Seit 2004 arbeitet Urs Siegenthaler für den DFB und ist als Chefscout ein wichtiger Berater und enger Vertrauter von Bundestrainer Joachim Löw. Im Interview mit der „Berliner Morgenpost“ äußerte sich der 70-jährige Schweizer generell über entscheidende Spielertypen. Er sagte: „Wir brauchen heute Spieler, die den Abschluss suchen. Dieser Spielertyp bringt Angriffe zu Ende, obwohl er vornehmlich kein Angreifer ist. Und so machen es die großen Spieler.“ Die dann folgende Frage (Einer, der diese Abschlussqualität auch hat und im Moment für Furore sorgt, ist …) unterbrach Siegenthaler direkt und führte fort: „… Fiete Arp vom HSV. Aber auch hier möchte ich keinen Bezug auf den Spieler nehmen. Doch das Entscheidende ist, dass man mit so einem Talent täglich richtig arbeitet. Dann kann das Talent ein großer Spieler werden. Wenn ich ein Klaviertalent bin, kann ich nicht nur jeden Abend in einer Bar spielen, um Geld zu verdienen. Ich muss auch täglich die Tonleiter üben, um das sauber drin zu haben. Nur so kann ich es nach ganz oben schaffen.“

Nachdem er den HSV verlassen hat, ist Kerem Demirbay so richtig explodiert. Jetzt folgte für den Hoffenheimer der verdiente Lohn: Er hat in Kopenhagen gegen Dänemark sein Länderspieldebüt für Deutschland gegeben. In der 67. Minute wurde der 23-Jährige für Leon Goretzka eingewechselt. Und Demirbay war gleich am späten Ausgleich zum 1:1 durch Joshua Kimmich (88.) beteiligt.

Beim HSV kam Kerem Demirbay nur auf drei Einsätze in der Bundesliga, er wurde leihweise an die Zweitligisten Kaiserslautern und Düsseldorf abgeschoben, ehe der Liga-Dino den 23-Jährigen im vergangenen Sommer für 1,7 Millionen Euro an 1899 Hoffenheim verscherbelte. Für Demirbay hat es sich gelohnt, mit der TSG steht er vor der Qualifikation für die Champions League und laut „Kicker“ nominiert ihn Bundestrainer Joachim Löw morgen für das deutsche Confed-Cup-Aufgebot. Die WM-Generalprobe finden vom 17. Juni bis 2. Juli in Russland statt.

Auf einem PR-Termin heute in Hamburg hat sich Bundestrainer Joachim Löw zur Lage des HSV geäußert: „Man hatte zwischenzeitlich gedacht, dass der HSV sich gerade mit den guten Ergebnissen in den Heimspielen ins Mittelfeld würde absetzen können. Es wird auch wieder besserer Fußball gespielt. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass der HSV zumindest die Relegation erreicht – und da hat man ja ausreichend Erfahrung. Ich denke, er wird es auch in diesem Jahr schaffen, sich zu retten.“

Den Umgang einiger Vereine mit seinen Trainer-Kollegen in der Bundesliga sieht Weltmeister-Coach Joachim Löw kritisch. In einem Interview mit der Funke Mediengruppe sagte er: „Ich habe Verständnis, dass ein Trainerwechsel manchmal angebracht sein kann. Entscheidend aber ist, dass dies immer fair und korrekt über die Bühne geht. Dieses Gefühl habe ich leider nicht immer. Da wird auch mal ein Trainer komplett im Regen stehen gelassen und wochenlang mit einem Ring durch die Nase in der Manege vorgeführt.“ Ob er damit den HSV und Bruno Labbadia gemeint hat? Konkret zu einzelnen Klubs wollte Löw sich nicht äußern.

Bundestrainer Joachim Löw hat zwar auf die Verletzung von Antonio Rüdiger reagiert und den Hamburger Jonathan Tah (2009 bis 2014 beim HSV und seit Sommer in Leverkusen) nachnominiert, er plant den 20-Jährigen aber vorerst nur als Sparringspartner ein. „Im Moment gibt es zwei Möglichkeiten, die infrage kommen: Mustafi oder Höwedes“, meinte Löw über die freie Planstelle im Abwehrzentrum neben Jerome Boateng. Über Tah sagte der DFB-Coach: „Die Basis stimmt. Ich bin überzeugt, dass wir ihn hervorragend ins Mannschaftstraining integrieren können.“