Die Entscheidung, einen Wechsel im Tor vorzunehmen und Christian Mathenia durch Julian Pollersbeck zu ersetzen, musste Christian Titz nicht bereuen. Trotz der Niederlage gegen Hertha BSC (1:2) war der Trainer des HSV mit dem 23-jährigen Keeper rundum zufrieden. „Julian hat ein richtig gutes Spiel gemacht“, sprach ihm Titz ein Sonderlob aus. „Er hat starke Paraden gezeigt und war mutig in der Spieleröffnung.“

Im Vergleich zum letzten Spiel unter Bernd Hollerbach nahm Christian Titz fünf Änderungen vor, unter anderem bekamen mit Julian Pollersbeck, Lewis Holtby und Matti Steinmann drei Akteure eine Chance, die zuvor unter Hollerbach keine Minute gespielt hatten. Vor allem Pollersbeck überzeugte und hinterließ die Frage, warum ihm zuvor meist Christian Mathenia vorgezogen wurde. Der U21-Europameister wehrte sieben Bälle ab. Bei den Gegentoren war er machtlos. Auch spielerisch konnte Pollersbeck, der sich oft weit vor seinem Strafraum aufhielt, überzeugen.

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Der neue Trainer Christian Titz setzt also auf einen Wechsel im Tor: Statt Christian Mathenia, vom ersten bis zum 17. sowie vom 20. bis zum 26. Spieltag unter Markus Gisdol und später Bernd Hollerbach die Nummer eins, rückt Julian Pollersbeck beim HSV gegen Hertha BSC zwischen die Pfosten. Der 23-Jährige absolvierte in der laufenden Saison zwei Partien, zum Rückrunden-Beginn in Augsburg (0:1) und anschließend gegen Köln (0:2).

Christian Titz wird seine Entscheidung erst heute nach dem Abschlusstraining bekanntgeben, die Fans des HSV haben ihr Votum bereits abgegeben. Und es fällt eindeutig aus. Mehr als 5700 Anhänger beteiligten sich an der Umfrage auf HSV24, wer gegen Hertha BSC im HSV-Tor stehen solle: 71 Prozent entschieden sich für Julian Pollersbeck, sogar Tom Mickel (19 Prozent) erhielt mehr Stimmen als der bisherige Stammkeeper Christian Mathenia (zehn Prozent).

Die Entscheidung wird Christian Titz erst nach dem morgigen Abschlusstraining bekanntgeben, doch einiges deutet daraufhin, dass der neue Trainer den Torwart wechselt. Julian Pollersbeck gilt im Vergleich zu Christian Mathenia, zuletzt die Nummer eins, als besserer Fußballer. Und Titz legt großen Wert darauf, dass auch der Keeper mit der Kugel umgehen kann.

Das Wechselspiel im HSV-Tor könnte am Sonnabend gegen Hertha BSC um eine weitere Episode fortgesetzt werden. Christian Mathenia startete als Nummer eins, zu Beginn der Rückrunde wurde er durch Markus Gisdol durch Julian Pollersbeck ersetzt. Bernd Hollerbach vertraute wieder auf Mathenia, doch nach dem erneuten Trainerwechsel darf Pollersbeck wieder hoffen. Christian Titz: „Wie für alle anderen Spieler gilt auch für die Torhüter, dass sich im Training der Bessere herauskristallisiert.“

Dem HSV droht der Abstieg, zehn Spiele vor dem Saisonende beträgt der Rückstand auf den Relegationsplatz sieben Punkte. Kein Grund für Christian Mathenia, sich allein auf die sportliche Situation zu konzentrieren. Laut „Bild“ hat sich der Torwart von seinen Beratern Christoph Leutrum und Thomas Vogel getrennt, er lässt sich nun von Arena11 vertreten, einer der Geschäftsführer ist Thomas Strunz. Scheint so, als würde Mathenia schon mal seine persönliche Zukunft planen.

Christian Mathenia kennt es nicht anders. Mit Darmstadt 98 (2015/16) und auch mit dem HSV (seit 2016) steckt der Torwart seit fast drei Jahren dauerhaft im Abstiegskampf. Wie er damit umgeht? „Ich habe gelernt, wie man mit dem Druck richtig umgeht“, sagte der Keeper bei „HSV live“, vor allem beim Liga-Dino müsse man einiges aushalten: „Das Thema ist natürlich sehr groß, gerade in Hamburg. Dort herrscht automatisch sehr viel Unruhe und Druck. Das Wichtigste ist, dass wir uns als Team der prekären Situation bewusst sind und diese voll annehmen. Das ist der Fall.