Walace suspendiert, Mergim Mavraj degradiert, Kyriakos Papadopoulos zu Kreuze kriechen lassen. Beim HSV ist mal wieder mächtig Feuer unterm Dach. Doch Christian Titz sorgt sich nicht, die Kontrolle in der Kabine verlieren zu können. Er spürt weiter eine Aufbruchstimmung im Team. „Nein, die Stimmung kippt nicht“, versicherte der Trainer im Gespräch mit der MOPO und klärte auf: „Es ist völlig normal, dass es unzufriedene Spieler gibt, wenn sie, so wie wir jetzt, einen Kader mit 27 Spielern haben, und nur elf spielen und 18 nominiert werden können. Wenn ein Trainer jemanden nicht nominiert hat, dann ist man böse auf ihn, das finde ich auch gar nichts Schlimmes. Aber der Großteil der Mannschaft ist wirklich sehr bemüht, der zieht sehr gut mit, und bei denen, wo wir halt den Eindruck haben, dass sie nicht wollen oder nicht so richtig funktionieren, die nominieren wir dann nicht.“

Das Verhältnis zwischen Trainer Christian Titz und dem suspendierten Mittelfeldspieler Walace ist nachhaltig belastet. Nachdem der Brasilianer einen Einsatz gegen Hertha BSC (1:2) als Innenverteidiger verweigert hatte, aus dem Kader geflogen war und daraufhin auf einen Stadionbesuch verzichtete, wollte der HSV-Coach den 22-Jährigen eigentlich in den Profikader zurückholen. Doch dann schwänzte Walace am Sonntag eine Einheit mit der U21, flog stattdessen nach Mailand. Titz fährt nun eine harte Linie, sagte der MOPO: „Ich habe zwar gelernt, im Leben niemals nie zu sagen. Aber grundsätzlich ist die Tür, die wieder offen gewesen wäre, jetzt wieder zugegangen.“

Wie reagiert der HSV auf das erneute Fehlverhalten von Walace? Der Brasilianer, ohnehin schon zur U21 degradiert, schwänzte am vergangenen Sonntag das Training, jettete nach Mailand. Thomas von Heesen, sportlicher Berater des Vorstands, empfiehlt eine harte Linie. „Das ist nicht zu tolerieren. Der Klub macht klare Ansagen, daran hat sich jeder Spieler zu halten. Wer dagegen verstößt, muss mit den Konsequenzen leben“, sagte er der MOPO und stellte klar: „Walace hat Dinge getan, die nicht erlaubt waren, er hätte in Hamburg bleiben und trainieren müssen. Es ist klar, dass sein Verhalten sanktioniert wird. Man sollte sich an die Regeln halten, die vorgegeben sind, und nicht glauben, man ist vielleicht ein Star und kann machen, was man will. Das geht in einer Gemeinschaft nicht.“ Ob der Olympiasieger bis zum Saisonende suspendiert bleibt? Von Heesen: „Das ist nicht meine Entscheidung, darüber wird sich der Trainer sicher Gedanken machen und mit ihm sprechen – wenn überhaupt.“

Das Gespräch zwischen dem Direktor Sport Bernhard Peters und Skandal-Profi Walace ist auf Mittwoch verschoben worden. Die Sanktionierungsmöglichkeiten des Brasilianers sind arg begrenzt. „Mit einer Kündigung würde sich der Verein ins eigene Fleisch schneiden. Auch eine Abmahnung käme vermutlich dem Spieler entgegen“, sagte der Fußball-Arbeitsrechtsexperte Horst Kletke dem „Hamburger Abendblatt“, der eine andere Form der Bestrafung nahelegt. „Zusätzlich zu einer Geldstrafe und der Verbannung auf die Tribüne kann die Zeit, in der er fehlte, vom Lohn abgezogen werden.“

Eigentlich sollte es heute ein Gespräch mit Walace im Volkspark geben. Nun wurde der Termin auf morgen vertagt. Das wahrscheinliche Ergebnis: Walace wird eine Geldstrafe bekommen und muss weiter bei der U21 trainieren.