Mit dem SC Freiburg machte Christian Streich den Klassenerhalt heute perfekt, für die Konkurrenz aus Hamburg hatte der Trainer tröstende Worte parat: „Der HSV geht einen guten Weg, jetzt haben sie verlängert mit dem Trainer. Die Leute stehen dahinter. Vereine wie der HSV, man hat das gesehen beim VfB oder Hannover, die kommen wieder zurück“, sagte Streich. Und weiter: „Jetzt spielen sie halt mal ein Jahr nicht in der Bundesliga, so traurig das ist. Aber das ist uns auch schon passiert, dass wir abgestiegen sind. Wenn man das richtig macht, kann man auch wieder aufsteigen.“

Zuletzt verlor der SC Freiburg die vergangenen vier Spiele in Folge. Das ist die längste Niederlagen-Serie des Klubs in der Bundesliga seit mehr als sieben Jahren (ebenfalls vier Niederlagen zwischen Februar und März 2011). Das Team von Trainer Christian Titz traf in den zurückliegenden sechs Partien nur einmal und wartet seit 307 Minuten auf ein Tor. Auch die Auswärtsbilanz ist negativ. Saisonübergreifend gewann Freiburg nur eines der letzten 18 Bundesliga-Gastspiele (sechs Remis, elf Niederlagen). Zudem stellen die Breisgauer mit 50 Gegentoren die zweitschwächste Defensive der Liga. Nur Köln (58) musste mehr Gegentreffer hinnehmen als Freiburg. 35 Gegentreffer ließ die Streich-Elf dabei auswärts zu.

Natürlich liegt Christian Streich nichts daran, seinem Papa leiden zu lassen. Aber morgen will und muss er das tun, um nicht selbst Gefahr zu laufen, mit dem SC Freiburg aus der Bundesliga abzusteigen. Doch ein wenig steckt der Coach wie vor jedem Duell mit dem HSV in der Klemme. Warum das so ist, erklärte er einst wie folgt: „Mein Vater ist seit Kindestagen großer HSV-Fan. Und wenn du dann mit ihm über den Hamburger SV sprichst, dann merkst du schon, was das war und was das ist, welche Bedeutung dieser Verein hat. Das ist schon eine richtg große Hausnummer“, so Streich. Freiburgs Trainer erinnerte sich daran, dass im Büro seines Vaters über dem Schreibtisch ein HSV-Poster hing: „Das habe ich ihm sogar geschenkt, und es war sicher nicht das unliebste Geschenk, was er bekommen hat.“

Nach der Niederlage am Montag in Mainz (0:2) war Christian Streich darum bemüht, den Fokus schnell auf die Herausforderung morgen beim HSV zu legen. Dabei arbeitete er auf dem Platz mit seinem Team, aber auch im mentalen Bereich. „Es ist nicht so, dass die Spieler alle mit gesenkten Köpfen herumlaufen. Im Gegenteil, die Mannschaft ist absolut lebendig und wir fühlen uns gut vorbereitet auf Hamburg.“ Streich sah sich die Auftritte des HSV unter Christian Titz genau an und kam zu folgender Analyse: „Hamburg ist offensiv ausgerichtet, spielt von der Aufstellung her nach vorne gewandt und hat viele technisch gute Spieler, die Fußball spielen wollen und versuchen werden, uns mit ihrem Pressing an die Wand zu drücken.“

Die Lage im Abstiegskampf wird immer heißer, Trainer-Vulkan Christian Streich dagegen immer leiser. Bei der Pressekonferenz blickte der Freiburger Coach in sich ruhend auf die Niederlage am Montag in Mainz (0:2) und das bevorstehende Duell mit dem HSV am Sonnabend voraus: „Es sind Nuancen gewesen, daran arbeiten wir jetzt. Wir müssen ballsicherer werden. Es ist eine Grundvoraussetzung, dass dur dir gewisse Dinge zutraust“, stellte Streich fest und betonte: „Ich glaube, dass es das Beste ist, wenn wir unsere erfahrenen Spieler versuchen zu stärken. Wir wissen, dass wir in Hamburg meist gut ausgesehen haben. Dann gehst du natürlich mit einem positiven Gefühl in das Stadion. Egal, was passiert, wir müssen davon überzeugt sein, dass wir es gemeinsam hinbekommen.“

Zuletzt feierte der SC Freiburg einen wichtigen Heimsieg gegen Mainz (2:1), nun soll im Keller-Duell mit dem HSV der nächste Sieg her. Allerdings rechnet Christian Streich damit, dass es noch schwerer wird. „Wir müssen es noch besser machen und stabiler sein“, sagte der SCF-Coach. „Sie werden genauso draufgehen wie gegen Hoffenheim und versuchen, uns mit Pressing und Balleroberungen aus dem Konzept zu bringen.“

Fiete Arp hat nicht nur die Hamburger Herzen erobert, auch Freiburgs Christian Streich schwärmt vom Sturm-Juwel des HSV. „Der junge Kerl hat au­ßer­ge­wöhn­li­che Fä­hig­kei­ten. Als er ein­ge­wech­selt wurde, war mir klar, dass der die nächs­ten Spie­le von An­fang an spielt. Der SC-Trai­ner wei­ter: „Ich habe ihn ein paar Mal im Fern­se­hen ge­se­hen. Als Spie­ler, der in dem Alter Bun­des­li­ga spielt, hat er wahn­sin­nig viel. Der Kör­per, das Fuß­bal­le­ri­sche, die Dre­hung. Man braucht sich nur die Dre­hung gegen Schal­ke an­schau­en. Da dreht er sich auf dem Bier­de­ckel. Und schießt knapp vor­bei.“ Streich freut sich für den heutigen Gegner, den Super-Bubi im Team zu haben: „Es tut dem HSV wahn­sin­nig gut, wenn sie so einen jun­gen Kerl haben. Was Fri­sches für den HSV, was für die Iden­ti­fi­ka­ti­on. Das braucht so ein Ver­ein mit sol­cher Qua­li­tät und Tra­di­ti­on.“