Frank Wettstein hatte am Vormittag Trainer Christian Titz in höchsten Tönen gelobt und durchblicken lassen, dass er auch im Abstiegsfall gerne mit ihm weiterarbeiten möchte. „Natürlich freut mich das, wenn mir die Verantwortlichen ihr Vertrauen aussprechen“, entgegnet Titz. „Ich habe ja auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich mich hier in Hamburg sehr wohl fühle. Ich bin jetzt im dritten Jahr hier und habe mich ja auch ganz bewusst für diese Aufgabe entschieden.“

Douglas Santos gehört zweifelsohne zu den besseren HSV-Spielern in dieser Saison. Was aber wird aus dem brasilianischen Olympiasieger? Geht der Linksverteidiger vielleicht sogar mit dem HSV in die Zweite Liga? „Diese Entscheidung überlasse ich Gott. Wenn er sagt, ich muss gehen, dann gehe ich. Wenn er sagt, bleib, dann bleibe ich. Ich bin nicht der Typ, der sagt, dass er zu Bayern oder Real will. Im Moment sind meine Gedanken nur beim HSV“, sagte Douglas Santos der „Bild“. Der 24-Jährige hat in Hamburg einen Bibel-Kreis gegründet. Rund 20 brasilianische und portugiesische Christen, darunter auch Kollege Walace und ein Pfarrer, treffen sich wöchentlich bei ihm zum Beten und Essen. Er bete dabei auch für den HSV, verriet Douglas Santos.

Der Glaube an den Klassenerhalt ist bei Trainer Christian Titz scheinbar unerschütterlich. „Die Hoffnung ist nach wie vor vorhanden und sie ist nicht gering. Als ich die Aufgabe angenommen habe, war klar, dass es nicht unbedingt mit den ersten beiden Spielen funktionieren kann“, warb er um weiteres Vertrauen. „Wenn du etwas Neues reinbringst, braucht das auch ein wenig Zeit. Wir haben mit Schalke einen richtig schweren Gegner, aber wenn wir es schaffen, drei Punkte zu holen, dann wächst das Selbstvertrauen. Dann kann der Glaube an das Wunder wieder ganz schnell leben.“

Es ist eine der spannendsten Fragen für die HSV-Zukunft. Bleibt Fiete Arp auch im Abstiegsfall beim HSV oder wechselt das 18-jährige Super-Talent nach dieser Saison den Verein? Nach Informationen der „Sport Bild“ fragte der Stürmer, dessen Vertrag 2019 ausläuft, Trainer Christian Titz um Rat. Er habe gefragt, was er an seiner Stelle machen würde, heißt es. Titz habe geantwortet, dass er beim HSV bleiben solle. In zwei Jahren könne er immer noch wechseln, mit 20 Jahren sei er immer noch blutjung, aber deutlich reifer.

Christian Titz soll zum Trumpf des HSV beim Kampf um Top-Talent Fiete Arp werden. Der Vertrag des 18-Jährigen läuft nach der kommenden Saison aus. Titz und Arp arbeiteten schon in der U17 erfolgreich zusammen. Der Trainer hofft, dass sich sein Schützling doch noch dazu entscheidet, dem HSV treu zu bleiben. „Das Wichtigste für ihn ist doch, dass er die Sicherheit hat, dass er immer spielt. Beim HSV ist Fiete gut aufgehoben und weiß, was er an den Leuten hier hat“, sagte Titz bei Sky.

Der verhängnisvolle Transferstillstand in der Winterpause beschäftigt Heribert Bruchhagen, der nach Aussage von Klaus-Michael Kühne den Investor nicht um Hilfe gebeten hatte, auch weiterhin. „Mit der Hypothese, ob uns ein 15-Millionen-Euro-Stürmer den 50 Euro teuren Abstieg in die 2. Liga erspart hätte, wird man ewig leben müssen“, sagte der Vorstands-Boss, der durchblicken ließ, dass er den Weg freimachen werde, wenn ein Besserer komme. „Ich habe immer bereitgestanden, dass ich meine Position zur Verfügung stelle, wenn das das Beste für den HSV ist. Wenn der Aufsichtsrat diese Einschätzung hat, wird man mich abberufen und dann kommt ein anderer.“ Bruchhagen plauderte dabei auch ein Detail aus seinem Vertrag, den er am 20. Dezember bis 2019 verlängert hatte, aus. „In meinem Vertrag steht, dass der Aufsichtsrat mich darum bittet, bei der Suche nach meinem Nachfolger mitzuarbeiten.“ Zur Frage, ob der HSV einen Sportvorstand haben müsse, blieb Bruchhagen eine klare Antwort schuldig. „Das kann ich nicht sagen. Man kann den Vorstand unterschiedlich aufbauen. Wir werden unaufgeregt besprechen, was das Beste für den HSV ist.“ Die Botschaft für die kommenden Wochen klingt bei Bruchhagen so: „Ich kann nur appellieren, nicht zu stark in die selbstzerstörerische Resignation zu gehen. Wenn der Fall eintritt, gehört das auch zum Sport. Das ist bitter und hat eine andere Dimension, aber es ist meine Aufgabe darauf einzuwirken, dass es nicht chaotisch wird.“ Aktuell werde er daher auf keinen Fall die Brocken hinwerfen. „Das ist doch klar. Ich komme meinen Pflichten nach und handle verantwortungsvoll. Es ist doch selbstverständlich, dass ich die Planungsgespräche begleite und mir täglich anhöre.“

Bleibt er oder geht er? Die Frage über die Zukunft von René Adler bewegt viele HSV-Fans. Nun hat sich der Torwart, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft, im Gespräch mit dem „Hamburger Abendblatt“ zu Wort gemeldet. Trotz seines Hauses am Innocentiapark (Harvestehude) werde er nicht „auf Teufel komm raus in Hamburg bleiben“, sagt Adler, der sich zudem als Italien-Fan outet. In der Toskana wird der 32-Jährige Mitte Juni mit seiner Frau Lilli Hollunder seine Hochzeit mit 130 Gästen feiern. Adler und Hollunder hatten vor vier Monaten standesamtlich in Hamburg geheiratet. Beim HSV hatte man beschlossen, im März in die Vertragsgespräche einzusteigen. Adler gehört mit einem Einkommen von 2,7 Millionen Euro pro Jahr zu den Großverdienern, ist nach mehreren Verletzungspausen inzwischen aber auch wieder die unumstrittene Nummer eins des HSV.

Die Zukunft von Gojko Kacar beim HSV ist noch immer ungewiss. Der Serbe, dessen Vertrag zum Ende der Saison ausläuft, sagt jetzt gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“: „Ich war im vergangenen Jahr in einer ähnlichen Situation und habe trotzdem immer alles gegeben, so werde ich das auch jetzt tun. Aber natürlich muss die Entscheidung zügig fallen, denn auch ich muss planen können.“

Eigentlich wollte Ivica Olic im Winter den HSV verlassen. Weil er dann aber keinen passenden Verein fand und seine Familie zudem Hamburg nicht verlassen wollte, entschied er sich doch gegen einen Wechsel. Glücklich ist Bruno Labbadia über diese Entscheidung nicht. Der „Sport Bild“ sagte der HSV-Coach: „Es wäre einfacher und schöner für beide Seiten gewesen, wenn er jetzt noch einmal eine Herausforderung für eine kurze Zeit angenommen hätte und wir nicht in diese Situation gekommen wären.“ Klingt nicht so, als ob Olic in der Rückrunde viele Einsätze bekommen wird. Beim Spiel gegen die Bayern saß der Kroate bereits auf der Tribüne.