Ex-HSV-Boss Heribert Bruchhagen hält das Wunder Klassenerhalt für „möglich. Es gibt eine Eigendynamik des Erfolges und eine Eigendynamik des Misserfolges. Ich habe beim HSV beides erlebt“, sagte der 69-Jährige in der Talk-Sendung „Sky 90“. „Der HSV ist in einer Aufwärtsentwicklung, die helfen könnte. Aber es gibt natürlich keine Alternative zu einem Sieg in Wolfsburg.“

Heribert Bruchhagen hat in der Talk-Sendung „Sky 90“ erklärt, er wünsche sich „aus ganzem Herzen, dass der HSV es noch schafft“. Stellung bezog der frühere Vorstandsvorsitzende zum verhängnisvollen Transferstillstand des Winters. „Wir haben in Aufsichtsrat und Vorstand einstimmig beschlossen, dass wir ein ausgeglichenes finanzielles Ergebnis haben wollen“, sagte er und verwies auf die Konkurrenz: „Die Kölner haben Terodde geholt. Zu Recht. Aber das hat letztlich auch zu keinem anderen Ergebnis geführt. Der Markt hat auch nicht so viel hergegeben. Im Nachhinein kann man immer argumentieren, aber ob das Ergebnis ein anderes geworden wäre, weiß man auch nicht.“ Bruchhagen schloss aber mit dem Geständnis: „Wir haben mit unserer Einschätzung falsch gelegen.“ Er habe daher eine Mitverantwortung, wenn der HSV absteigen sollte. „Ja. Selbstverständlich“, sagte er. „Ich habe nicht erwartet, dass es in diese Richtung gehen würde. Der HSV ist ein ordentlich geführter Verein, aber letztlich sportlich zu schwach. Daran hat jeder seinen Anteil.“

Der frühere Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen hat in dem TV-Talk „Sky 90“ eigene Fehler eingestanden und erklärt, dass er seine Entlassung nachvollziehen könne. „Man kennt ja die Mechanismen des Geschäfts“, sagte er. „Ich habe mich täuschen lassen durch die guten Ergebnisse der Rückrunde. Und auch wenn ich nicht Spieler verpflichte, bin ich als Vorstandsvorsitzender doch in der Gesamtverantwortung. Und wenn die Ergebnisse nicht stimmen, dann rollen die Köpfe.“ Er sei „schon sehr traurig darüber, aber es gehört zu den Gesetzen des Geschäfts. Ich bin ja aufgrund dieser Mechanismen auch für Didi Beiersdorfer geholt worden. Das passiert im Bundesliga-Fußball“.

Der frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn Rüdiger Grube (66) hat in einem Interview mit der „Zeit“ verraten, dass der HSV nach seinem Bahn-Aus (Januar 2017) um ihn buhlte. „Es gab auch das Angebot, den Aufsichtsratsvorsitz beim Hamburger SV zu übernehmen. Der gleiche Posten wurde mir auch bei Air Berlin angetragen“, sagte der gebürtige Hamburger. Ex-HSV-Präsident Jens Meier war auf Grube zugekommen. Der aber verzichtete.

Auch Niko Kovac leidet im Abstiegskampf der Bundesliga mit seinem früheren Verein, dem HSV. „Es tut mir leid, was mit dem HSV passiert. Es gibt viele, die dem HSV wünschen, dass er mal absteigt. Ich gehöre nicht dazu. Der HSV ist ein großer Klub“, sagte der Trainer von Eintracht Frankfurt am Freitag. Der 46-Jährige spielte von 1999 bis 2001 für die Hamburger. „Ich hatte dort zwei wunderschöne Jahre“, sagte er. Besonders verbunden fühlt sich Kovac auch mit Heribert Bruchhagen, der ihn vor zwei Jahren zu Eintracht Frankfurt holte und der am Donnerstag als Vorstandsvorsitzender des HSV abgesetzt wurde. „Ich habe gestern Abend mit Herri gesprochen. Ich verdanke ihm, dass ich hier sitzen darf. Es tut mir auch leid, was mit ihm passiert ist“, sagte Kovac.

Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge bedauert den Niedergang des einstigen Titel-Rivalen HSV. „Der Abstieg ihres Gründungsmitglieds wäre ein herber Verlust für die Bundesliga“, schrieb der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern im Stadionmagazin zum Spiel am Sonnabend. Ex-Profi Rummenigge würde den Sturz der Hanseaten in die 2. Liga „bedauern, denn ich hatte immer ein gewisses Faible für den HSV“. Der 62 Jahre alte Rummenigge erinnerte an die großen Zeiten des HSV in den 1970er und 1980er Jahren. Damals waren die Hamburger national ein Rivale der Bayern, 1983 gewann der HSV sogar den Europapokal der Landesmeister, den Vorgängerwettbewerb der heutigen Champions League. „Was wir im Süden der Republik waren, war der HSV damals im Norden“, erinnerte Rummenigge. Vor dem vermutlich vorerst letzten Bundesliga-Duell liegen zwischen Spitzenreiter FC Bayern und dem Vorletzten HSV in der Tabelle 45 Punkte.