Niederländer Anfang März. Nach dem Abstieg Mitte März wiederholte der 35-Jährige sein Angebot: „Wenn man mich um Hilfe fragt, würde ich nicht Nein sagen.“ Wie reagiert der HSV auf van der Vaarts öffentliche Vorstöße? Gar nicht… Ganz offensichtlich planen die Bosse nicht, ihn um Hilfe zu fragen.

Da hat er auf seine alten Tage tatsächlich noch einen Titel gesammelt. Rafael van der Vaart freut sich mit dem FC Midtjylland über den Gewinn der dänischen Meisterschaft. Am letzten Spieltag reichte das 1:0 gegen Horsens, um die Tabellenspitze vor Bröndby IF zu behaupten. Van der Vaart stand auch heute nicht im Kader, freute sich aber für seine Kollegen – und ist dank seiner beiden Kurzeinsätze in dieser Saison ebenfalls Meister. Der Vertrag des 35-Jährigen läuft nun aus.

Viel hat er nicht dazu beitragen können, aber immerhin: Auf Rafael van der Vaarts Visitenkarten könnte ab heute Abend ein neuer Schriftzug nötig sein. Der FC Midtjylland, seit zwei Jahren Klub des Ex-HSV-Kapitäns, braucht nur noch den heutigen Sieg gegen Horsens, um Dänischer Meister zu werden. Allerdings spielt van der Vaart keine Rolle mehr beim FCM, kam in dieser Saison nur zu zwei Kurzeinsätzen (letztmals am 1. März). Ab 18 Uhr beginnt die Partie. Midtylland geht mit zwei Zählern Vorsprung auf Bröndby IF in den letzten Spieltag, hat allerdings das schlechtere Torverhältnis – und braucht den heutigen Sieg.

Vor dem Fernseher fieberte gestern gegen Gladbach (2:1) Ex-HSV-Kapitän Rafael van der Vaart mit, schaltete nach dem besiegelten Abstieg frustriert ab. „Scheiß Wochenende, Scheiß Tag“, stellte der Niederländer gegenüber Sky fest und betonte einmal mehr, dass er seinen früheren Klub gern beim Wiederaufstieg unterstützen würde: „Wenn man mich um Hilfe fragt, würde ich nicht Nein sagen.“ Auf Twitter schrieb van der Vaart zum Abstieg: „Das trifft mich hart. Nach 54 Jahren… Ein trauriger Tag für alle, die hinter diesem Verein stehen, aber ich bin mir sicher: Der HSV ist schon bald wieder da, wo er hingehört!“

Ich habe nicht den leisesten Zweifel daran, dass Rafael van der Vaart für den HSV brennt und nur das Beste für den Verein will. Es ehrt ihn, dass er sich nach einer großartigen Karriere mit Stationen bei Ajax Amsterdam, Real Madrid oder Tottenham Hotspur und 109 Länderspielen samt WM-Finale mit Holland nicht zu schade ist, für Hamburg in der Zweiten Liga zu kicken. Ich stimme ihm auch voll und ganz zu, dass der HSV im Abstiegsfall auf eine Mischung aus jungen, wilden und erfahrenen, abgezockten Spielern setzen muss. Dennoch sollte die Klubführung nicht den Fehler machen und van der Vaart ein drittes Mal verpflichten. Seine Zeit beim FC Midtjylland in Dänemark mit 20 Pflichtspieleinsätzen in knapp zwei Jahren hat gezeigt, dass der 35-Jährige weit über dem Zenit seiner Schaffenskraft ist und auch dem Niveau in der Zweiten Liga körperlich nicht mehr gewachsen wäre. Liebe HSV-Bosse, bindet „Rafa“ gern im Verein ein – aber bitte nicht als Spieler!

Matthias Linnenbrügger

Sollte der HSV absteigen, wäre Rafael van der Vaart „immer bereit“, bei der angestrebten Rückkehr in die Bundesliga zu helfen. Sehr gern würde der 35-jährige Vize-Weltmeister von 2010 dann mit dem aktuellen Trainer zusammenarbeiten. „Christian Titz lässt den Fußball spielen, den ich liebe. Von hinten vernünftig das Spiel aufbauen und mit Mut nach vorn spielen“, sagte der Niederländer bei „Sportbuzzer“ und lobte: „Er hat seine eigenen Ideen in die Mannschaft gebracht. Es gibt kein Rechts, kein Links – sondern nur seine Art des Fußballs. Mal klappt es, mal nicht. Aber die Linie ist klar. Und das ist wichtig. Dann kann sich eine Mannschaft entwickeln. Das macht Titz gut. Nur muss man vorsichtig sein. Viele junge Spieler zu bringen, ist gut. Aber, da sage ich es wieder: Es braucht Spieler, die wissen, wo es langgeht.“ Keine Frage, van der Vaart wäre gern einer davon.

Rafael van der Vaart hat seinen schon vor einigen Wochen geäußerten Wunsch konkretisiert, zum HSV zurückzukehren. Und zwar als Spieler! „Ich habe einen super Kontakt zu Bernd Hoffmann“, stellte der 35-jährige Niederländer seinen engen Draht zum früheren Vorstands- und aktuellen Aufsichtsrats-Boss im Gespräch mit „Sportbuzzer“ hervor. „Wenn der HSV mit mir reden will, bin ich da. Es ist jetzt wichtig, Leute zusammenzuholen, die für den Verein stehen und am besten auch dort gespielt haben. Dann kann man es schaffen, dass der HSV, sollte er absteigen, wieder hochkommt.“ Derzeit steht van der Vaart beim dänischen Topklub FC Midtjylland unter Vertrag, im Sommer ist er ablösefrei. Schon von 2005 bis 2008 und von 2012 bis 2015 spielte van der Vaart beim HSV, nun hofft er auf eine dritte Auflage der Zusammenarbeit: „Ein Verein muss meine Erfahrung wollen, mit der ich junge Spieler besser machen kann. Ich glaube, dass mittlerweile unterschätzt wird, was Erfahrung für einen Wert hat. Das sieht man ja jetzt beim HSV. Viele sind jung, die Spieler müssen mehr laufen – aber was bringt es am Ende? 25 Punkte nach 31 Spielen. Herzlichen Glückwunsch!“

Im Sommer endet Rafael van der Vaarts Vertrag beim FC Midtjylland, in den vergangenen Monaten pendelte er zwischen Tribüne, Ersatzbank und Spielfeld. Gestern, beim 1:0 des FCM in Horsens, war er nicht dabei – und dennoch: Nach wie vor darf der Ex-HSV-Profi von einem weiteren Titel träumen. Midtjylland liefert sich in der Meisterrunde ein Kopf-an-Kopf-an-Rennen mit Bröndby IF, ist punktgleich mit 63 Zählern Zweiter. Klappt es mit dem Titelgewinn, wäre das trotz aller Probleme ein feiner Abschluss für van der Vaart in Dänemark.