Seit zehn Spielen ist der HSV ohne Sieg, der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt schon sechs Punkte. Und nur noch elf Spiele sind zu absolvieren. Kein Wunder, dass auch Vorstands-Boss Heribert Bruchhagen so langsam der Mut verlässt. „Natürlich ist uns die Tabellensituation bewusst, es bleibt keine Alternative als an dem Restglauben festzuhalten. Die nächsten beiden Spiele sind gegen direkte Konkurrenten – wir müssen Punkten“, sagte er im Hinblick auf die folgenden Duelle mit Werder Bremen und Mainz 05.

Der drohende Abstieg des HSV beschäftigt sogar ein Werder-Urgestein. Thomas Schaaf, von 1972 bis 2013 als Spieler und Trainer für die Bremer im Einsatz, sagte der „Bild“, dass er den Nordrivalen vermissen und den Hamburgern daher die Daumen drücken würde: „Die sportliche Qualität beim HSV, um drin zu bleiben, ist da. Es sieht aber nach einem langen Kampf aus. Ich würde die Derbys vermissen.“

Durch ein Last-Minute-Tor von Zlatko Junuzovic gewinnt Bremen auf Schalke nach Rückstand noch mit 2:1 und verlässt mit nun 20 Punkten den Relegationsplatz, da Mainz (0:2 gegen Bayern) das schlechtere Torverhältnis hat. Der Tabellenvorletzte HSV (16 Punkte) hat vor dem Heimspiel am Sonntag gegen Hannover vier Zähler Rückstand auf beide Teams vor ihm und steht nun noch mehr unter Druck als ohnehin schon. In einem weiteren Kellerduell trennten sich Wolfsburg und Stuttgart 1:1. VfB-Stürmer Mario Gomez traf gegen sein Ex-Klub.

Hannovers Österreicher Martin Harnik, ein gebürtiger Hamburger, hat ein Angebot in der Winterpause von Werder Bremen bestätigt. „Natürlich macht man sich seine Gedanken, wenn so eine Anfrage kommt. Jedes Angebot ehrt einen Spieler auch, und bei Werder hat meine Profilaufbahn ja auch begonnen“, sagte der Torjäger dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Das Bremer Angebot lehnte 96-Manager Horst Heldt jedoch ab. „Für mich ist es auch eine Wertschätzung, wenn der Verein von vornherein sagt, dass er mich nicht abgeben will. Dementsprechend bin ich mit der Entscheidung absolut zufrieden und glücklich, hier zu sein“, erklärte Harnik. „Nichtsdestotrotz habe ich immer betont – und das ist auch so geblieben -, dass ich mich in Hannover super wohl fühle.“

Der HSV geht aller Voraussicht nach leer aus, Bremen schlägt ein weiteres Mal auf dem Transfermarkt zu. Nach Rechtsaußen Milot Rashica (21, für 7,5 Millionen Euro von Vitesse Arnheim) wechselt Verteidiger Sebastian Langkamp für 2,5 Millionen Euro von Liga-Konkurrent Hertha BSC zum SV Werder. Der 30-Jährige stand in der Hinserie der Saison 2007/08 im Hamburger Kader, kam damals aber nicht zum Einsatz.

Der HSV würde sich gern verstärken, konnte aber bisher noch keinen Abschluss vermelden. So bleibt Bernd Hollerbach („Der Sportchef kennt meine Wünsche“) nur ein neidvoller Blick zur Konkurrenz im Abstiegskampf: Werder Bremen holt Rechtsaußen Milot Rashica (21) vom niederländischen Erstligisten Vitesse Arnhem. „Der Wechsel steht kurz vor dem Abschluss, es fehlen nur noch einige Details. Nach dem Ausfall von Fin Bartels haben wir nach einem Spieler geschaut, der eine gewisse Geschwindigkeit und ähnliche Spielanlagen in der Offensive mitbringt. Milot ist ein Spieler, der genau in dieses Anforderungsprofil passt und uns sofort weiter hilft. Ich gehe davon aus, dass er bereits morgen mit der Mannschaft trainieren wird“, sagte Werder-Manager Frank Baumann.

Hätte der Videoschiedsrichter beim Ausgleich des HSV in Leipzig eingreifen müssen? Nach Ansicht der TV-Bilder stand Filip Kostic wohl knapp im Abseits. Bremen wurde derweil später beim 0:0 gegen Berlin ein Tor wegen des Videobeweises aberkannt. Werder-Stürmer Max Kruse schäumte deswegen: „Gang unabhängig von unserem Spiel: Das beste Beispiel für den Videobeweis ist der Treffer der Hamburger heute. Da hat jeder gesehen, was das für ein Szenario ist. Wir können damit nicht arbeiten.“